Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

isimus

Thomasschlacke

Theriak  449

Xanthin,  C 7 H 8 N 4 0 2 ,  anzusprechen.  Es'  kann
aus  dem  Xanthin  des  Fleischextraktes  künstlich
dargestellt  werden,  wird  aber  meist  aus  dem  wäßrigen ­
  Auszuge  der  Kakaobohnen  durch  Fällung
mit  Bleiessig,  Zerlegung  des  abfiltrierten  Niederschlages ­
  mit  Schwefelwasserstoff  und  weitere
Reinigung  mit  Magnesia  und  Alkohol  gewonnen.
T.  bildet  ein  weißes  Kristallpulver,  sublimiert
unzersetzt,  schmilzt  bei  329—330 0  und  ist  in
Alkohol  und  Wasser  schwer,  in  Petroläther  unlöslich. ­
  Gegen  Säuren  verhält  das  T.  sich  wie
eine  schwache  Base,  gibt  andererseits  aber  auch
mit  Natron,  Baryt  und  anderen  Basen  Salze.
Die  leichtlösliche  Doppelverbindung  des  Theobrominnatriums ­
  mit  Natriumsalizylat  findet  unter
dem  Namen  Diuretin  medizinische  Anwendung
gegen  Wassersucht  und  als  harntreibendes  Mittel.
Theriak  (lat.  Electuarium  theriaca,  s.  theriacale,
  frz.  Thöriaque,  engl.  TreacleJ  eine  aus
verschiedenen  Wurzel-  und  Gewürzpulvern  unter
Zusatz  von  Honig  und  Wein  hergestellte  Latwerge, ­
  die  im  Mittelalter  namentlich  in  Venedig
zubereitet  und  daher  auch  venetianischer  T.  genannt ­
  wurde,  findet  als  Zusatz  zu  verschiedenen
Magenschnäpsen,  z.  B.  alter  Schwede,  Verwendung. ­
  —  Der  medizinische  T,  ist  mit  Zusatz
von  Opium  hergestellt  und  daher  für  den  Handverkauf ­
  nicht  freigegeben.
Thermit  nennt  Goldschmidt  die  von  ihm  in
die  Technik  eingeführte  Mischung  von  Aluminiumpulver
  mit  Eisenoxyd,  Chromoxyd  und
anderen  Metalloxyden,  die  mit  eiper'Zündkirsche
aus  vier  Teilen  Bariumsuperoxyd  und  einem  Teil
Aluminium  entzündet  wird  und  dann  Temperatluren
  von  gegen  3000 0  erzeugt.  T.  dient  zurHerstellung
  sonst  schwierig  reduzierbarer  Metalle,  wie
Chrom  und  Mangan,  sowie  von  künstlichem  Korund, ­
  und  findet  zum  Schweißen  von  Stahl
(Eisenbahnschienen)  nach  dem  Verfahren  der
Aluminothermie  ausgedehnte  Anwendung.
Thiazinfarbstoffe  bilden  die  9.  Gruppe  der
Teerfarben  (s.  d.)nach  der  Einteilung  von  Möhlau
  und  Eucherer.  Ihrer  chemischen  Zusammensetzung ­
  nach  sind  sie  den  Oxazinen  verwandt, ­
  von  denen  sie  durch  Eintritt  eines  Schwefelatoms ­
  an  Stelle  von  Sauerstoff  abgeleitet  werden ­
  können,  und  demnach  als  Abkömmlinge
des  Phenthiazins  (Thiodiphenylamin):  C G H 4 .
(NHS)C 6 H 4  anzusehen.  Zur  Darstellung  der  Th.
geht  man  von  den  Paradiaminothiosulfonsäuren
aus,  die  bei  der  Oxydation  von  p-Diaminen  in
Gegenwart  von  Thiosulfat  entstehen,  und  unterwirft ­
  sie  der  oxydativen  Kondensation  mit
Aminen  und  Phenolen,  auch  Aminophenolen,
Chinonen,  Hydrochinonen,  Gallussäure  usw.
Der  einfachste  Vertreter  der  Reihe  ist  Lauths
Violett  (s.  d.),  der  für  die  Praxis  allein  in  Betracht ­
  kommende  das  Methylenblau  (s.  d.).
Thiazolfarbstoffe  (12.  Gruppe  der  Teerfarben,
s,  d.)  sind  durch  die  ringförmig  geschlossene
Atomgruppe  CCSCN,  den  sog.  Thiazolring,  gekennzeichnet ­
  und  leiten  sich  ab  von  demDehydrothiotoluidin,
  CH3,.C 6 H3(NS)C.C 6 H 4 .NH2,  das
beim  Erhitzen  von  p-Toluidin  mit  Schwefel  entsteht. ­
  Durch  Ersatz  von  zwei  Wasserstoffatomen ­
  der  Amidogruppe  durch  zwei  Methylgruppen ­
  und  durch  Verbindung  des  Schwefelatoms ­
  mit  CI  und  CH 3  entsteht  das  Tetramethylchlorid, ­
  das  unter  dem  Namen  Thio-M'crcks
  Warenlexikon.

