Full text: La question d'Orient depuis ses origines jusqu' à nos jours

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Dr. M. J. Bonn. 
wirtschaftlichen Verhältnisse der Bauern in Bengalen nur durch 
Schaffung eines den englischen Landlords vergleichbaren kapital 
kräftigen Oroßgrundbesitzerstandes möglich sei. Sie führten daher 
eine durchgreifende Reform der Agrarverhältnisse herbei. Die Land 
steuern der dortigen Bauern, der Ryots, waren ursprünglich von 
einer Klasse von Steuerpächtern, den sogenannten Zamindaren, ein 
gehoben und der Regierung übergeben worden. Die Regierung legte 
nun den Zamindaren eine unveränderliche, den damaligen Steuer 
eingängen entsprechende Landsteuer auf, die nie erhöht werden 
sollte; sie machte sie für deren Eingang verantwortlich. Sie 
verwandelte sie dabei in Eigentümer des steuerpflichtigen 
Landes und faßte die Bauern als ihre Pächter auf. Die Pflichten 
dieser «Pächter» gegenüber ihren Grundherren sollten ebenso be 
schränkt werden wie die der Grundherren gegen den Staat. Auch 
wenn es dazu gekommen wäre, so hätte die Verwandlung der Steuer 
pächter in Grundbesitzer und die Herabdrückung steuerpflichtiger 
Bauern in Pächter zwar eine äußerliche Nachbildung englischer Zu 
stände, aber keine erfolgreiche Verpflanzung englischer Einrich 
tungen herbeigeführt. 
Am deutlichsten ist der Grundgedanke dieser Politik in den 
Worten ausgesprochen, mit denen im Jahre 1835 die Ziele 
des modernen Erziehungswesens in Indien bezeichnet wurden: 
«Das erste Ziel der britischen Regierung muß die Förderung engli 
scher Sitten und englischer Wissenschaft sein. Alle Geldmittel, die 
überhaupt für Erziehungszwecke flüssig gemacht werden können, 
werden am besten für englische Erziehung allein verwendet.» Es 
sollte auf dem Wege der Erziehung der Inder zu einem, allerdings 
farbigen, Engländer gemacht werden. 
Ähnliche Ziele hoffte die zeitgenössische Missionsbewegung auch 
in Afrika erreichen zu können. Eine rechtliche Gleichstellung der 
eingeborenen Afrikaner mit den europäischen Kolonisten würde, 
ihrer Meinung nach, eine völlige Umgestaltung Afrikas zur Folge 
haben. «Es wird dann,» in den Worten von Wilberforce, «Afrika der 
Sitz der Zivilisation werden, weil es der Sitz der Freiheit ist, — 
der Sitz des Handels als Sitz der Freiheit, der Sitz der Wissenschaft 
als Sitz der Freiheit.» 
Auch die französische Regierung in Algier hat gelegentlich die 
gleichen Bahnen beschritten. Sie hat zwar den Eingeborenen die Bei-
	        
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