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Bewegung, die aufgerüttelt und fortgerissen
hat, und zu jener ungeheuren internationalen
Bewegung führte, vor der wir heute bewundernd
stehen.
In dem bürgerlichen Problem fehlt allerdings
in dem Masse die treibende Kraft, die aus der
Hungersnot emporquillt. Und wenngleich viele
bürgerliche Existenzen selbst oft vor der Hunger
frage stehen, so ist für die bürgerlichen Verhält
nisse doch immerhin der vegetierende Zu
stand überwiegend. Man sieht düster und
dunkel in die Zukunft, aber man lebt. Man
sieht die Möglichkeit, dass es noch ein Jahr, ein
Jahrzehnt oder vielleicht länger weitergehen
kann, ohne das eine Katastrophe eintreten wird.
Und dieser Zustand vor allem scheint es zu sein,
der das Aufkommen einen grossen Idealismus
hindert, der eben nur als Massenerscheinung aus
bitterster Not geboren wird, weil die direkt den
Körper treffende Not noch nicht empfindlich
genug zum Ausdruck gelangt ist. Ob es aber
nicht vollständig vorbei sein wird, wenn dieser
Zustand einmal eintritt, das ist eine ungeheuer
schwierige Frage, weil wir nicht in die Zukunft
schauen können und nicht wissen, welche neuen
Wege uns das Zusammenwirken der Millionen
wirksamer Kräfte, die am Werke sind, führen
werden. Jedenfalls aber stehen wir hier aber
doch vor einer ungeheueren Gefahr. Sollen
wir es darauf ankommen lassen, bis jener Zeit
punkt tatsächlich herankommt, zu dem eine
Aenderung dann nicht mehr möglich ist, bei dem
wir nur noch vor katastrophalen Lösungen stehen?
Wenn es nicht gelingt, rechtzeitig die Kräfte in
Bewegung zu setzen, die es ermöglichen können,
den veränderten Verhältnissen entsprechend,
unserer Auffassung über dieses wirtschafts
politische Problem, unserer Stellung zu den Auf
gaben, die der führenden Intelligenz zu
fallen, neue Richtungen zu weisen, dann treiben
wir wahrscheinlich jenem Zukunfsreich entgegen,
in das uns von der einen Seite her die einseitige
Ueberspannung des Grosskapitalismus
und von der anderen Seite her die fort
schreitende Organisation der in dem Dienst
dieses Kapitalismus befindlichen arbeitenden
Kräfte führen werden. Wir haben hier gewaltige
Strömungen vor uns, die so entstehen mussten,
und es wäre nichts als ein Verkennen der
historischen Entwicklung, als ein ungerecht
fertigtes Entgegenstemmen einseitiger Inte
ressentengruppen, wenn man die wirtschaftliche
Erscheinung des Grosskapitalismus und des
Sozialismus als die alleinigen Ursachen und Uebel
betrachten und bekämpfen wollte. Sie sind
gewordene und berechtigte Zeiter-
scheinungen. Und statt das Volk einseitig
gegen diese Erscheinungen zu verhetzen, statt
gegen den Sozialismus und gegen das Gross-
kapital mit doch unwirksamen Mitteln kämpfen
zu wollen, liegt uns die viel höhere Pflicht ob,
ohne Voreingenommenheit und Vorurteil das
Problem der wirtschaftlichen Selbständig
keit aufzunehmen und anzugreifen, um den
Weg, der uns allein zu bleiben scheint, ein
zuschlagen.
An der Erhaltung der wirtschaftlichen Selbst
ständigkeit haben nicht nur das Handwerk, die
Händler und Gewerbetreibenden, der Bauern
stand und der Handel, sondern ebensostark die
Arbeiterschaft und die kaufmännischen und
technischen Angestellten, als auch die freien
Berufe und Künste das allergrösste Lebensinteresse.
Wenn der Arbeiter und der kaufmännische
und technische Angestellte die wirtschaftliche
Selbständigkeit unerreichbar sehen, ihre Ein
ordnung als Nummern in Gross- und Riesen
betriebe ihr besiegeltes Schicksal ist, dann sind
ihre wertvollsten sittlichen und schaffenden Kräfte
dem Untergang geweiht.
Jeder Staat hat an der Erhaltung möglichst
zahlreicher, selbständiger Existenzen das grösste
Interesse, an Männer, die selbst entscheiden
und die Verantwortung für ihre Handlungen
tragen können, ohne das jeder Einzelne, wie im
Beamtenstaaf, immer wieder erst seine über
geordnete Stelle zu fragen hat und sich fürchten
muss, entscheidende Schritte zu tun. Uns fehlt
der Bund der wirtschaftlich Selbst
ständigen.
Die Materialisten begreifen nicht, dass ein Dichter seinem
Vaterlande oft nützlicher sein kann als ein Nagelfabrikant.
Sie sehen nicht ein, dass die reichste Handelsblüte nicht über
den Mangel an idealen Gütern hinwegzutäuschen, nicht zur
Lösung der mächtigen sozialen Probleme beizutragen vermag,
mit denen sich die ganze gebildete Welt heute beschäftigen
muss. Roosevelt.