Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

Allgemeine Volkswirtschaftslehre 377 
geschichtliche. Zwischen beiden konstruiert er folgenden Paral 
lelismus : die kritische Erforschung der Rechtsinstitutionen führt 
zur Bestimmung derjenigen, welche dem vollkommensten so 
zialen Zustande am besten entsprechen. Sie machen ein System 
natürlicher oder rationeller Gesetze aus, das aus zwei Elementen 
besteht, einem konstanten und einem progressiven. Das kon 
stante Element umfaßt die Grundsätze, die sich den Menschen 
in allen Gesellschaften aufdrängen, z. B. den Grundsatz, der 
sich selbst Recht zu schaffen verbietet, oder jenen, der das 
Halten geschworener Treue befiehlt. Das progressive Element 
geht aus der Vergleichung ähnlicher Institutionen verschiedener 
positiver Gesetzgebungen hervor. Aus diesen beiden Elementen 
wird ein idealer Typus von natürlichem und rationellem Recht 
gewonnen, der sich gewissermaßen als Muster für die vorge 
schrittensten Gesellschaften anbietet. Das geschieht namentlich 
für die Formen des Eigentumserwerbs. In der Volkswirtschafts 
lehre liegen die Dinge genau so. Das progressive Element ist 
durch die historische Entwicklung gegeben: die Überlegenheit 
der Privateigentumsordnung über das Gemeineigen, der Freiheit 
der Verträge über deren oppressive Reglementierung usw. Das 
konstante Element besteht in dem Gesetze der Arbeitsteilung 
und dessen Korollaren. Der* ideale Typus, die normale Volks 
wirtschaft in vorgeschrittenster Kultur besteht wesentlich in 
gleichzeitiger Entwicklung aller produktiven Kräfte und in einem 
Verteilungssystem, das allen eine gerechte Arbeitsentlohnung 
sichert 1 ). Aus dem engen Parallelismus der wirtschaftlichen 
und der rechtlichen Entwicklung ergibt sich die Notwendigkeit, 
schließt Gauwès, „das Wirken der freien, wirtschaftlichen 
Kräfte und das der Gesetzgebung gleichzeitig zu studieren, und 
sich von deren Wechselwirkungen genau Rechenschaft zu geben. 
Das heißt, daß die Rechtswissenschaft und die politische Öko 
nomie zwei Schwesterwissenschaften sind, welche einander zu lange 
fremd waren, aber sich in der Zukunft gegenseitig unterstützen 
müssen. Das bleibt meine wissenschaftliche Überzeugung und 
der Hauptdaseinsgrund meines Werkes“ 2 ). 
Diese Anschauung betätigt Gauwès, indem er in seinem 
Lehrbuch wie in seinen Vorlesungen die positive, wirtschafts- 
') ibid. Bd. I, p. 27 ff. 
2 ) ibid. Bd. IV, p. 606.
	        
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