Butter
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Butter
jene Weine zu den besten Sorten Frankreichs,
so namentlich die Rotweine von Dannemoine
(Olivotes, Montsavoye, Poinsot), von Tonnerre
(Pittoy, Ferneres, Preaux, Chartoux) und von
Auxerre (Grande c6te, Clos de la Chainette). —
Die Weißweine Nieder-Burgunds werden
hauptsächlich zur Schaumweinfabrikation ver
wendet. Hierher gehören die Chablis, Grisdes
von Epineuil, Vaumorillon von Jaunay usw.
Das Maconnais und Beaujolais liefern vor
zugsweise Rotweine: Moulin ä vent von Torins,
Chinas, Fleury, Romanhche, Brouilly, Villiers.
Leider sind die B. sehr schwer echt zu erhal
ten, weil sie schon in Frankreich stark ver
schnitten und mit Sprit versetzt werden.
Butter (frz. Beurre, engl. Butter) ist das er
starrte, aus der Milch abgeschiedene Fett, wel
chem infolge seiner Herstellung noch gewisse
nicht entfernbare Mengen von Milchbestand
teilen, wie Wasser, Kasein, Milchzucker und
Mineralstoffe anhaften, und welches außerdem
in Norddeutschland meist noch einen Zusatz von
Kochsalz erhält. Zur Bereitung der B. wird der
entweder freiwillig aufgestiegene oder durch
Zentrifugen abgeschiedene Rahm in besonderen
Buttermaschinen (Butterfässer) durch Stoßen,
Rühren oder Schlagen so lange in lebhafte Be
wegung versetzt, bis die mikroskopisch kleinen
Fetttröpfchen der Milch sich zu einer kompak
ten, formbaren Masse vereinigt haben. Um auch
beim Verbuttern von Süßrahm, welches im all
gemeinen trotz etwas geringerer Ausbeute ra
tioneller ist, den charakteristischen aromatischen
Geschmack der Sauerrahmbutter zu erzielen,
setzt man neuerdings, besonders in Dänemark,
vielfach Reinkulturen gewisser Bakterien hin
zu. Aus 25—35 1 Milch wird etwa I kg B. er
halten. Ihrer chemischen Zusammensetzung nach
ist die B. ein Gemisch von Butterfett mit un
gefähr 13—14 0/0 Wasser, 0,750/0 Kasein, 0,50/0
Milchzucker, 0,12 o/ 0 Milchsäure und 0,66 °/o Mi
neralstoffen. Höhere Gehalte an Milchbestand
teilen sind auf mangelhaftes Auskneten oder
auf betrügerische Beimengung zurückzuführen.
Zum Schutze des Publikums gegen die hier
durch verursachte Übervorteilung hat der Bun
desrat in seiner Verordnung vom 1. III. 01 be
stimmt, daß B. mindestens 80 0/0 Fett enthalten
muß, und daß der Wassergehalt bei gesalzener
B. 160/0, bei ungesalzener 18 0/0 nicht über
steigen darf. Natürlich ist diese Zahl nicht so
zu verstehen, daß man B. mit geringerem Ge
halte nun noch weitere Wassermengen einkneten
dürfte, da hierin unter allen Umständen eine
Verfälschung im Sinne des Nahrungsmittel
gesetzes zu erblicken ist. Von weiteren Ver
fälschungen kommen die in den Büchern er
wähnten Beimengungen von Kreide, Gips, Mehl
usw. wohl kaum noch vor, und auch die vor
Jahren in Breslau aufgefundene „Butter“, welche
aus einem Kern von Kartoffelbrei mit dünner
Butterhülle bestand, dürfte ohne Nachfolger
bleiben. Aber Zusätze von fremden ' Fetten,
Schweineschmalz, Margarine (s. d.), Kokosfett
usw. werden noch immer beobachtet, trotzdem
sie durch das Margarinegesetz vom 15. VI. 1897
unter allen Umständen, selbst bei Deklaration,
verboten sind. Zur Überwachung der gesetz
