Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Holzwolle

Holzkohle  167

Brand  beginnt  von  oben  und  pflanzt  sich  im
Innern  allmählich  seit-  und  abwärts  fort.  Zur
rechten  Zeit  wird  die  obere  Öffnung  zugeschlagen, ­
  und  dafür  von  Zeit  zu  Zeit  durch  Einstoßen
neuer  Löcher  auf  halber  Höhe  Luft  geschafft.
Der  Brand  geht  somit  immer  dam  Luftstrome
entgegen,  die  brennbaren  Gase,  dis  sich  aus
dem  Holze  entwickeln,  dienen  zugleich  zu  dessen
Verkohlung,  herausb.echende  Hammen  werden
immer  sogleich  unterdrückt.  Der  fertig  gebrannte ­
  Haufen  wird  nicht  der  freiwilligen  Abkühlung ­
  überlassen,  da  die  Kohlenmasse  dabei
noch  zu  sehr  schwinden  würde,  sondern  hier  und
da  aufgebrochen,  wobei  man  die  mit  Haken
herausgezogenen  glimmenden  Stücke  mit  Wasser
oder  Sand  ablöscht.  Im  übrigen  sind  die  Vorgänge ­
  bei  der  Verkohlung  in  Meilern  und  Retorten ­
  die  nämlichen,  nur  daß  im  letzteren  Falle
die  brennbaren  'Gase  wegen  Luftmangel  unverbrannt ­
  bleiben  und  zu  anderweiter  Verwendung
abgeleitet  werden.  Beim  Anfeuern  entweicht
zunächst,  wenn  die  Hitze  erst  wenig  über  den
Siedepunkt  gestiegen  ist,  Wasserdampf.  Beim
Steigen  der  Hitze  beginnt  die  Zersetzung  des
Holzes,  Wasserstoff  und  Sauerstoff  werden  ausgetrieben ­
  und  verbinden  sich  ebenfalls  zu  Wasser.
Auch  der  Kohlenstoff,  obwohl  beständiger  als
jene  beiden  anderen  Elemente,  wird  zum  Teil
in  die  Zersetzung  mit  hineingerissen  und  liefert
eine  große  Anzahl  gasförmiger  und  dampfförmiger ­
  Verbindungen,  von  denen  die  letzteren
durch  Abkühlung  zu  Teer  und  Holzessig  verdichtet ­
  werden  können.  Auf  diese  Weise  gehen
bei  der  Destillation  von  den  etwa  40  0/0  Kohlenstoff ­
  des  Holzes  13  °/o  in  den  flüchtigen  Stoffen
fort.  Die  H.  hat  vor  dem  Holze  in  wirtschaftlicher ­
  Hinsicht  bedeutende  Vorzüge,  einesteils
durch  die  große  Leichtigkeit  und  Beförderungs
müglichkeit  im  Vergleich  zu  dem  viermal  schwereren ­
  Holz  und  dann  hauptsächlich  dadurch,
daß  sie  im  kleinsten  Raume  die  größte  Heizkraft ­
  einschließt  und  das  reinste  Feuer  ohne
Rauch  und  fast  ohne  Flamme  liefert.  Die  harten
Hölzer  geben  auch  härtere  Kohlen  mit  größerer
Heizkraft,  mit  Ausnahme  der  Eiche,  deren  Kohle
wenig  taugt.  Die  Kohlen  der  Weichhölzer  sind
leichter  brennbar  und  werden  in  größerer  Menge
dargestellt,  während  zur  Destillation  nur  harte
Hölzer  benutzt  werden,  weil  sie  die  höchste
Ausbeute  an  Holzessig  geben.  Die  H.  werden
hauptsächlich  als  Brennstoff,  als  Reduktionsmittel
bei  der  Metallgewinnung  und  als  absorbierendes ­
  Mittel  angewandt,  in  geringeren  Mengen
zur  Herstellung  von  Schießpulver,  als  Schleifpulver, ­
  zu  Zeichenkohle  usw.  In  erster  Beziehung ­
  werden  sie  besonders  von  Metallarbeitern,
Schmieden  und  Schlossern  benutzt,  und  wenn
diese  sich  neuerdings  auch  oft  mit  Steinkohlen
behelfen,  so  kann  doch  bei  Verarbeitung  des
Stahls  die  FI.  nicht  entbehrt  werden.  Zu  hüttenmännischen ­
  Zwecken,  zum  Ausschmelzen  des
Eisens,  Zinks,  Zinns  und  Bleies  aus  den  Erzen
war  H.  früher  das  einzige  Mittel,  während  jetzt,
namentlich  bei  Eisenhochöfen,  meistens  Koks
benutzt  werden  muß.  Die  leichtflüssigen  Metalle ­
  werden  schon  reduziert,  wenn  ihre  Oxyde
mit  Kohlenpulver  gemischt  und  in  Tiegeln  geglüht ­
  werden,  und  in  ganz  analoger  Weise  wird
der  Phosphor  (s.  d.)  aus  seinem  Oxyde,  der

