Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

26  Erster  Teil.  Deutsche  Volkswirte,  Kaufleute  und  Industrielle.

Gute  getan  und  nützlich  gewirkt  zu  haben.  Schulze-Delitzsch  hatte  —  wie  der  hervorragende ­
  Publizist  Nefftzer  trefflich  ausführt  —  etwas  von  Bastiat  und  etwas  von
Luther  an  sich.  Alle  die,  welche  die  Wissenschaft  der  Nationalökonomie  schätzen,
werden  den  Verlust  von  Schulze-Delitzsch  tief  empfinden  und  beklagen."
In  ähnlicher  Weise  wird  Schulze-Delitzsch  von  dem  hochverdienten  A.  Malarce
in  einem  Leitartikel  des  „Journal  des  Ddbats"  vom  25.  Mai  1883  gefeiert,  der  mit
den  Worten  schließt:  „Mit  Schulze-Delitzsch  ist  ein  großer  Stern  von  uns  gegangen,
ich  sage  nicht  erloschen,  denn  wenn  dieser  Stern  auch  unsern  Horizont  verläßt,  zeichnet
er  uns  durch  seine  leuchtende  Bahn  die  Wege  des  Fortschritts  vor,  die  wir  in  Zukunft
zu  wandeln  haben."  Auch  Leroy-Beaulieu  würdigt  in  der  Wochenschrift  „L’ficonomiste
  frangais"  vom  12.  Mai  das  Wirken  von  Schulze-Delitzsch  in  einem  längeren
Nekrologe.
Tief  ergreifend  war  auch  die  Trauerfeier,  welche  am  18.  Mai  1883  im  Saale
der  Allgemeinen  Arbeitergenossenschaft  in  Rom  am  Fuße  des  Kapitols  stattgefunden
hat,  wobei  der  italienische  Nationalökonom  Prof.  Luzzatti  als  Präsident  der  italienischen ­
  Genossenschaften  in  begeisterten  Worten  das  an  Kämpfen  und  Taten  so  reiche
und  doch  so  bescheidene  Leben  des  „Apostels  von  Potsdam"  schilderte  und  dem  pomphaften ­
  verführerischen  Auftreten  Lassalles  gegenüberstellte.  Luzzatti  erinnerte  an  das
Interesse,  welches  Schulze-Delitzsch  den  Genossenschaften  Italiens  zugewendet,  das  er
heiß  geliebt  habe.  Noch  kurz  vor  seinem  Tode  habe  er  daran  gearbeitet,  die  Genossenschaften ­
  Deutschlands  und  Italiens  durch  wechselseitigen  Kredit-  und  Kontokorrentverkehr ­
  eng  miteinander  zu  verbinden.  Die  stimmungsvolle  Feier  endete  mit
einigen  Worten,  die  der  jetzige  Minister  Genala  dem  Gedächtnis  von  Schulze-Delitzsch
als  politischem  Freunde  Italiens  widmete.
Ja,  wir  Deutschen  haben  einen  großen  Mann  verloren,  der  es  wie  wenige  seiner
Zeitgenossen  verstanden  hat,  den  Ruhm  deutscher  Tatkraft  und  uneigennütziger
Menschenliebe  auch  unter  andern  Völkern  zu  verbreiten.  Sein  kräftiger  nationaler
Sinn  hat  seiner  internationalen  Bedeutung  keinen  Eintrag  getan.  Er  war  einer  der
reinsten  öffentlichen  Charaktere  und  einer  der  beharrlichsten  Förderer  der  friedlichen
und  freiheitlichen  Entwickelung  des  Menschengeschlechts.  Seine  Grundsätze  haben
keinen  Haß  und  Neid  erregt,  sondern  auch  die  ungünstig  gestellten  Volksklassen  mit
Lust  und  Freudigkeit  zur  Arbeit  und  mit  Vertrauen  zu  ihren  Mitmenschen  erfüllt.
Mögen  die  nachfolgenden  Geschlechter  in  seinem  Geiste  wirken,  und  möge  die  Saat,
die  er  über  viele  Völker  ausgestreut  hat,  immer  reichere  Früchte  bringen!

12.  Alfred  Krupp.
Von  Diedrich  Baedeker.
Baedeker,  Alfred  Krupp  und  die  Entwickelung  der  Gußstahlfabrik  zu  Essen.  Essen,
G.  D.  Baedeker,  1889.  S.  347-319  und  S.  351-356.
Bei  aller  Kleinheit  und  Kleinlichkeit  der  Verhältnisse,  in  denen  Alfred  Krupp
aufgewachsen  war,  und  die  auch  bis  in  die  fünfziger  Jahre  hinein  ihn  noch  umgaben,
lieh  sich  sein  Geist  niemals  von  denselben  beeinflussen  oder  gar  überwältigen.  Sein
Idealismus  war  der  unerschütterliche  Glaube  an  das  Emporsteigen  eines  neuen  Gestirns, ­
  des  Stahls,  an  dem  er  selbst  die  Stelle  des  Prometheus  übernehmen  würde.
Von  jeher  dachte  und  handelte  er  in  allem  groß.  Wie  hätte  es  bei  einem  so  bevorzugten ­
  Liebling  des  Genius  auch  anders  sein  können!  Niemals  ist  der  Erwerb,  das
Geld,  sein  Zweck  gewesen;  auch  war  er  nie  ein  Kaufmann.  Lieber  setzte  er  sein  ganzes
            
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