Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Pfeffer,  langer

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Pfefferminze

hergestellt,  daß  man  sie  in  Meer-  oder  Kalkwasser ­
  einlegte  und  nach  dem  Trocknen  das
Fruchtfleisch  abrieb.  Neuerdings  findet  sich  im
Handel  meist  nur  eine  durch  Schälen  von
schwarzem  P.  gewonnene  Ware.  Der  schwarze
P.  enthält  neben  wechselnden  Wassermengen
im  Durchschnitt  12,  J  0/0  Stickstoffsubstanz,  80/0
Fett,  33  0/0  Stärke,  13%  Rohfaser  und  40/0,
Asche;  der  weiße  P.  unterscheidet  sich  hauptsächlich ­
  durch  seinen  höheren  Gehalt  an  Stärke
(560/0)  und  seinen  geringeren  Gehalt  an  Rohfaser ­
  (5%)  und  an  Asche  (2°/o),  weil  letztere
beiden  Stoffe  vorwiegend  in  den  Schalen  enthalten ­
  sind.  —  Als  charakteristische  und  wertbestimmende ­
  Stoffe,  die  den  Geruch  und  scharfen ­
  Geschmack  des  P.  bedingen,  finden  sich
1—2,30/0  ätherisches  Öl  und  7  °/o  Piperin.  Der
P.  gehörte  bis  vor  kurzem  zu  den  am  meisten
verfälschten  Gewürzen,  doch  hat  die  Nahrungsmittelkontrolle ­
  eine  wesentliche  Verbesserung
der  bestehenden  Übelstände  im  Gefolge  gehabt.
Als  Zusätze  zu  ganzem  schwarzen  P.  wurden
ähnlich  aussehende  Früchte  anderer  Pflanzen
beobachtet,  insbesondere:  Kubeben,  Langer  P.,
Paradieskörner,  Kellerhalsbeeren  u.  a.,  während
der  ganze  weiße  P.,  hauptsächlich  sog.
Penang,  häufig  mit  einem  Überzüge  von  Kalk
in  den  Handel  kam.  Nach  der  neueren  Rechtsprechung ­
  darf  gekalkter  P.  nicht  ohne  entsprechende ­
  Kennzeichnung  verkauft  werden.
Der  gemahlene  P.  bildete  den  Abladeplatz
aller  möglichen  Abfälle;  Sand  und  Ton,  verdorbene ­
  taube  Körner,  Mehl,  Schalen  von  P.,
Nüssen,  Mandeln  und  Kakao,  Rückstände  der
Ölgewinnung  wie  Palmkernmehl,  Raps-  und
Rübsenkuchen,  Olivenkerne,  Dattelkerne,  Baumrinden ­
  und  zahlreiche  andere  wertlose  Stoffe
wurden  in  ihn  hineingemahlen.  Zum  Nachweise ­
  fremder  pflanzlicher  Beimischungen  benutzt ­
  man  das  Mikroskop,  zur  Erkennung  von
Pfefferschalen  und  mineralischen  Zusätzen  die
chemische  Analyse.  Marktfähiger  schwarzer  P.
soll  nicht  über  7  o/ 0  Mineralstoffe  mit  2  0/0  Sand
und  nicht  über  17,5  o/ 0  Rohfaser  enthalten,
weißer  P.  höchstens  40/0  Asche,  1  0/0  Sand  und
7  0/0  Rohfaser.  Von  den  zahlreichen  Handelssorten ­
  ist  der  Malabar-P.  mit  seinen  Unterabteilungen ­
  A1  eppi  und  Tellicherry  am
höchsten  geschätzt.  Andere  Sorten  führen  die
Bezeichnung  Singapore,  Penang  (meist  gekalkt), ­
  Sumatra,  Kochin,  Goa  und  Lampong.
  Weißer  P.  kommt  meist  von  Sumatra,
Singapore  und  Penang.  Eine  aus  verkümmerten, ­
  tauben,  oft  nur  stecknadelkopfgroßen ­
  Körnern  bestehende  Sorte,  sog.  Pfefferköpfe, ­
  ist  keine  marktfähige  Ware,  sondern
ein  offensichtliches  Verfälschungsmittel.  Der
Pfeffer  findet  als  Gewürz  ausgedehnte  Anwendung ­
  und  wird  in  beschränktem  Maße
medizinisch  verwandt.
Pfeffer,  langer  (lat.  Piper  longum,  frz.  Poivre
long,  engl.  Long  pepper)  besteht  aus  den  vor
völliger  Reife  gesammelten  und  getrockneten
Fruchtständen  (Kätzchen)  von  Chavica  officinarum
  (Piper  longum),  die  etwa  3—4  cm
lang,  6—8  mm  dick  und  von  schwarzgrauer  bis
rotbrauner  Farbe  sind.  Der  Geschmack  ist
scharf  brennend,  der  Geruch  pfefferartig,  die
Zusammensetzung  den  anderen  Pfefferarten

entsprechend.  Langer  P.  wird  hauptsächlich
in  Form  einer  Abkochung  als  Fliegengift  verwandt. ­

