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Himbeersaft
162 Hirschhorn
und Thüringer Wald in großen Mengen zum
Verkauf.
Himbeersaft (lat. Succus rubi idaei, frz. Suc
de framboise, engl. Suc of Rasp-berries). Dieser
wertvollste Fruchtsaft wird in der Weise hergestellt,
daß man die frischen Beeren zerdrückt
und unter öfterem Durchrühren in bedeckten
Steintöpfen der Gärung überläßt. Zur Erleichterung
der letzteren ist ein kleiner Zuckerzusatz vorteilhaft.
Die nicht zu niedrigen Töpfe werden an
dunklen,, kühlen Orten bei 15—20 0 aufbewahrt,
bis ein Teil der abfiltrierten Flüssigkeit sich mit
V2V0I. Alkohol ohne Trübung mischen läßt. Dann
preßt man aus, läßt den Saft noch einige Zeit bei
niederer Temperatur stehen und filtriert ihn durch
Fließpapier, indem man zuerst den Bodensatz und
darauf die Flüssigkeit auf das Filter bringt.
Bei schwer klar werdenden Säften ist der Zusatz
von Talkum sowie die Verwendung von Spitzbeuteln
empfohlen worden. Um eine Beeinträchtigung
der Farbe und des Geschmacks zu verhüten,
muß man bei allen Arbeiten die Verwendung
von Eisen- oder Zinngeräten vermeiden.
Zur Herstellung des Himbeersirups (lat. Sirupus
rubi idaei, frz. Sirop de framboise, engl. Sirup
of Rasp-berries), der vom Publikum bisweilen auch
fälschlich Himbeersaft genannt wird, kocht man
das Filtrat mit ungeblautem, möglichst kalkfreiem
Zucker, meist im Verhältnis von 7:13, ein. Gegenstand
des Kleinhandels bildet nur der Himbeersirup,
während der ungezuckerte H., auch Rohsaft
genannt, höchstens von der Industrie gekauft
wird. Um ihn für deren Zwecke haltbar zu machen,
versetzt man ihn mit Alkohol bis zu 1 s °/o oder
mit Benzoesäure. Das früher viel benutzte Konservierungsmittel
Salizylsäure ist, wie die neuerdings
aufgekommene Flußsäure, aus gesundheitlichen
Rücksichten zu verwerfen. Der Himbeersaft
bzw. -sirup gehörte bis vor kurzem zu den
am meisten verfälschten Genußmitteln. Zusätze
von Wasser oder Nachpresse (s. Fruchtsäfte),
Essenzen, Säuren, Stärkesirup und Teerfarben
waren gang und gäbe, ja es kamen sogar völlig
nachgemachte Kunsterzeugnisse, sog. Brauselimonadensirupe,
in den Handel, die keine
Spur Fruchtsaft enthielten, sondern aus künstlich
gefärbten Lösungen von Säuren und Aromastoffen
bestanden. Dank der scharfen Kontrolle
der letzten Jahre unter Beihilfe der reellen Hersteller
sind die Verfälschungen jetzt nahezu völlig
verschwunden. Etwaige fremde Zusätze werden
auf der Etikette gekennzeichnet, und die nachgemachten
Erzeugnisse deutlich als Kunsthimbeersaft
oder -sirup in den Verkehr gebracht.
H. findet mannigfache Verwendung zum Aromatisieren
von Likören, Konfitüren, Bonbons, Eis,
zur Herstellung von Limonaden mit und ohne
Kohlensäure. Für die letzteren, die sog. Brauselimonaden,
wird der H. bisweilen zur Erzielung
einer dunkleren Farbe mit Kirschsaft aufgefärbt,
jedoch muß dieser Zusatz angegeben werden.
Ein .Alkaligehalt des Wassers verschlechtert die
Farbe und ist daher zu vermeiden.
Hingra nennt man eine von Südpersien und
Afghanistan in den Handel kommende Sorte von
Asa foetida.
