Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

Geschichtlicher Überblick 
55 
menschliche, eine sittliche Tatsache, die grundlegende Tatsache 
des Wirtschaftslebens. Daraus folgt, daß der Mensch alleiniger 
Faktor der Produktion ist, alles übrige ist nur Instrument 
und Hilfsmittel. Wenn Boden, Kapital und Arbeit als gleich 
wertige Produktionsfaktoren betrachtet werden, so liegt das an 
ungenügender Berücksichtigung des ethischen Moments in der 
Volkswirtschaft *). 
Neben die Arbeit als Pflicht des wirtschaftenden Menschen 
tritt zweitens die Pflicht der Voraussicht und drittens die der 
Moralität. Die Voraussicht ist „die Bedingung aller Tugenden 
und aller Güter, der Ursprung des nach der Arbeit wichtigsten 
Produktionsinstrumentes: des Kapitals 2 ). Die Moralität ist die 
Beobachtung derjenigen sittlichen Vorschriften im Wirtschafts 
leben, welche der gesunde Menschenverstand eines jeden für 
bindend erkennt 3 ). Arbeit, Voraussicht und Moralität sind die 
Vorschriften der individuellen Moral. Daneben gibt es auch eine 
soziale Moral. Deren Vorschriften sind: eine negative „Achte die 
Person deines Nächsten und alles, was deren Entwicklung be 
günstigt“, und eine positive „Unterstütze tatkräftig die Ent 
wicklung deines MitmenschenV"- 
Baudrillart hat den Versuch unternommen, die klassische 
Lehre in ein ethisches Gewand zu hüllen und damit einige 
Schroffheiten ihrer Gestalt auszugleichen. Bei seiner Leise 
treterei und seiner ängstlichen Rücksichtnahme auf die doktri 
näre Intoleranz der Orthodoxen mußte dieser Versuch kläglich 
ausfallen. In wesentlich günstigerem Licht steht Bau drillart 
als Wirtschaftshistoriker da. Aber auch hier fehlt ihm der Mut 
oder die Kraft, seine geschichtlichen Erkenntnisse theoretisch 
zu verarbeiten und zur Geltung zu bringen. 
b ibid. p. 27, p. 151 ff. 
2 ) ibid. p. 145. 
b Die sittlichen Vorschriften, für deren Verbindlichkeiten Bau drillart 
den gesunden Menschenverstand als Norm anruft, sind für ihn eigentlich 
die der christlichen Moral. Er hat zwar seinem Spiritualismus eine Form 
gegeben, die für alle und jede sittliche Anschauung passen soll. Im Grunde 
aber ist es ihm um die christliche Moral zu tun. Vgl. Des rapports usw. 
p. 145—147. 
4 ) ibid. p. 146.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.