Pfefferkuchen  (Lebkuchen,  frz.  Pain  d’epices,
  Gätcau  au  miel,  engl.  Gingerbread,  Honey
comb),  ein  sehr  haltbares  gewürziges  Back-  |
werk,  wird  mit  Hilfe  von  Hirschhornsalz  als
Treibmittel  besonders  in  Nürnberg,  Braunschweig, ­
  Pulsnitz,  Kamenz,  Danzig,  Thorn  und
Basel  (Leckerli)  fabrikmäßig  hergestellt.  Zu
den  braunen  P.  nimmt  man  außer  Mehl  ent-  ,
weder  Sirup,  oder  bei  feineren  Sorten  (Honig-  |
kuchen)  auch  wohl  Honig,  zu  den  weißen  P.  4
Zucker.  Als  Gewürze  kommen  hauptsächlich  i.
Kardamomen,  Zimt,  Nelken,  Vanille,  bittere  /  l!
Mandeln  und  Zitronat  zur  Verwendung.  ■—  '
Kleine,  rundliche  Stücke  nennt  man  Pfeffernüsse. ­

Pfefferminze  (Pfeffermünze,  lat.  Herba  s.
Folia  menthae  piperitae,  frz.  Feuilles  de  menthe  /
poivr6e,  engl.  Peppermint  leaves).  Mentha  piperita,
  die  wichtigste  der  zu  den  Lippenblütlern ­
  gehörenden  Gattung  Mentha,  deren  zahlreiche ­
  Arten  sich  fast  alle  durch  ein  mehr  oder
weniger  starkes  Aroma  auszeichnen,  unterscheidet
  sich  von  ihren  Verwandten  äußerlich  durch
ihre  gestielten,  fast  glatten  Blätter,  die  nur
an  den  Nerven  der  Unterseite  spärlich  behaart
und  an  den  der  Blattspitze  zugekehrten  Stellen
am  Rande  scharf  gezähnt  sind.  Die  P.  kommt  ut  i
in  Westeuropa,  vor  allem  in  England,  wild  vor,  ’g
wird  aber  bei  uns,  besonders  in  Thüringen  und  '
im  Harz  sowie  in  England  (London,  Cambridge,
Mitcham)  vielfach  angebaut  und  dann  als  Mentha
piperita  var.  ß  bezeichnet.  Die  in  der  Blütezeit ­
  gesammelten  Spitzen  der  Zweige  und  die
Blätter  der  unteren  Teile  (ohne  die  Stengel)  kommen ­
  getrocknet  in  den  Drogenhandel  und  haben
einen  stärkeren  Geruch  und  Geschmack  als  im
frischen  Zustande.  P.  wird  medizinisch  als
krampfstillendes,  magenstärkendes  und  zu  Blähungen ­
  treibendes  Mittel  angewandt.  —  Der
wirksame  Bestandteil  der  Pflanze  ist  das  äthe-  |
rische  Öl,  das  Pfefferminzöl  (lat.  Oleum  menthae ­
  piperitae,  frz.  Essence  de  menthe  poivree,
engl.  Oil  of  peppermint),  das  von  angebauten  j
Pflanzen  gewonnen  wird.  Die  geschätzteste  Sorte,
das  englische  Mitchamöl,  hat  ein  spez.  Gew.  !
von  0,900—0,912.  Die  deutschen  Öle  kommen
für  den  Weltmarkt  weniger  in  Betracht,  da  ihre
Produktion  jährlich  nur  einige  hundert  Kilo
beträgt.  Ihr  spez.  Gew.  ist  0,900—0,915  bei
15 0  C.  Weniger  feine  Sorten  kommen  aus  j.
Amerika,  weil  hier  nicht  selten  andere  Minzearten ­
  mitdestilliert  werden,  und  auch  häufig
Verfälschungen  mit  Poleyöl,  Erigeronöl  und
dem  flüssigen  Teil  des  japanischen  Pfefferminzöls ­
  vorgenommen  werden.  In  neuerer  Zeit
haben  sich  die  Verhältnisse  aber  wesentlich  gebessert, ­
  indem  man  auf  sorgfältigere  Kultur  und
Reinhalten  der  Felder  von  Unkraut  achtet.  —  ,
Große  Mengen  P.  kommen  aus  Japan.  Das  normale ­
  japanische  Öl  bildet  bei  gewöhnlicher  Temperatur ­
  eine  feste,  ölgetränkte  Kristallmasse.  In
den  Handel  kommt  das  normale  öl,  (Unseparated),
  das  aus  lockeren  Kristallen  bestehende
Rohmenthol  (Crystals)  und  das  von  diesem  getrennte ­
  flüssige  öl  (Oil).  —  Die  P.  sind  im  rektifizierten ­
  Zustande  farblose,  etwas  dickliche  Flüs-
            
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