Full text : Ferdinand Lassalle

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hereintrat,  verlangte  sogleich  die  Klasse,  daß  meine  Arbeit
vorgelesen  werden  sollte.  Heuschkel  ließ  sich  zuerst  in
eine  Disputation  mit  mir  ein,  in  der  ich  jedoch  Sieger
blieb.  Der  idealen  Begriffe  wegen,  die  ich  für  die  wahre,
edle  Freundschaft  aufstellte,  nannten  mich  einige  überspannt. ­
  Die  Armen!  Wenn  sie  heute  schon  so  nüchtern
von  der  Freundschaft  sprechen,  was  werden  sie  in  einem
Alter  von  fünfzig  Jahren  darüber  sagen!  Wenn  sie
schon  heute  nur  jener  spießbürgerlichen  Freundschaft
fähig  sind,  heute  als  kaum  ins  Leben  getretene  Jünglinge, ­
  wie  engherzig  werden  sie  als  Greise  sein!  Ich
bedauere  sie,  diese  Menschen,  die  schon  von  ihrer  Geburt
an  alte,  bedächtige  Philister  sind.
Was  mich  aber  schmerzte,  war,  daß  auch  mein  Freund
Wilhelm  sich  unter  jenen  befand,  die  meine  Verehrung
für  das  Wort  „Freundschaft"  Überspannung  nannten.
Und  doch  weiß  ich,  oder  glaube  ich  wenigstens,  er  begreift ­
  mich.  Es  ist  bloß  Neckerei,  Scherz  von  ihm,  mich
überspannt  zu  nennen.  Und  doch,  wüßte  er,  wie  rauh
dieser  Scherz  die  zartesten  Saiten  meines  Gemütes  verstimmt, ­
  er  würde  ihn  lassen!  Nicht  um  meinetwillen
schmerzt  es  mich,  es  tut  mir  nur  weh,  ihn  auf  Augenblicke ­
  unter  die  gewöhnliche  Rasse  zählen  zu  müssen.
Heute  abend  spielte  ich  mit  L.,  der  zu  mir  kam,  Whist.
Eine  solche  Ehrlosigkeit  übersteigt  meine  kühnsten  Begriffe.
Au  einem  Menschen  zu  kommen,  der  mir  gestern  die
Tür  gewiesen  hat!  Das  fasse  ich  nicht.
Ein  widriges  Gefühl  ergreift  mich,  wenn  ich  Leute
wie  diesen  und  ähnliche  betrachte.  Denn  ich  sehe  in  ihnen
die  lebenden  Gründe,  warum  das  jüdische  Volk  so  verachtet ­
  wurde.  Solche  Leute  waren  es,  die  es  dahin
            
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