Contents: Theoretische Sozialökonomie

8 7. Tauschwirtschaft und Geldwirtschaft. a 
Sobald man tauscht, entsteht das Bedürfnis, zu beurteilen, wieviel 
von den beiden zu tauschenden Gütern im Tausche gegeben werden 
darf. Es muß mit anderen Worten eine Schätzung der beiden Güter 
vorgenommen werden. Diese Schätzung wird offenbar sehr vereinfacht, 
wenn man sich gewöhnt, alle Güter in einem und demselben Gute zu 
schätzen. Man findet auch, daß diese Gewohnheit sich im großen ganzen 
gleichzeitig mit der Gewohnheit des Tausches selbst ausbildet. So- 
bald der Tausch so große allgemeine Bedeutung gewonnen hat, daß 
man überhaupt von einer Tauschwirtschaft sprechen kann, ist auch die 
Sitte vorherrschend, alle Güter in einem gemeinsamen Gute zu schätzen. 
Ein Gut, das diese Rolle eines gemeinsamen Nenners für die 
Schätzungen anderer Güter spielt, nennen wir Geld. Die erste und 
grundlegende Funktion des Geldes ist in der Tat, als Grund einer 
Rechnungsskala, nach welcher die Schätzungen der auszutauschen- 
den Güter bewerkstelligt werden können, zu dienen. Wenn einmal der 
Gebrauch des Geldes sich eingebürgert hat, werden alle wirtschaftlichen 
Güter nach einer solchen Rechnungsskala, also in Geld, geschätzt. Der 
Güteraustausch kann dabei noch ein direkter sein, wobei jedoch die 
Schätzung der Gütermengen, die gegeneinander ausgetauscht werden 
sollen, sich des Zwischengliedes der Schätzung in Geld bedient. Eine 
wirkliche Tauschwirtschaft setzt jedoch mit praktischer Notwendigkeit 
voraus, daß sich ein indirekter Tausch unter Anwendung eines allgemein 
anerkannten Tauschmittels entwickelt. Die Funktion des Tausch- 
mittels und die des Substrats der Rechnungsskala sind offenbar wesens- 
verschiedene Funktionen, die tatsächlich auch von verschiedenen Gütern 
erfüllt werden können. Beide Funktionen werden aber herkömmlich als 
Geldfunktionen bezeichnet. 
In den folgenden theoretischen Untersuchungen, die sich auf die 
Tauschwirtschaft im allgemeinen beziehen, wollen wir das Geld lediglich 
in seiner Funktion als gemeinsame Rechnungsskala für alle wirtschaft- 
lichen Schätzungen betrachten. Damit soll nicht gesagt werden, daß 
die eventuelle tatsächliche Benutzung des Geldstoffs als materielles 
Tauschmittel keine besondere wirtschaftliche Bedeutung hat. Eine solche 
Bedeutung existiert, das Studium derselben gehört aber zur speziellen 
Geldtheorie und muß bis zu unserem dritten Buche aufgeschoben 
werden. Daselbst soll die hier nur kurz angedeutete Entwicklung des 
Geldes näher beleuchtet, sowie auch die Funktionen und das Wesen des 
Geldes in eingehender Weise studiert werden. 
Sobald Geld als Rechnungsskala benutzt wird, werden die Tausch- 
akte durch Kaufs- und Verkaufsakte ersetzt. Der Verkäufer gibt das 
Gut hin, der Käufer verpflichtet sich, dafür eine gewisse Geldsumme zu 
zahlen. Mit welchen Mitteln solche Verpflichtungen erfüllt werden, wird 
in der Geldtheorie gezeigt. Diejenige Geldmenge, die für ein Gut be- 
zahlt wird, nennt man den Preis desselben. Je höher entwickelt die 
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