einmal befdimubten Händen zu entfernen, und dab nur das Sublimat, am betten in Verbindung
mit dem Alkohol, tatfädilich eine Hark bakterientötende Kraft entfaltet. Wie zielbewujjt die deutchen
Militärbehörden — übrigens im Gegenfab zu anderen Heeresverwaltungen, namentlidi der franzöfifdien
— endlidi die Tuberkulofe im Heer bekämpfen, zeigt fchon die Tatrache, dafj feit 1890 eine
befondere Zählkartenfammelforfchung über jeden wegen Lungentuberkulofe oder Lungenblutung
aus den Lazaretten entlaffenen Mann durdigeführt wird. Wie in der Zivilbevölkerung, fo haben
auch im Heere die verfchiedenen Mafsnahmen zur Eindämmung diefer verbreitetften Volkskrankheit,
namentlich die Ausnübung der Walderholungsftätten, der Genefungsheime, der Lungenfürforgeftellen
und der Heilftätten den erfreulichen Erfolg gehabt, dab die Zahl der Tuberkulofeerkrankungen in
ftändiger Abnahme begriffen ist.
In der von dem Kaiferin-FTiedrich-Haus und einigen andern Körperfchaften reich befchickten
hiftorifchen Abteilung, in der wir fchaudernd die roh gefertigten Sägen, Zangen und Meffer früherer
Jahrhunderte gewahren, befindet [ich ein eigentümlicher, diagnoflifchen Zwecken dienender Apparat:
ein elektrifcher Kugelfucher. Die beiden Arme des zangenartigen Inftruments, das mit einem
elekirifchen Läutewerk in Verbindung fleht, wurden in die Wunde eingetührt; trafen fie auf ein
Gefcliob, fo wurde der Strom gefchloffen und das Läutewerk hub an zu fchellen. Geiftreich in der
Theorie, wahiTcheinlich ziemlich unbraudibar in der Praxis und uns heutzutage geradezu ziemlich
vorflindflutlich anmutend. Das Genie Röntgen hat uns einen Kugelfucher berdiert, der feinem
Konkurrenten aus dem Siebziger Kriege überlegen ift, wie der mafchinengewehrbewaffnete deutfche
Soldat dem fpeerfchwingenden Aftralneger. Und wenn man von einem alten, menfchenfreundlichen
Medizinmann den Ausfpruch verzeidinet, er möchte nidit Arzt Tein, ohne das Morphium, To wird
heute gewib mandier Chirurg tagen: ohne Röntgenftrahlen mödiie ich nicht Kriegschirurgie betreiben.
Es verfteht fich von felbft, dab die deutfche Heeresverwaltung fidi die wunderbare Entdeckung
des deutfchen Gelehrten im Dienfle der Verwundetenfürforge in weiteftem Umfange dienflbar
gemadit hat; die Barmer Ausheilung legt Zeugnis davon ab. Eine grobe Anzahl künftlerifch
vollendeter Röntgenaufnahmen gibt auch dem Laien einen Begriff von dem Ungeheuern Anwendungsgebiet
der rätrelhaften Strahlen, die es — zumal mit Hille des ftereoskopifdien Verfahrens — dem
Arzt ermöglichen, den Sib des Gefchoffes im Körper, wie auch den Umfang etwaiger Knochenzertrümmerungen
genau zu beftimmen. Den befondern Anforderungen des Krieges find die tragbaren
Röntgeneinrichtungen angepajjt, deren S romerzeugungsanlage einfadi aus einem Benzinmotor,
einer DYnamomafchine, einer Schalttafel und dem Verbindungsftab befiehl; fie find mit einer
Umfchaltvorrichlung verfehen, die bei einem vorhandenen Leitungsanfdilub den Betrieb für die
jeweilig vorhandene Spannung ermöglicht. Nicht nur der Chirurg,- auch der Zahnarzt bedient fidi
bei der Verwundetenbehandlung oft und mit beftem Erfolge der Röntgenftrahlen, um ein zuverlhffiges
Bild von dem Zuftand der verlebten Kieferknochen zu erhalten und daraufhin die häufig
notwendigen plaftifdien Operationen und andere Eingriffe ficher vornehmen zu können. Was die
moderne Zahnheilkunde bei ausgedehnten Kieferzertrümmerungen und anderen fchweren Verlebungen
der Mundhöhle zu leihen vermag, das erhellt aus den vorzüglichen Abbildungen des
Prof. Bruhn und anderen Serienbildern, die uns die Entwicklung der Heilung eines Kieferverleblen
von feiner Verwundung bis zum Abfchlub des Heilverfahrens vorführen.
Aber von folchen befondern Verlebungen abgefehen, bleibt die Verwundeten- und fpeziell
die KriegskriippelfüiTorge natürlich in elfter Linie zunächft dem Chirurgen und Orthopäden Vorbehalten.
Da werden vollftändig zerftörte Sehnen, deren Verhüt in früheren Zeiten unfehlbar zu einer
Lähmung des von ihnen verfolgten Gebietes führen mu|te, entweder durch Verpflanzung einer
gefunden Sehne oder durch Einfügung einer künftlichen (feidenen) Sehne erfebt, zerriffene Nerven
mit Erfolg genäht, verfteifte Gelenke gelöft und durch Zwüchenlageruug von Weichleilen beweglidi
gemacht und manche andere technifche Kunfiftückchen ausgeführt, die noch vor einem Menfchenalter
als unerhört gegolten hätten. Befondere Aufmerkfamkeit wendet der behandelnde Arzt von
vornherein dem Zuftande der Gelenke zu. Durch befondere Schienen und Verbandmethoden fudit
er den Sdiaden auszugleidien, den die bei fdiweren Verwundungen meift erforderlidie längere
Ruhigllellung der Gelenke fo leidit im Gefolge hat und verhütet in diefen, wie audi in vielen
andern Fällen die drohende Verkrüppelung des verlebten Gliedes. Medikomechanifche Pendelapparate,
Fleiblufikafien, Elektrizität und Bäder dienen weiterhin dem Zweck, die volle Beweglich-