lichen Vorschriften ist der Polizei das Recht
eingeräumt worden, in den Betrieben, in denen
Butter und ihre Ersatzmittel hergestellt, feil-
gehalten und verkauft werden, Revisionen vor
zunehmen. Der Nachweis von Butterver
fälschungen kann zwar in exakter Weise nur
durch den Chemiker erbracht werden, immer
hin ermöglichen einige leicht ausführbare Vor
prüfungen auch dem Händler und Käufer ein
vorläufiges Urteil zu erlangen. Zur Erkennung
eines übermäßigen Wasserzusatzes schmilzt man
Butter in einem dünnwandigen, graduierten Gläs
chen bei gelinder Wärme. Sie teilt sich dabei,
nach längerer Zeit in zwei Schichten. Obenauf
schwimmt das völlig klare Fett, während sich
unten das Wasser ansammelt, dessen Volum,
nicht mehr als t/ 7 ausmachen darf. Erscheint
die obere Fettschicht nicht goldklar, sondern
trübe, so liegt gleichzeitig der Verdacht auf
Margarinezusatz vor, den man mit Hilfe der
Furfurolreaktion (s. Margarine) weiter prüft.
Infolge der ausgedehnten amtlichen Nahrungs
mittelkontrolle sind die inländischen Butterver
fälschungen mehr und mehr zurückgegangen,
und auch im Verkehr mit dem Auslande machen
sich Zeichen von Besserung bemerkbar. Die
holländische Regierung hat zum Schutze ihrer
arg in Mißkredit gekommenen Butterausfuhr
eine strenge Überwachung eingeführt, und es-
ist dem deutschen Großhändler dringend zu
raten, holländische B. nur mit der Reichskontroll
marke zu kaufen, da bei dieser allein Gewähr
für Reinheit gegeben ist. — Die geringe Halt
barkeit der animalischen Nahrungsmittel bringt
es mit sich, daß große Buttermengen in ver
dorbenem Zustande in den Verkehr kommen,,
besonders aus Ländern mit so ungenügenden
hygienischen Einrichtungen wie Galizien und
Sibirien. Auch auf diese muß die Nahrungs
mittelkontrolle ein wachsames Auge haben.
In gleicher Hinsicht wird die gute Beschaffen
heit der B. durch ihre Eigenschaft beeinflußt,.
Gerüche aus der Umgebung begierig anzuziehen.
Der sog. Stallgeruch, der Geschmack nach Holz,
oder Faß, nach Hering und Petroleum sind
hierauf zurückzuführen. Bitterer Geschmack kann
auf der Verwendung eisenhaltigen Kochsalzes
oder mit Eisensalzen imprägnierter Pergament
umhüllungen beruhen. Die Farbe der Butter
hängt von der Art der Fütterung ab. Während
im Sommer bei Weidegang ein tiefgelbes Fett
erzeugt wird, erscheint sie bei Stallfütterung im
Winter wesentlich heller, ja bei reichlicher
Strohfütterung fast weiß. Um auch letzterer
Ware den Anschein der besonders geschätzten
Grasbutter zu geben, hat man zu dem Aus
kunftsmittel der künstlichen Färbung gegriffen.
Safflor, Safran, Kurkuma und Orlean werden
zugesetzt, und diese Unsitte ist zurzeit so weit
eingebürgert, daß mit gesetzlichen Mitteln nicht
wohl dagegen eingeschritten werden kann. But
terschmalz, Schmelzbutter, Rinds
schmalz nennt man das durch Ausschmelzen
von den Milchbestandteilen befreite Butterfett,
welches in Süddeutschland viel verbraucht wird.
— Der Handel mit B. hat in den letzten Jahr
zehnten große Wandlungen erfahren. Während
im Jahre 1875 noch 124000 dz ausgeführt und
nur 77000 dz eingeiführt wurden, hat sich dieses
Verhältnis im Jahre 1898 umgekehrt (28000 zu