Phosphorsäure,  durch  Kohle  abgeschieden.  —
Die  Kohle  zeigt,  wenn  sie  beim  Verkohlen  ungestört ­
  bleibt,  noch  völlig  die  Gestalt  und  Struktur ­
  des  Holzes,  nur  ist  sie  kleiner  und  in  so
hohem  .Grade  porös,  einem  höchst  feinen
Schwamm  vergleichbar  geworden,  daß  sie  große
Mengen  von  Gasen  zu  verschlucken  und  aus
Flüssigkeiten  fremde  Stoffe  auszuscheiden  vermag. ­
  Auf  dieser  absorbierenden  Eigenschaft  beruht ­
  die  vielseitige  technische  Verwendung  der
gepulverter  H.  als  Desinfektionsmittel,  um  Miasmen ­
  und  Fauigerüche  inWohnräumen  und  Kloaken ­
  zu  beseitigen,  zum  Reinigen  von  Wasser,
welches  organische  Zersetzungsprodukte,  Metallsalze ­
  usw.  enthält,  und  zum  Entfärben  von  Flüssigkeiten, ­
  sofern  die  Färbung  von  besonderen,
abscheidbaren  Bestandteilen  herrührt.  Die  absorbierende ­
  Kraft  der  II.  wird  im  allgemeinen
durch  die  d6r  Tier  ko  hie  (st  d.)  überlroffen,  doch
eignet  sie  sich  für  manche  Verwendungen,  so
namentlich  zum  Entfuseln  des  Spiritus,  besser,
wobei  man  entweder  die  Spiritusdämpfe  durch
einen  Behälter  mit  grob  gepulverter  Kohle  streichen ­
  oder  den  ablaufenden  Sprit  durch  Kohlenpulver ­
  durchsickern  läßt.  Alle  Kohle,  die  zu
Zwecken  der  Absorption  dienen  soll,  muß  entweder ­
  frisch  gebrannt  oder  gleich  im  frischen
Zustande  luftdicht  verpackt  worden  sein,  da  sie
sich  in  freier  Luft  mit  Gasen  und  Riechstoffen
sättigen  und  dann  unwirksam  sein  würde.  Man
kann  aber  einer  unwirksam  gewordenen  Kohle
die  absorbierende  Eigenschaft  im  vollen  Maße
durch  Ausgiühen  wieder  verleihen.  Zu  allen
derartigen  Zwecken  dient  Weichholzkohle,  da  sie
die  stärkste  Porosität  und  Absorptionskraft  hat.
Am  kräftigsten  wirkt  die  Kohle  von  Pappelholz,
dann  folgt  die  von  Lindenholz  und  hierauf  die
von  Nadelhölzern.
Holzstaub  (Holzmehl,  engl.  Flocks)  wird  in
der  Weise  hergestcllt,  daß  man  sehr  dünne
Hobelspäne  weicher  Hölzer  mit  Scifenwasser,
besser  Natronlauge,  kocht,  mit  Wasser  sorgfältig
auswäscht,  darauf  sehr  fein  vermahlt  und  beliebig ­
  färbt.  Er  dient  zur  Bereitung  der  Samt
tapeten  und  wird  mit  einem  geruchlosen,'"'Insekten ­
  verscheuchenden  Klebstoff  auf  dem  Päpier
befestigt.  Vor  dem  früher  benutzten  Wollslaub
hat  er  den  Vorzug,  um  5o°/o  leichter  und  10  0/0
billiger  zu  sein.  Ein  besonders  zubereitetes  Holz :
mehl  dient  in  der  Bäckerei  bisweilen  unter  dlem
Namen  Streumehl  (s.d.)  zum  Bestreuen  der
Unterseite  von  Broten.
Holzteeröl  (lat.  Oleum  picis,  frz.  Huile  de
goudron  .vögötale,  engl.  Tar  oil)  wird  durch  Destillation ­
  des  Holzteers  gewonnen  und  ist  frisch
destilliert  ziemlich  farblos,  nimmt  aber  bei  länge
rem  Lagern  eine  gelbe  bis  rotbraune  Farbe  an.
Es  besteht  aus  Kohlenwasserstoffen  wie  Benzol,
Toluol  und  Phenolen,  hat  ein  spez.  Gew.  von
etwa  0,970  und  kann  durch  fraktionierte  Destillation ­
  in  Schwer-  und  Leichtöl  geschieden  werden.
Das  Holzkreosot  (s.d.  bei  Kreosot)  wird  namentlich ­
  aus  Buchenholzteer  gewonnen.  Ber.w'zt
wird  H.  in  der  Volksmedizin  bei  Hautkrankheiten. ­
  in  der  Tierheilkunde  bei  Räude.
Holzwolle  (Holzfaden,  Holzfaser,  Wol
lin,  lat.  Lana  ligui,  frz.  Charpie  de  bois,  engl.
Wood  wol),  eine  aus  weichem  Holz  gefertigte
Fasermasse,  kommt  in  zwei  Sorten  in  den
            
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