Full text : Sozialismus und Regierung

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verdient,  und  wessen  Jahreseinkommen  an  Grundrenten  500  Pfund
Sterling  beträgt,  wird  vom  Staate  mehr  begünstigt  als  ein  Kaufmann,
der  das  Zehnfache  als  Durchschnittsgewinn  in  den  Geschäften  einstreicht. ­
  Für  ein  wissenschaftliches  System  der  staatlichen  Steuergesetzgebung ­
  ist  der  Ursprung  des  Einkommens  selbst  noch  wichtiger
als  seine  Höhe 1 .  Aus  natürlichen  Monopolen  wie  Grund  und  Boden, ­
  aus  politisch  geschaffenen  Monopolen  wie  Schanklizenzen,  aus
Überschüssen  der  Kommunalbetriebe  wie  Postämter,  Gasversorgung
und  Straßenbahnen,  mit  anderen  Worten,  aus  seinen  eigenen  Wertschöpfungen ­
  sollte  dem  Staate  der  größte  leil  seiner  Einkünfte
fließen.  Auf  diese  Weise  hätte  nicht  allein  des  Staates  Finanzminister
gefüllte  Kassen,  sondern  auch  die  Reichtumsverteilung  unter  die  Einzelnen ­
  wäre  gerechter,  als  wenn  die  Monopole  wie  gegenwärtig  von
Interessenten  als  Ausbeutungsmittel  benutzt  werden.  Deshalb  begeht
der  Staat  eine  Tat  der  Selbsterhaltung,  wenn  er  sich  seines  Eigentums
bedient,  das  er  sich  durch  die  gleiche  Art  von  Dienstleistungen  erworben ­
  hat,  die  den  Einzelnen  berechtigen,  Eigentum  zu  besitzen  und
zu  gebrauchen.

C.  STAAT  UND  GESELLSCHAFT

ir  müssen  darauf  achten,  daß  zwischen  dem  Staate  und  der  Ge-’

  ’  Seilschaft  und  zwischen  dem  Staate  und  den  übrigen  gesellschaftlichen ­
  Organen  keine  Verwirrung  entsteht.  Der  Staat  ist  nur  eins  der  Organe ­
  der  Gemeinschaft,  die  alle  zusammen  den  Organismus  Gesellschaft
bilden.  Daß  Organismus  und  Organe  und  die  Organe  untereinander
verwechselt  werden,  könnten  viele  Beispiele  nachweisen,  die  sämtlich
die  üblen  Wirkungen  dieses  Durcheinanders  enthüllen  würden.  Nur
auf  ein  Beispiel  will  ich  hinweisen,  auf  die  Beziehungen  der  Kirche
zum  Staate.  Die  Kirche  ist  eine  Anstalt  der  Gemeinschaft  zur  Erfüllung ­
  moralischer  Zwecke  und  geistlicher  Bedürfnisse  und  hat  als
solche  ihren  eigenen  Stoff  und  ihre  eigene  Methode.  Historisch  ist
1  Es  wird  manchmal  behauptet,  daß  eine  Abstufung  der  Einkommensteuer
einer  Unterscheidung  hinsichtlich  der  Einkommenquelle  gleichkäme,  weil  der
gesellschaftlich  hergestellte  Reichtum  notwendigerweise  in  der  Regel  einen  viel
größeren  Bestandteil  der  großen  als  der  kleinen  Einkommen  bilde.  Flüchtig
betrachtet,  mag  es  der  Fall  sein,  aber  es  berührt  mein  Argument  nicht,  weil
jene,  die  eine  abgestufte  Einkommensteuer  einem  Steuersysteme  vorziehen,  das
auf  der  Gattung  der  Einkommenquelle  beruht,  dies  nur  aus  Gründen  der  bequemeren ­
  Erhebung  tun.  Jedoch  geraten  sie  in  eine  endlose  Verwirrung,  wenn
sie  sich  mit  den  Prinzipien  der  Billigkeit  rechtfertigen  wollen.
            
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