Full text : Logik des Geldes

50  Drittes  Kapitel.  Die  Geldliteratur  und  derVersuch,  zu  Ende  zu  denken.

»Da  aber,  wie  hinreichend  erwiesen,  was  aus  der  großen
Wechselwirkung  der  Produktion  und  der  Konsumtion  (oder  des
lebenerzeugenden  Todes  und  zum  Tode  strebenden  Lebens)
innerhalb  des  Staates  heraustritt,  nunmehr  und  deshalb  für  völlig
und  absolut  tot  zu  achten  ist,  so  kann  erstens  die  gesamte  Haushaltung ­
  keinen  anderen  und  geringeren  Zweck  haben,  als  den
Nationalkredit  oder  den  Glauben  an  den  Staat,  und  zweitens  kann
kein  absolut  gesondertes  Privateigentum  stattfinden.«  (Theorie  d.
G.  S.  86-87.)
Alle  einzelnen  Bedürfnisse  lassen  sich,  wie  ich  schon  oben
gezeigt,  auf  ein  einziges  Hauptbedürfnis  reduzieren:  Der  Mensch
will  sich  vervollständigen,  verewigen;  er  will  sich  über  die  eigene
Gebrechlichkeit,  Unvollständigkeit,  Vergänglichkeit  zur  Gesundheit, ­
  Fülle  und  Dauerhaftigkeit  des  ganzen  Geschlechtes  erheben,
in  welchem  er  lebt,  sich  selbst  erkannt  hat,  seiner  selbst  bewußt
worden  ist.«  (Theorie  d.  G.  S.  105.)
»Das  Verlangen  nach  dem  Gelde  ist  ein  bloßer  unvollkommener
Repräsentant  des  höheren  Verlangens  nach  der  Vereinigung,  nach
dem  Staate;  und  es  gilt  unter  allen  diesen  Verwicklungen  des
ökonomischen  Lebens  noch  heute,  daß,  wer  in  dem  Gelde  irgendetwas ­
  anderes  begehrt,  als  die  bürgerliche  Gesellschaft,  welche
die  Materie  des  Geldes  nur  symbolisch  andeutet,  oder  wer  diese
Materie  an  sich  begehrt,  nie  befriedigt  werden  könne.  Daher
habe  ich  an  einem  anderen  Orte  gezeigt 1 ,  wie  das  Geld  eigentlich
nichts  anderes  sei  als  die  Eigenschaft  der  Geselligkeit,  welche  im
größeren  oder  geringeren  Grade  allen  Dingen  innewohne,  und
daß  unter  den  Sachen  besonders  die  edlen  Metalle,  unter  den
Personen  aber  noch  in  viel  vollkommenerer  Gestalt  der  wahre
Staatsmann  diese  Eigenschaft  an  sich  trage.«  (Theorie  d.  G.
S.  156.)
»Das  Geld  ist  so  wenig  als  der  Staat  oder  die  Sprache  eine  Erfindung. ­
  Der  Mensch,  inwiefern  er  nur  überhaupt  da  ist,  bedarf
Personen  und  Sachen:  Die  Sachen  um  der  Personen,  die  Personen ­
  um  der  Sachen  willen,  beide  um  seiner  Unvollkommenheit
willen,  beide,  um  sich  zu  ergänzen,  um  sich  zu  verewigen.  Er  bedarf ­
  also  außer  sich  selbst  noch  eines  Bandes,  das  ihn  mit  den
Personen  und  Sachen  unauflöslich  verbinde  und  wiewohl  sein
eigenes  unnachlassendes  Bedürfnis  nach  jener  Gemeinschaft
schon  diese  Verbindung  vollzieht,  so  wird  er  doch  derselben  sich
nur  bewußt,  inwiefern  er  in  den  Personen  und  Sachen  das  gleiche
Bedürfnis  wahrnimmt.  Das,  was  diese  Verbindung  vollzieht,  ist
in  den  spätesten  Entwicklungen  der  bürgerlichen  Gesellschaft,
wie  in  den  frühesten  Anfängen  derselben  der  Staat;  und  Geld  ist
nichts  anderes  als  der  ökonomische  Ausdruck  für  dieses  Bedürf-1

  Elemente  der  Staatskunst.  II.,  III.  Teil.
            
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