Hippursäure (Pferdeharnsäure, lat. Acidum
hippuricum, frz. Acide hippurique, engl. Hippuric
acid), eine stickstoffhaltige, organische
Säure, findet sich in größerer Menge im Ham
der Pferde und Rinder, aus dem sie durch Eindampfen
und Umkristallisieren in Form schnee
weißer spießiger Kristalle vom Schmelzpunkt 187°
gewonnen wird. Sie kann auch synthetisch dargestellt
werden und ist ihrer chemischen Zusammensetzung
nach als eine Paarung von Amidoessigsäure
(Glykokoll) und Benzoesäure Benzoylglykokoll,
C G H r ,.CONH.CH 2 COOH, zu betrachten.
Durch Kochen mit einer verdünnten
Säure wird die Trennung bewerkstelligt und die
Benzoesäure abgeschieden.
Hirschbrunst (Hirschtrüffel, lat. Boletus
cervinus, frz. Bolet de cerf, engl. Stinkhorn), botanisch
Elaphomyces graHulatus, ein veralteter
Artikel des Drogenhandels, ist ein Pilz,
der unterirdisch in Nadelwäldern, auf Wiesen
und Angern wächst und die Größe und Form
einer welschen Nuß, besitzt. Im frischen Zustande
hat er einen starken widerlichen Geruch,
der das Wild anlockt, und soll besonders von
Hirschen in der Brunstzeit, doch auch von Hasen
und Schweinen aufgesucht und gefressen werden.
Die Landleute kaufen den getrockneten Pilz,
um ihn den Rindern als Sprungmittel einzugeben.
Hirschhorn (Hirschgeweihe, lat. Cornu
cervi, frz. Corn de cerf, engl. Hartshorn). Das
im gewöhnlichen Leben vielfach als Horn bezeichnete
Geweih oder Gehörn des männlichen
Hirsches ist keine eigentliche Hornsubstanz, sondern
besteht bei allen hirschartigen, alljährlich
das Geweih ablegenden Tieren aus Knochenmasse,
aus der sich die organischen Bestandteile
durch Kochen in Form von Leim ausziehen
lassen, während Knochenerde (phosphorsaurer
Kalk) übrig bleibt. Es ist dementsprechend nicht
wie die Hörner des Rindes zum Teil hohl, sondern
durchaus voll und wird auch nicht wie Horn
(s. d.) beim Erwärmen biegsam. Man verarbeitet
das H. zu Messer-, Gabel- und Hirschfängergriffen
sowie zu verschiedenen anderen Drechslerarbeiten,
und zwar immer so, daß die schöne gerauhte
oder genarbte Außenseite erhalten bleibt.
Auch wird es ziemlich gut in gepreßtem Holz
nachgeahmt. Die schaufeligen . Geweihe des
Damhirsches haben geringen Wert. Ähnliche
Verwendung wie H., besonders zu Pfeifen und
anderen Drechslerarbeiten, finden die Rehgeweihe,
von denen besonders die wulstigen
wie mit Perlen besetzten unteren Endstücke (Rehkronen)
geschätzt und unzerteilt benutzt werden.
Schöne Stücke von Hirsch- und Rehgehörnen
erreichen bei Jägern und Sammlern zum Ausschmücken
von Sälen und Zimmern bisweilen
hohe Preise. Als Ausfuhrland für Hirschgeweihe
kommen besonders Tirol, Ungarn und Mittelamerika
in Betracht. — In der Annahme, daß
dem H. besondere Kräfte innewohnten, stellte
man früher eine Anzahl pharmazeutischer Präparate
daraus her, die zum Teil unter den alten
Namen noch fortbestehen, jetzt aber, wo man
weiß, daß diese Substanz nichts Besonderes voraus
hat, aus anderen Knochenmassen erhalten
werden. Durch längeres Kochen bereitete man
aus geraspeltem H. (lat. Cornu cervi raspatum,
frz. Corne de cerf toumöe blanche, engl. Deer
Stalks) eine Gallerte, die mit Zucker u. dgl. an
Kranke verabreicht und auch zum Klären von
Getränken benutzt wurde. Die Erzeugnisse der