Full text: Ferdinand Lassalle

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gemacht waren, auch vor dem Drucke dieser die Würde 
und Freiheit der Wissenschaft bewahren wollte. Nach 
irgendeinem äußern Kriterium der Wissenschaftlichkeit 
eines Buches haschend, suchte man ein solches, wie un 
geschickt die getroffene Wahl auch war, in dem äußern 
Umfang eines Werkes und verordnete: Bücher über 
zwanzig Bogen sind zensurfrei. 
Diese mehr als fünfhundertjährigen Traditionen, dieser 
Satz, der lange, ehe er Gesetz war, durch Praxis und Usus 
bei allen modernen Nationen in Geltung war, diese 
uralte Überlieferung des geistigen Lebensprozesses der 
germanischen Nationen ist es, welche die Gesellschaft 
endlich im Artikel 20 der Verfassung zusammenfaßt, 
jedem spätern Gesetzgeber selbst als Norni zurufend: 
„Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei." 
Ist frei ohne Schranken, frei ohne Grenze, frei ohne 
Riegel! Alles hat in gesetzlichen Zuständen seine 
Grenze; jede Macht, jede Funktion, jede Befugnis. Das 
einzige, was selber grenzenlos und unendlich, auch in 
grenzenloser und unendlicher Freiheit wie die Sonne 
im Äther über allen festen Zuständen schweben soll, das 
ist das Sonnenauge theoretischer Erkenntnis! 
Frei soll sie sein, selbst bis zum Mißbrauch frei! 
Denn wenn selbst bei der Wissenschaft und ihrer Lehre 
von einem Mißbrauche die Rede sein könnte — was 
aus das allerernsthafteste bestritten werden kann, meine 
Herren —, hier wäre der Punkt, wo die Verhütung des 
Mißbrauchs in einem Fall die Segnungen des Ge 
brauchs in Millionen Fällen verhindern könnte. Wenn 
irgendwelche Staatsinstitutionen, wenn irgendwelche 
Klasseneinrichtungen gegen die Wissenschaft geschützt
	        
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