Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

269

gungsmitteln  usw.,  all  dies  und  ähnliches  erhöht  in  so  bedeutendem
Maße  die  Arbeitsproduktivität,  daß  die  Getreidepreise  in  der  extensiven ­
  Wirtschaft  um  das  Mehrfache  sinken,  oder  daß  die  Steigerung ­
  der  Preise  beim  Übergang  zum  intensiven  Wirtschaftsbetriebe ­
  verhindert  wird.  Dennoch  bleibt  die  landwirtschaftliche
Arbeit  mit  Maschinen  bei  extensivem  Betrieb  vorteilhafter  als  bei
intensivem  Betriebe.
Daraus  lassen  sich  zwei  Schlüsse  ziehen.  Erstens:  in  der
Landwirtschaft  besteht  ebenso  wie  in  der  Industrie  das  die  Produktion ­
  bestimmende  Moment  in  dem  Bestreben,  die  Arbeit  am
produktivsten  anzuwenden.  Folglich  muß  als  Kriterium  die  Arbeitsproduktivität ­
  und  nicht  die  Bodenfruchtbarkeit  dienen.
Zweitens:  in  der  extensiven  Wirtschaft  ist  die  Arbeit  produktiver
als  in  der  intensiven.
Der  Leser  wird  vielleicht  den  Einwand  machen,  daß  dies  eine
allbekannte  Tatsache  ist.  Würde  man  jedoch  diese  Schlußfolgerungen ­
  konsequent  durchdenken,  so  müßte  man  eine  gewisse
Korrektur  der  herrschenden  Ansichten  über  die  Grundrente  vornehmen. ­

In  seinem  „dritten  sozialen  Briefe  an  von  Kirchmann“  sucht
Rodbertus  die  Grundrententheorie  von  Ricardo  durch  den  Hinweis
darauf  zu  widerlegen,  daß  die  landwirtschaftliche  Bevölkerung  nicht
stets  von  dem  fruchtbareren  Boden  zu  dem  minder  fruchtbaren
übergegangen  ist,  sondern  daß  sich  oft  der  entgegengesetzte  Prozeß
vollzog.  Der  neu  angebaute  Boden  sei  häufig  produktiver  als  der
bereits  von  Alters  her  in  Anbau  befindliche.  Daraus  folgt  aber
nur,  daß  Rodbertus  ebenso  wie  Ricardo  die  Frage  unrichtig  stellt.
Die  Landwirte  können  von  minder  fruchtbarem  Boden  zu  fruchtbarerem ­
  übergehen  und  umgekehrt.  Dies  ist  aber  für  die  Frage
der  Grundrente  bedeutungslos,  weil  die  Rente  nicht  als  Folge  verschiedener ­
  Fruchtbarkeit  der  einzelnen  Grundstücke,  sondern  infolge ­
  der  verschiedenen  Produktivität  der  Arbeit  auf  verschiedenen
Grundstücken  oder  bei  sukzessiven  Kapitalaufwänden  entsteht.
Rodbertus  hat  recht,  daß  die  Landwirte  oft  zuerst  weniger  produktiven ­
  Boden  bestellt  haben  und  dann  zu  ertragsfähigeren  Böden ­
  übergegangen  sind,  aber  dies  geschah  bloß  deshalb,  weil  bei
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.