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Zweites Buch. Die Gegner.
Charakter einer organisierten Sekte nahm der Saint-Simonismus
im Jahr 1828 unter dem Einfluß Eugene Rodeigues’ an. Gleich
zeitig beauftragten sie einen der ihrigen, Bazaed, die Lehre öffentlich
in Vorträgen darzulegen. Diese Vorträge, die von 1828 bis 1830 vor
einer glänzenden Hörerschaft stattfanden, — zu denen sich viele
drängten, die später eine große Rolle in der Geschichte Frankreichs
spielen sollten, wie Ferdinand von Lesseps, A. Caeeel, H. Caenot,
die Gebrüder Peeeiee, Michel Chevalxee und andere — sind in
zwei Bänden veröffentlicht worden und zwar unter dem Namen
Exposition de la Doctrine de Saint-Simon (Darlegung der
Lehren Saint-Simon’s). Der zweite Band beschäftigt sich haupt
sächlich mit Philosophie und Moral. Der erste enthält die soziale
Lehre der Schule und stellt, wie A. Mengee sehr richtig sagt, „eins
der bedeutendsten Monumente des modernen Sozialismus dar“ x ).
Unglücklicherweise gewann unter dem Einflüsse Enpantin’s die
philosophische nnd mystische Seite des Saint-Simonismus die Oberhand
über die soziale Seite. Das sollte den Ruin der Schule herbeiführen.
Nach den Saint-Simonisten genügt es nicht, der modernen Mensch
heit ihre soziale Bestimmung zu zeigen; man muß, so sagen sie, die
Menschheit dazu bringen, ihre Bestimmung zu lieben, sie herbei-
zusehnen und zwar mit der ganzen Kraft des Gefühls, und zwischen
den Menschen jene Einheitlichkeit der Gedanken und der Handlungen
schaffen, die allein durch eine gemeinsame, religiöse Überzeugung
bewirkt wird. Der Saint-Simonismus wurde zu einer Religion mit
einem Kultus, einer Moral, mit organisierten Predigten, mit Gemeinden,
die sich an verschiedenen Punkten des Landes gründeten, und mit
Aposteln, die in die Ferne gingen, um die frohe Botschaft überall
zu verkünden. Es ist eine fremdartige Tatsache, die wohl der Unter
suchung wert ist, wie diese Menschen, deren verfeinerte, wissen
schaftliche Kultur sehr hoch stand, die allen bestehenden Religionen
feindlich gesinnt waren, zu dieser Krisis eines religiösen Mystizismus
gelangten, sie, von denen die meisten mehr dazu vorbereitet waren,
sich geschäftlich zu betätigen, als eine neue „Kirche“ zu gründen!
Enfantin und Bazaed waren die Päpste des neuen Kultus, aber
Bazaed trat bald zurück, und Enfantin blieb der alleinige „Heilige
Vater“. Er zog sich mit 40 Schülern in ein in Menilmontant ge-
0 Der genaue Titel ist: Doctrine de Saint-Simon, Exposition, Pre
miere annee, 1829. Wir zitieren nach der 2. Ausg. (Paris, 1830). Diesen Werken
könnte man die Aufsätze anfügen, die Enfantin im Globe veröffentlicht und unter
der Überschrift Economie politique et Politique (Volkswirtschaft und Politik)
in einem Band (2. Ausg. 1832) vereinigt hat. Doch sind diese Aufsätze viel
weniger interessant als die Doctrine und geben einfach die Gedanken wieder, die
Enpantin schon in seinen Aufsätzen im Producteur dargelegt hatte.