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unseres Landes. Frankreichs, andererseits die lange Unsicherheit bezüglich der
mitteleuropäischen Handelsverträge. Tie Wirkungen des neuen französischen Zoll
tarifes find schnell eingetreten. Einzelne Industrien sind bark betroffen. Was
die Handelsverträge betrifft, so ist deren Aufnahme bier noch eine sehr gemischte.
Abgesehen von der Baumwcllintustrie, welche von dem Handelsvertrag mit der
Schweiz eine verderbliche Wirkung befürchtet, nehmen die meisten Industrien eine
abwartende Stellung ein. Allgemein anerkannt ist. daß nunmehr eine feste Grund
lage gegeben ist, welche während einer längeren Reihe von Jahren die Basis
der Handelsoperationen bilden wird. Diese Stabilität der Zollsätze wird in einem
bande besonders geschätzt, welches wie daü unfrige durch die Verschiebungen der
Zollpolitik schon so sehr zu leiden hatte. Verschiedene Industrien hatten für ihre
Produkte auf die Herabsetzung einzelner Vertragsstaaten gerechnet und klagen
über die ihnen nicht zu Theil gewordene Berücksichtigung. In wie weit die
Handelsverträge für die verlorene französische Kundschaft einen Ersatz schaffen
werden, läßt sich noch nicht übersehen. Die neuen Handelsverträge haben auf die
Müllerei wenig Einfluß geübt, da auch die jetzigen Zölle ihr noch genügenden
Schutz gewähren werden. Für den Handel ist die Höhe der Zollsätze ziemlich
gleichgültig, dagegen ist deren Unbeständigkeit für denselben sehr unangenehm und
gefährlich. Von diesem Standpunkte aus hat der Getreidehandel die nenen Zoll-
verträge mit Freuden begrüßt, durch welche nun die Zollsätze für eine längere
Reibe von Iabren gegen Erhöhungen gesichert sind."
II. Andere deutsche Staaten.
Allgemeiner Mecklenburgischer Handelsverein iRostockj.
„In unserem letzten Jahresberichte vom 3. August 1891 haben wir hervor-
gehoben, daß die gesammte wirtbschaftliche Lage sich in den letzten Jahren in
Deutschland nicht gebessert, vielmehr die rückläufige Strömung entschieden an
Umfang zugenommen babe; dies Urtheil kann nach der zwar ungleichmäßige», meist
aber sehr mäßigen Ernte des letzten Jahres, verbunden mit sehr hohen Preisen
der nothwendigsten Lebensmittel, zurückgebender Ausfuhr unserer Industrie-Erzeug-
nisse und der allgemein schleckten Lage des Geschäftes, besonders nach der Seite
des Wintzens bi», beute nur in verstärktem Sinne wiederholt werden. In kurzer
Zeit werden diese Umstände, welche zu einem wesentlichen Theile die immer mehr
hervortretenden schädlichen Folgen der Wirthschastspolitik des Fürsten Bismarck
sind, nicht verschwinden! wir sind aber überzeugt, daß je mebr das jetzt wieder
aufgenommene System der.Handels-Verträge zur Geltung und zur Durchführung
gelangen wird, desto rascher und vollständiger eine Besserung erfolgen wird. Wie
auch an uns gestellte Anfragen beweisen, sind weitere Anbahnungen zu Handels
Verträgen im Werte und find wir sehr befriedigt zu sehen, daß die Reichs-
Regierung in dieser Richtung an dem Wege festhält, welchen sie, sebr zum Nutzen
deö wirklichen Gemeinwohls, betreten bat. Die Wahrscheinlichkeit einer guten
Ernte in Deutschland trägt dazu bei, die Stimmung überall zu bessern »nt den
Muth neu zu beleben, den aufrecht zu halten im letzten Winter nicht immer leicht
gewesen ist."