Full text : Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

Die  Wohnungsfrage.

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kundigen  im  Kuratorium  als  vortrefflich  anerkannt,  und  das
unbebaute  Hintergelände  eigne  sich  zu  Neubauten.  Er  müsse
dagegen  protestieren,  daß  der  Stifter  von  „angenehmen"
Wohnungen  spreche;  daß  sei  nicht  der  Fall.  In  der  Stiftungsurkunde ­
  sei  nur  davon  die  Rede,  „angemessene"  Wohnungen
zu  beschaffen.  Das  in  Rede  stehende  Haus  sei  früher  sogar
ein  adeliges  Haus  gewesen,  es  habe  der  Nesselrodeschen
Familie  gehört.  Es  könnten  darin  14—16  Familien  ganz  „angemessene" ­
  Wohnung  finden.  Da  komme  denn  heute  diese
unglückselige  Treppe!  Die  Stiftung  sei  nun  beinahe  drei
Jahre  alt  und  noch  sei  kein  Schritt  zu  ihrer  Ausführung  getan. ­
  Da  dürfe  man  doch  nicht  länger  zögern.
Herr  Beigeordneter  B.:  Nachdem  so  scharfe  Angriffe  gegen
das  Haus  gefallen,  müsse  er  doch  etwas  zugunsten  desselben
sagen.  Im  Kuratorium  sei  man  vollständig  einig  gewesen  über
die  Vortreffliohkeit  des  Planes.  In  der  Baukommission  aber
sei  nur  die  Treppe  bemängelt  worden.  Es  sei  nicht  wohlgetan, ­
  wenn  man  ein  so  weislich  überlegtes  Projekt  in  dieser
Weise  in  der  Öffentlichkeit  diskreditiere.  Für  die  Herren,  die
dagegen  gesprochen  haben,  seien  die  Wohnungen  natürlich
nicht  angemessen,  aber  für  Leute,  für  die  sie  bestimmt  sind,
seien  sie  vorzüglich.
Herr  Stadtv.  E.:  Die  Treppe  interessiere  ihn  nicht,  aber
er  müsse  erklären,  daß  er  Wohnungen  von  zwei  Zimmern
nicht  für  angemessene  Wohnungen  halte.  Die  Wohnungsverhältnisse ­
  im  alten  Stadtteil  seien  unwürdig  und  wahrhaftig
polizeiwidrig.  Die  Leute  bezahlten  für  Löcher  40—50  Taler,
Er  müsse  darauf  bestehen,  daß  die  Wohnungen  mindestens  zu
drei  Zimmern  in  Aussicht  genommen  würden.  In  Wohnungen
von  zwei  Zimmern  diene  das  eine  Zimmer  als  Küche,  Werkstatt ­
  und  Wohnzimmer;  im  anderen  schlafe  die  ganze  Familie.
Seien  mehrere  uud  größere  Kinder  vorhanden,  so  seien  diese
Wohnungen  geradezu  unanständig  und  sittlich  verwerflich.  In
einer  hiesigen  Zeitung  werde  für  Arbeiterkolonien  an  der
Peripherie  der  Stadt  plaidiert.  Dagegen  müsse  er  sich  ganz
entschieden  aussprechen;  er  sei  vielmehr  der  Meinung,  daß
der  größte  Teil  der  Stiftung  in  der  alten  Stadt  bleibe,  da  hier
die  Wohnungsnot  am  größten.  Er  beantrage  demnach,  das
Projekt  zurückzuverweisen  und  dem  Kuratorium  den  Auftrag
zu  geben,  Wohnungen  von  mindestens  drei  Räumen  ins  Auge
zu  fassen.
Herr  Stadtv.  K.  stellt  gegenüber  Herrn  H.  fest,  daß  in
dem  ihm  von  der  Verwaltung  zugesendetengedruckten  Exemplare
der  Stiftungsurkunde  nicht  von  „angemessenen,"  sondern
von  „angenehmen"  Wohnungen  die  Rede  sei.
Herr  Beigeordneter  B.:  Das  Wohnungsbedürfnis  gehe  für
die  kleinen  Leute  nicht  über  zwei  Zimmer  hinaus;  wenn  die
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