fullscreen: Die Sonneberger Spielwaaren-Hausindustrie und ihr Handel

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deutsche Spielwaaren ebenso billig, zum Theil billiger zu kaufen 
sind als wie in Deutschland selbst*). 
Je erfindungsärmer der überwiegende Theil einer plastischen Industrie- 
Gruppe ist, desto geistärmer wird deren individuelle Handarbeit und um so 
gieriger zieht sie die Geistesarbeit ihres Faches in den Sumpf des Materialis 
mus, darin er seine Nahrung findet. 
Und in der That, noch ehe der Erdenker eines originellen Handels 
artikels einen entsprechenden pekuniären Nutzen vom Erfolge seines geistigen 
Schaffens hat, indem er ihn für die besseren Classen solid fabrizirt, weil 
diese für geschmackvolle Arbeit gute Preise zahlen, stürzen sich Dutzende von 
Fabrikanten auf dessen Nachahmung, um ihn in ordinärer Qualität 
billiger für die zahlreicheren Mittelclassen herzustellen und 
Hunderte gehen nach und nach auf dessen nochmalige Verschlechterung der 
Qualität aus, um ihn zu allerniedrigsten Preisen den untersten Volks 
schichten zugänglich zu machen. 
Genau den Graden der Geschmacksbildnng und des Wohlstandes, 
welche die verschiedenen Classen aller eivilisirten Länder von einander ab 
schichten, entspricht der Consum in jedem Lande. Nach ihm richtet sich 
dessen Im porthandel, indem er seinen Bedarf nach den Stufen mißt, 
auf denen seine Kundschaft steht, und seine Bestellungen nach Preisen ertheilt, 
welche inclusive der Transport- und anderer Unkosten, auch inclusive seines 
und der Detaillisten Nutzen, dem Werth der in seinem Lande couranten 
*) Man vergleiche Puppen, Pferde, Esel und andere beliebte Spielwaaren zu 10, 
50 Pf., zu 1, 1^2 und 2 Mark rc. in deutschen großstädtischen Läden mit solchen zu 
den entsprechenden Preisen in vornehmen Spielwaarenläden Englands, namentlich in 
London, und man wird diese Behauptung völlig bestätigt finden. Freilich ist hierbei 
in Betracht zu ziehen, daß der Engländer bei seinen Einkäufen geringfügiger Alltags- 
Luxus- und Gebrauchssachen wie Spielsachen überhaupt praktischer verfährt als der 
Deutsche. Jener bestimmt im Voraus die Münze, um die er kaufen will, 
letzterer fragt nach dem Preise. Darum hat der Engländer nur mit einem 
Faktor, der Waaren-Qualität, der Deutsche aber mit zwei Faktoren, der Qualität und 
dem Preise, resp. Werth, zu rechnen. Dieser erschwert sich, jener erleichtert sich das 
Geschäft und erlangt Kenntniß des Werthes der Waaren viel leichter. 
mit Ausnahme der in Deutschland erst neuerer Zeit sporadisch auftretenden 10 und 50 Pfennigs- 
Artikel-Verkaussläden,
	        
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