Die Arbeitsteilung.
49
Länder vor den gelben Konkurrenten — es seien nur wieder die
Chinesen- und Iaxanerhetzen Kaliforniens erwähnt — sind ein
hinreichender Beweis für diese Möglichkeit, und unter uns sehen
wir, wie die Polen.sdwohl in ihrer östlichen Heimat wie im Berg-
-revier Rheinlands-Westfalens wirtschaftlich aufstiegen. Darum
hielten auch Zeiten und Völker Mit weniger empfindsamen Nerven
diese fremden Rassen durch rechtliche Zwangsmittel, Sklaverei
oder Frondienst, in ihrer wirtschaftlich niedrigen Stellung oder
trennten die Lrwerbsstände durch soziale Schranken wie Kasten
und Adel. (Erregt doch selbst heutzutage ein Adeliger bei uns,
sofern er sich'am Erwerbsleben in dessen unteren Schichten be-
teiliat, also etwa Kleinkaufmann wird, unsere Verwunderung.
Diese kastenmäßige Scheidung der Lrwerbs
stände galt überhaupt für uns noch immer als ungefchriebcnes
Gesetz, an das wir' uns allerdings nicht gern erinnern ließen,
vor allem wird jede Schicht ein hinuntersinken ihrer Angehörigen
auf eine von ihr'als lieferstehend empfundene Stufe zu verhindern
suchen; der Sohn eines Arztes darf nicht Handwerker werden,
selbst wenn er nur dazu Lust und Neigung hat; die Tochter des
Landgerichtsrats darf zwar eine Lrzieherinnenstelle annehmen,
nicht aber die einer Köchin, obgleich letztere vielleicht oder wahr-
scheinlich besser bezahlt wird. Umgekehrt hat der aus einer
unteren Schicht Emporsteigend e gegen stille soziale widerstände
zu kämpfen; selbst wenn die Tochter des millionenreich gewordenen
amerikanischen Schuhwichsefabrikanten einen englischen Herzog
heiratet, so bleibt der Papa Schuhwichsefabrikant doch ein Parvenu
und bestenfalls ein Arrive. — Dieses, rlufsteigen von unten nach
oben insbesondere aus Dem Arbeiterstande, war aber bei uns auch
noch'durch die Entwicklung der Wirtschaft selbst aehemmt, die den
Erfolg immer mehr an den vorherigen Besitz von Kapital oder
doch an ganz ungewöhnliche Begabung knüpfte.
Die individuell eBeg a bung und Veranlagung
ist endlich die letzte natürliche Ursache der 2lrbeitsteilung, und
zwar eine Ursache, die unaufhörlich am Werke i>t. bie spielt, wie
bereits gesagt, schon bei der Berufswahl in vielen Fällen eine
entscheidende Rolle. Sie wird sich unter Umständen selbst gegen
heftige widerstände durchsetzen, seien es konventionelle Vorstel
lungen der Geburtskreise, sei es Mangel an Mitteln oder irgend
eines der vielen Hemmnisse, die sich jeder Lebensentfaltung ent
gegenstellen. Insbesondere sind es geistige, namentlich künstle-
Wygodzlnski, Einführung in dir VolkswirifchafiSl-hr«