Der Sillon
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Zur Verwirklichung der Ziele des Sillon hält Sangnier
drei Mittel für geeignet: eine gesetzgeberische, eine wirtschaftliche
und eine religiös-sittliche Aktion.
Auf dem Wege der Gesetzgebung will er erreichen: umfassenden
Arbeiterschutz, Maximalstundentag nicht nur für Frauen
und Kinder, sondern auch für erwachsene Arbeiter ; Festsetzung
eines Minimallohnsatzes, wöchentlichen Ruhetag, Altersversicherung
usw. Unter wirtschaftlicher Aktion versteht er den Zusammenschluß
der Proletarier in Genossenschaften und Berufsvereinen,
welche nach und nach die bestehende Gesellschaftsordnung
in eine christlich-demokratische überführen und die
gesetzgeberische Aktion in steigendem Maße entbehrlich und
überflüssig machen werden x ). Die sittlich-religiöse Aufgabe des
Sillon besteht in der Durchdringung der Nation mit christlichdemokratischem
Geist. Das wichtigste Hindernis, welches sich
diesem Geiste entgegensetzt , ist der Gegensatz zwischen allgemeinem
und persönlichem Interesse. Um das Privatinteresse
dem allgemeinen zu opfern, ist sittliche Kraft erforderlich. Das
Christentum ist eine unvergleichliche Quelle dieser Kraft.
Die Sillonisten wollen also eine christlich - demokratische
Gesellschaftsordnung durch das dreifache Mittel der Sozialgesetzgebung,
des genossenschaftlichen Zusammenschlusses von Produzenten
und Konsumenten und der sittlich-religiösen Volkserziehung
herbeiführen. Man darf jedoch nicht außer acht
lassen, daß das volkswirtschaftliche Programm, welches wir
hier greifbar machten, in der Sillon bewegung nur eine sekundäre
Rolle spielt. Die Sillon propaganda operiert in erster
Linie mit dem Gefühl; der Sillon ist zunächst und vor allem
ein Freundschaftsbund, der seine Anhänger durch das Band
gemeinsamer religiöser und demokratischer Empfindungen umschlingen
will. Daß man im Kampfe der Diskussionen in den
Versammlungen immer mehr gezwungen wurde, zu den wirtschaftlichen
Fragen präzis Stellung zu nehmen und daß dies
im Sinne der vorgefundenen sozialkatholischen und christlichb
Den evolutionistischen Gedanken formuliert M. Sangnier wie folgt:
„Wir sind zugleich Revolutionäre und Traditionalisten. Der Fortschritt ist für
uns die Tradition auf dem Marsch: wir wollen das Werk unserer Väter fortführen
und das in Angriff nehmen, was die besten unter ihnen getan hätten
wenn sie in unsern Tagen gelebt hätten.“ loc. cit. II.