Full text: Logik des Geldes

76 Viertes Kapitel. Grundlegung einer wirtschaftlichen Theorie des Geldes. 
über diejenige einer »staatlichen Theorie des Oeldes« hin 
ausgeht, und die gleichwohl unserer wirtschaftlichen Logik 
erheblich erscheint: Was wird aus der endlichen Befriedi 
gung des Inders, was aus dem Qelde der 400 Millionen Ein 
geborenen, wenn einst die staatliche Verbindung mit England 
gelöst, wenn der friedliche wirtschaftliche Verkehr mit dem 
Lande der Eroberer gestört sein sollte? Erscheint nicht dann 
der indische Geldbesitzer um einen Teil seines Besitzes be 
trogen? Betrogen in raffinierter Weise, auf eine ganz un 
merkliche Art, die äußerlich, gesetzlich gerechtfertigt war? 
Ausgeplündert, indem die Institution des Oeldes mißbraucht 
worden ist zur wirtschaftlichen und finanziellen Beraubung 
eines Volkes? Diese Fragestellung scheint uns inter 
essant und wesentlich genug, um wenigstens eine Diskusssion 
zu fordern. Hier aber versagt eine »staatliche« Theorie. 
Knapps Lehre z. B. gilt zunächst innerhalb des Staates. 
Und sie gilt darüber hinaus, soweit es sich darum handelt, 
die Maßregeln zur Stabilisierung des Wechselkurse eines 
Staates gegenüber den anderen zu erklären. Sieht man doch 
zuweilen das Hauptverdienst Knapps darin, das Problem der 
internationalen Geldkurspolitik scharf formuliert und betont 
zu haben. Er geht hier stets davon aus, daß früher alle 
Staaten dem Beispiele Englands mit der Einführung der 
Goldwährung oder mit dahin abzielenden Bestrebungen ge 
folgt seien, durch die Übermacht Englands genötigt und von 
dem Wunsche geleitet, sich feste Wechselkurse gegen das 
Ausland zu verschaffen. Nur kurz streift Knapp in seinem 
Hauptwerk die Gründe, weshalb England selbst zur Gold 
währung übergegangen ist '. Hätten nicht bei einer ein 
gehenderen Erörterung dieses Problems gewisse Kon 
zessionen auch an eine metallistische Geldauffassung gemacht 
Knapp, Staatliche Theorie des Geldes 1905, S. 265 und 295.
	        
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