Full text : Sozialismus und Regierung

XX

gewöhnlich  aus  den  Methoden  dieser  Partei  ableitet,  irregeführt  werde.
Die  Irische  Partei  orientiert  ihre  Handlungen  an  der  Behauptung,  daß
sie  in  einem  fremden  Parlamente  sei.  Sie  ist  dort  durch  den  Zwang
der  Verfassung.  Sie  will  ihre  Forderung  einem  feindlichen  Volke  aufzwingen ­
  und  erhebt  keinen  Anspruch  auf  Teilnahme  an  der  Gewalt,
sondern  verlangt  nur,  daß  man  sie  sich  selbst  überlasse.  Ihre  Führer
kommen  zu  uns,  wie  Moses  zu  Pharao,  sie  wünschen,  daß  man  ihr  Volk
ziehen  lassen  möge.  Diese  Partei  ist  kein  Sprößling  unserer  eigenen
Entwicklung,  nicht  inmitten  unseres  eigenen  Volkes  entstanden.  Sie
bietet  weder  für  uns  noch  für  sich  selbst  ein  Problem  geschichtlicher
Kontinuität;  denn  gegen  die  Geschichte  ist  sie  in  Waffen.  Doch  einer
solchen  Schilderung  entspricht  nicht  die  Arbeiterpartei.  Diese  hat
den  Wunsch,  gerade  davon  Besitz  zu  ergreifen,  wovon  *die  Irische
Partei  erlöst  werden  möchte.  Sie  versucht  nicht,  das  Volk  zu  überreden, ­
  daß  es  sie  ziehen  lasse,  sondern  daß  es  ihr  Vertrauen  schenke.
Sie  befindet  sich  mit  der  Nation  nicht  im  Kriege,  sondern  im  Frieden.
Wollte  sie  das  Parlament  antasten,  so  zerstörte  sie  nicht  eine  fremde
Macht,  wohl  aber  ihr  eigenes  Erbe.  Die  Irische  Partei  muß  am  stärksten ­
  sein,  wenn  sie  das  Zünglein  an  der  Wage  der  beiden  Parteien  ist;
die  Arbeiterpartei  dagegen  hat  die  größte  Aussicht,  über  ein  Maximum
von  Einfluß  zu  gebieten,  wenn  andere  Parteien  von  ihr  vollständig
unabhängig  sind,  weil  sie  dann  ungehindert  sprechen  und  stimmen
kann,  wie  es  ihr  gefällt.  Wird  eine  Regierung  von  den  Arbeiterparteilern ­
  am  Ruder  gehalten  oder  gestürzt,  so  wird  die  Arbeiterpartei
durch  ihre  Verantwortlichkeiten  genau  so  gehindert,  wie  die  andere
Partei  von  ihrer  Schwäche  gequält  wird.  Der  Unterschied  zwischen
den  beiden  Parteien  erstreckt  sich  bis  in  die  Wurzeln  der  politischen
Methode.  Die  eine  will  einen  chirurgischen  Eingriff,  die  andere  verfolgt ­
  eine  organische  Umwandlung.  Die  politische  Freundschaft,  die
zwischen  den  beiden  Parteien  besteht  und  die,  wie  ich  hoffe,  immer  andauern ­
  wird,  muß  nicht  so  hoch  gesteigert  werden,  daß  die  junge  Partei ­
  ihre  Taktik  nach  dem  Muster  der  Methode  der  alten  Partei  bildet.
Daß  die  Sozialisten  dem  Hange  unterworfen  sind,  die  Lehren,  die
ihnen  die  Irische  Partei  zu  erteilen  hat  mißzuverstehen,  erhöht  nur
noch  das  Bedürfnis  nach  reiflich  überlegten  Schlußfolgerungen  hinsichtlich ­
  der  Regierungsmethode.  Um  sich  die  Unterstützung  der
Sozialisten  zu  sichern,  wird  man  von  Zeit  zu  Zeit  alle  möglichen  ver ­
            
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