Full text : Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung

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Zweites  Kapitel.

aber  die  psychologische  Seite  der  Sache  als  solche  nicht
interessiert,  so  wollen  wir  uns  ganz  kurz  fassen.
Das  erste  Moment,  die  Freude  am  Neugestalten,  am
Schaffen  neuer  Formen  der  wirtschaftlichen  Dinge  ruht  auf
ganz  denselben  Grundlagen  wie  das  schöpferische  Tun  des
Künstlers,  des  Denkers  oder  des  Staatsmannes.  Die  Art
und  die  Motivation  des  Handelns  ist  auf  allen  diesen  Gebieten, ­
  das  wirtschaftliche  eingeschlossen,  wesentlich  dieselbe,
nur  die  Verschiedenheit  seines  Objektes  bewirkt  einen  Unterschied.. ­
  Welches  von  allen  den  Gebieten  ein  starker  Geist
zum  Schauplatze  seiner  Tätigkeit  wählt,  hängt  oft  von  Neigung ­
  und  Eignung,  öfter  vom  Zufalle  ab,  der  ihn  in  das
eine  oder  das  andre  hineinstellt.  Im  Grunde  ist  das  konkrete ­
  Gebiet  Nebensache.  Ein  jedes  kommt  nur  unter  dem
Gesichtspunkte  des  Schauplatzes  seiner  Tätigkeit  in  Betracht,
auf  jedem  lebt  er  sich  gleichsam  aus.  Das  kann  auf  wirtschaftlichem ­
  ebensogut  geschehen  wie  auf  jedem  andern.
Auch  hier  kann  man  Schaffen  um  der  Freude  an  dem  Ge-’
schaifenen  willen,  auch  hier  kann  man  jene  Lust  empfinden,
die  man  vorzugsweise  dem  künstlerischen  Schaffen  zuzuschreiben ­
  pflegt.  Darin  liegt  kein  Widerspruch  zu  der  Erkenntnis ­
  von  dem  hedonischen  Zwecke  des  Wirtschaftens.
Gewiß  erklärt  nur  die  Tatsache  der  Notwendigkeit  des  wirtschaftlichen ­
  Handelns  zur  Befriedigung  der  Bedürfnisse,  daß
es  überhaupt  so  etwas  gibt  wie  „Wirtschaften“.  Ohne  diese
Tatsache  gäbe  es  kein  wirtschaftliches  Handeln  und  kein
besonderes  Tätigkeitsgebiet  der  Wirtschaft.  Es  gäbe  auch
keine  Wissenschaft,  wenn  wir  nicht  durch  praktische  Notwendigkeiten ­
  gezwungen  würden  zu  denken  und  wenn  uns
diese  Notwendigkeiten  nicht  daran  gewöhnt  hätten,  Fragen
zu  stellen.  Das  hindert  aber  nicht,  daß,  wenn  diese  Gewohnheit ­
  einmal  geworden  ist,  man  sich  auch  Fragen  vorlegen ­
  kann,  ohne  daß  eine  praktische  Notwendigkeit  sie  uns
aufdrängt,  und  daß  man  sich  der  Wissenschaft  ohne  Rücksicht ­
  auf  und  selbst  ohne  jedes  Interesse  für  praktische
Anwendbarkeit  der  Resultate  widmen  kann.  So  verhält  es
sich  auch  in  unserm  Falle.  Die  Wirtschaft  wird  aus  einer
            
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