flavinT  als  grünlichgelber  Farbstoff  für  Baumwolle ­
  und  Seide  Anwendung  findet.  Thioflavin
  S  ist  das  Dimethylderivat  der  Dehydrothiotoluidinsulfosäure,
  durch  dessen  Oxydation
wieder  ein  neuer  Farbstoff,  Chloramingelb,
entsteht.  Als  weitere  Abkömmlinge  der  ge-  ■
nannten  Sulfosäure  sind  noch  Claytongelb
(Thiazolgelb  S)  und  Erika  B  anzusehen.  Der
wichtigste  Farbstoff  der  Reihe,  die  Primulinbas'e
  bzw.  deren  Sulfonsäure,  das  Primulin,
wird  wie  das  Thioflavin  durch  Erhitzen  von
p-Toluidin  mit  Schwefel,  aber  bei  höherer  Temperatur ­
  und  größerem  Schwefelüberschuß,  hergestellt. ­
  Das  gelbe  Pulver  gibt  mit  heißem
Wasser  eine  blau  fluoreszierende  Lösung,  in  der
Natronlauge  und  Salzsäure  Niederschläge  hervorrufen.
  Primulin  läßt  sich  auf  ungeheizter
Baumwolle  mit  gelber  Farbe  befestigen.
Thioform,  das  basische  Wismutsalz  der  Dithiosalizyisäure,
  ein  geruchloses,  gelbes,  inWasser
unlösliches  Pulver,  wird  an  Stelle  des  Jodoforms
in  der  Wundbehandlung  benutzt.
Thiol,  ein  vor  mehreren  Jahren  in  den  Handel ­
  gekommenes  Medikament,  welches  mit  dem
Ichthyol  in  Wettbewerb  zu  treten  bestimmt  ist,
wird  aus  denjenigen  Destillationsprodukten  des
Braunkohlenteeröls  gewonnen,  die  unter  dem
Namen  Gasöl  bekannt  sind.  Das  Gasöl  wird  bei
ungefähr  215 0  mit  Schwefel  behandelt,  der  sich
unter  Schwefelwasserstoffentwicklung  löst,  und
die  Lösung  durch  Eingießen  in  konz.  Schwefelsäure ­
  in  Sulfosäuren  verwandelt,  die  sich  beim
Zusammenbringen  mit  Wasser  als  harzige  Schicht
niederschlagen,  während  die  unzersetzten  Öle
obenauf  schwimmen  und  entfernt  werden.  In
reinem,  schwefelsäurefreiem  Wasser  lösen  sich
diese  Sulfosäuren,  werden  aber  durch  Zusatz
von  Kochsalz  wieder  ausgefällt.  Durch  Neutralisation ­
  mit  Ammoniak  oder  Natron  erhält
man  die  entsprechenden  Salze,  die  als  T.  in  den
Handel  kommen.
Thiorubin,  ein  im  Jahre  1885  aufgekommener
Teerfarbstoff,  das  Natronsalz  der  Thioparatoluidinazoalphanaphtholdisulfosäure,
  bildet  ein
rotbraunes  Pulver,  das  sich  in  Wasser  mit  fuchsinroter ­
  Färbe  löst  und  Wolle  im  sauren  Bade
rot  färbt.
Thomasschlacke,  die  nach  dem  Verfahren  von
Thomas-Gilchrist  zur  Herstellung  von  Eisen
und  Stahl  aus  den  Bessemerkonvertern  entnommene ­
  Schlacke,  bildet  in  Form  eines  feinen  Pulvers ­
  das  wichtigste  Phosphorsäuredüngemittel
Deutschlands.  Sie  wurde  während  des  letzten
Friedensjahres  (1913)  in  Menge  von  z 1 /^  Millionen ­
  Tonnen  bei  uns  hergestellt  und  bis  auf
einen  Ausfuhrüberschuß  von  1 / i  Million  Tonnen
verbraucht.  Zu  der  Gewinnung  mußten  allerdings ­
  neben  23  Millionen  Tonnen  einheimischer
10  Millionen  Tonnen  ausländischer  Erze  (Spanien, ­
  Schweden)  herangezogen  werden,  und
noch  ungünstiger  werden  sich  die  Verhältnisse
durch  die  Abtretung  des  lothringischen  Erzbeckens ­
  gestalten.  Das  Thomasmehl  enthält  11
bis  230/0,  im  Mittel  170/0  Phosphorsäure  an
Kalk  gebunden  in  Form  des  Tetrakalziumphosphats ­
  (Ca d P 2 0 8 )  neben  geringen  Mengen  Magnesia, ­
  Eisen,  Tonerde,  Mangan,  Schwefel,  Kieselsäure. ­
  Sein  Düngewert  wird  nach  dem  Gehalte
an  „zitratlöslicher“,  d.  h.  in  einer  bestimm-29


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