Full text : Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft

45

scharfe  Konkurrenz.  Auch  in  Tabak  war  Bremen  früher  der  weitaus ­
  bedeutendste  deutsche,  ja  der  erste  Markt  der  Welt;  Jetzt  ist
auch  diese  Stellung  erschüttert,  und  selbst  in  Bremens  Domäne,
in  Brasiltabaken,  ist  Hamburg  schon  gleichwertiger  Importeur  geworden. ­
  Die  Gefahr  liegt  vor,  daß  es  uns  mit  Baumwolle  ebenso
gehen  werde.  Freilich,  ein  Teil  der  in  Hamburg  eintreffenden
ostindischen  Baumwolle  geht  für  englische,  z.  T.  auch  wohl  für
bremische  Rechnung  weiter.  Aber  man  bedenke,  daß  noch  stets
der  Einfuhrhafen  die  Einfuhrfirmen  nach  sich  gezogen  hat,  daß
beispielsweise  die  Deutsch-Amerikanische  Petroleum-Gesellschaft
aus  dem  gleichen  Grunde  ihren  Sitz  nach  Hamburg  verlegte  wie
viele  Firmen  anderer  Branchen  (Speditionshäuser).  Einerseits  also
hat  Hamburg  in  der  ostindischen  Baumwolleinfuhr  Bremen  schon
weit  überflügelt  und  auch  seine  Einfuhr  aus  Nordamerika  wächst.
Andererseits  scheinen  gewisse  Anzeichen  dafür  zu  sprechen,  daß
die  Baumwolleinfuhr  Bremens  aus  den  Vereinigten  Staaten  ihren
Hochstand  erreicht  hat.  Denn  der  Anbau  hat  sich  nicht  im  Verhältnis ­
  zur  Nachfrage  gehoben,  so  daß  man  schon  jetzt  von  einem
»Baumwollhunger«  sprechen  kann.  Dazu  kommt  der  schnell  sich
vergrößernde  amerikanische  Eigenbedarf.  Wenn  auch  dem  Werte
nach  gestiegen,  hat  die  Einfuhr  doch  schon  seit  1908/09  der  Menge
nach  nachgelassen.  Bremerhaven  führt  schwere  Klage  über  die
Verödung  seiner  Lagerschuppen  (vergl.  die  Bürgerschaftsverhandlungen ­
  vom  22.  Dezember  1909).  Darum  muß  alles  getan  werden,
damit  nicht  die  Einfuhrverhältnisse  sich  noch  mehr  zu  ungunsten
Bremens  verändern  und  ihm  sein  stärkstes  Bollwerk  unterhöhlen.
Der  Rückgang  der  Baumwolleinfuhr  aus  den  Vereinigten
Staaten  in  den  letzten  Jahren  soll  ja  einmal  (1908/09)  dem  Umstande ­
  zuzuschreiben  sein,  daß  es  Triest  gelang,  Bremen  einen
Teil  des  österreichischen  Bedarfs  abzufangen.  An  der  ungünstigen
Gestaltung  der  letzten  Saison  ist  das  bedeutende  Mindererträgnis ­
  der  amerikanischen  Ernte  schuld,  die  die  Einfuhr  Bremens  um
rund  400  000  Ballen  (etwa  1 ( B !!)  zurückwarf.  Beides  bestätigt  aber
nur  das  auf  S.  40  Gesagte,  die  bedenkliche  Rückwirkung  auf  das
eanze  Handels-  und  Wirtschaftsleben  der  Stadt.
Auch  in  der  Ausfuhr  nach  den  Vereinigten  Staaten  ist  uns
Hamburg  weit  überlegen,  führt  eS  doch  jährlich  Waren  im  Mehrwerte ­
  von  über  100  Mill.  Mk.  dorthin  aus.  Und  das  trotz  des
Umstandes,  daß  Bremen  den  Verkehr  gerade  mit  dem  ihm  günstig
gelegenen  Nordamerika  besonders  pflegt,  während  der  Schwerpunkt
des  hamburgischen  Handels  in  anderen  Erdgebieten  liegt.  Noch
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.