Erster geschichtlicher Teil.
Die Entwicklung von Bevölkerung, Wirtschaft und
Gesellschaft im Zusammenhang mit den Anschauungen
und Lehren darüber.
Erstes Kapitel
Das Problem.
„Die Vermehrung der Bewohner eines Landes verändert deren
Raumverhältnis; indem ihre Zahl zunimmt, nimmt der Raum ab,
den jeder einzelne beanspruchen kann und damit ändern sich auch
alle anderen Lebensbedingungen. Jedes Volk hat diese Entwicklung
lurchgemacht und hat in ihrem Verlaufe gleiche Beziehungen zu
seinem Wohnraum erfahren. Ebenso hat auch die Menschheit, die
Summe aller Völker, diese Entwicklung durchmachen und als Folge
lavon die dadurch gegebenen Veränderungen erfahren müssen.
Dadurch werden die Änderungen der Raumverhältnisse wichtige
5ymptome der Völker- und Menschheitsentwicklung“ !). Mit diesen
Worten hat F. Ratzel auf die allgemeinsten Beziehungen hinge-
wiesen, die für die Entwicklung zwischen Bevölkerung und Wirt-
schaft in ihrem geschichtlichen Ablauf maßgebend gewesen sind.
Denn wenn auch die Geographie und speziell die Anthropogeographie
es vor allem mit dem Verhältnis des Lebens zum Raume auf der
Erde zu tun hat, so ist doch auch der Raum in hohem Maße be-
stimmend für das, was Natur und Boden den Menschen als Voraus-
setzung ihres Lebens und ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit bieten.
Auf der einen Seite ist der Mensch in hohem Grade von dem ab-
hängig, welche Gaben Natur und Boden ihm zur Verfügung stellen
— auf der anderen Seite sucht er sich jedoch dieser Abhängigkeit
immer wieder zu entziehen. Bedeutet doch produzieren in seinem
) Ratzel a. a. O,, S. 220/20.