Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

68 Zweiter Teil. Handel. III. Zur Geschichte von Handel und Industrie rc. 
dauerhaften Aufschwungs, bleibender Blüte bildet, das Fundament des deutschen 
Hauses. Ihre eigenen Ruhmestitel werden dadurch nicht geschmälert. 
Niemand kann übersehen, wieviel zähe Ausdauer im Konkurrenzkampf, wieviel 
Wagemut und Selbstvertrauen nötig war und ist, um für den deutschen Handel 
die Stellung zu erringen und zu behaupten, die er zum Stolz des deutschen Namens 
jetzt in der Welt einnimmt. Und es ist keine leere Schmeichelei, wenn ich hier vor 
Ihnen und von Ihnen, den Pionieren unseres Handels, sage: Den größeren Teil 
Ihres Wertes haben Sie sich selbst geschaffen; Ihre besten Gewinnchancen lagen in 
Ihrer eigenen Tüchtigkeit. Einer meiner erprobtesten Mitarbeiter, der heute morgen 
Ihre Versammlung begrüßte, hat kürzlich den vortrefflichen Eigenschaften des deutschen 
Arbeiter st andes ein unumwundenes Zeugnis ausgestellt, das ich Wort für 
Wort unterschreibe. Ich werde bei Ihnen keinem Einspruch begegnen, wenn ich an 
erkenne, welcher Schatz an gesunden Kräften, an Intelligenz und Fleiß im werk 
tätigen Volke Tag für Tag lebendig ist. Ich füge aber hinzu, und diese Ergänzung 
mache ich auch im Sinne des Grafen Posadowsky, daß die in den Masten schlum 
mernden Fähigkeiten sich nicht so fruchtbar entwickeln könnten ohne die Verdienste 
der deutschen Arbeitgeber. Wenn aus unserem Einsatz im Welthandel die 
geistige Energie, der weite und freie Blick des deutschen Unternehmertums gestrichen 
würden, müßten sich für Millionen von Arbeitern die Lebensbedingungen ver 
schlechtern. Dann könnten wir auch nicht länger die wirtschaftliche und politische 
Stellung aufrecht erhalten, die wir jetzt in der Welt einnehmen. 
III. Zur Geschichte von Handel und Industrie, besonders 
in Deutschland. 
1. Ideen über die Entstehung und die Entwickelung 
des Handels. 
Von Gustav v. Schmoller. 
S ch m o l l e r, Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre. 1. Teil. 7-—10. Tausend. 
Leipzig, Duncker & Humblot, 1908. S. 354—360. 
Ein gewisser Handel und Tauschverkehr hat sich sehr frühe entwickelt. Wir 
kennen kaum Stämme und Völker, die nicht irgendwie durch ihn berührt würden. 
Die verschiedene technische und kulturelle Entwickelung schuf in der allerfrühesten Zeit 
bei einzelnen Stämmen bessere Waren und Werkzeuge; die Natur gab verschiedene 
Produkte, welche bei den Nachbarn bekannt und begehrt wurden. Und überall hat 
sich die Tatsache wiederholt, daß der Wunsch nach solchen Waren und Produkten 
Jahrhunderte, oft Jahrtausende früher lebendig wurde als die Kunst, sie herzu 
stellen; für viele war dies ja an sich durch die Natur ausgeschlossen. 
Der erste Handel und Tauschverkehr war nun aber lange ein solcher ohne 
Händler. Schon in der Epoche der durchbohrten Steine gelangen Werkzeuge und 
Schmucksachen von Stamm zu Stamm auf Tausende von Meilen. Ein sprachloser, 
stummer Handel besteht noch heute am Niger; auf den Stammgrenzen kommt man 
zusammen, legt einzelnes zum Austausch hin, zieht sich zurück, um die Fremden eine 
Gegengabe hinlegen zu lassen, und holt dann letztere. Innerhalb desselben Stammes
	        
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