Object: Ferdinand Lassalle

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Zuhilfenahme des unter dem Eindruck des Frischempfan 
genen noch besonders bereitwilligen Gedächtnisses den 
ungefähren Wortlaut nach dieser Niederschrift herzu 
stellen. Nur an einigen Stellen, wo ich durch die in 
teressante Persönlichkeit des Angeklagten von meiner 
Arbeit abgelenkt war, machte mir die Redaktion der 
Rede nach meinen Aufzeichnungen Schwierigkeiten. Um 
diese zu heben, wandte ich mich an Lassalle selbst. In 
der Zeitung hatte ich zunächst einen kurzen resümierenden 
Bericht gebracht und einen ausführlichen mir vorbehalten. 
Am anderen Tage, am 28., ging ich zu Lassalle und 
bat ihn, mir bei dem Berichte zu helfen. Ich las ihm 
vor, was ich geschrieben hatte; er änderte einige wenige 
Kleinigkeiten und füllte durch sein Diktat alle Lücken 
aus. Die Revision und die Nachträge erforderten immer 
hin noch mehrere Stunden. Ich saß als Sekretär am 
Tische und schrieb nach dem Diktate Lassalles noch 
einige zwanzig Seiten, so daß der Bericht über die 
Rede allein zwölf bis fünfzehn Spalten der Zeitung 
füllte. Lassalle diktierte wieder nach seiner Disposition, 
indem er beständig im Zimmer auf und ab schritt. 
Sein Diktat stimmte mit der am Tage vorher ge 
haltenen Rede bis auf die kleinste Wendung — bis 
aufs „und", wie die Schauspieler sagen — genau 
überein. Es fiel mir auf, daß er auch jetzt, da sich 
das Auditorium auf meine Person allein beschränkte 
und er keinerlei rhetorische Wirkung zu erzielen 
brauchte, ganz dieselben Akzente wählte wie in der 
öffentlichen Sitzung und an den betreffenden Stellen 
auch dieselben Bewegungen machte wie am Tage 
vorher.
	        
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