Full text : Abriss einer Geschichte der Theorie von den Produktionsfaktoren

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schwerlich  zu  seinem  Rechte  käme.  Dem  ist  aber  leider  nicht  so,
denn  er  führt  sie  nicht  konsequent  durch.  Nur  wenige  Seiten  später
können  wir  nämlich  lesen: 1 )  „Auch  arbeiten  ist  in  erster  Linie  nur
ein  technischer  Vorgang,  durch  welchen  Formveränderungen  hervorgerufen ­
  werden.“  Es  wäre  also  arbeiten  gleich  produzieren  und
Arbeit  gleich  Produktion;  kurz  darauf  geht  er  zu  den  Produktionselementen, ­
  wie  er  die  gewöhnlich  mit  „Produktionsfaktoren“  bezeichneten
Kräfte  nennt,  über,  und  wir  finden  zu  unserem  Erstaunen  unter  diesen
Produktionselementen  neben  Natur,  Kapital,  Staat  u.  a.  auch  die
Arbeit  wieder.  Es  wäre  also  Arbeit  erstens  die  Produktion  selbst  als
Ganzes  und  zweitens  ein  Produktionselement.  Mithin  ist  nicht  nur
keine  Klarheit  über  den  Begriff  des  Produzierens  geschaffen,  sondern
im  Gegenteil,  die  Verwirrung  ist  nur  noch  größer  geworden.  Es  dürfte
sich  also  auch  schon  aus  diesem  rein  äußerlichen  Grunde  empfehlen,
bei  den  alten  Bezeichnungen  zu  bleiben.
Doch  müssen  wir  auch  die  Gründe  untersuchen,  die  Brentano  zur
Ablehnung  der  alten  und  Aufstellung  seiner  neuen  Theorie  geführt
haben.  Er  sucht  nachzuweisen,  daß  nicht  alles,  was  wir  mit  Produktion
bezeichnen,  neue  Werte  schaffe,  sondern  daß  diese  bloß  Formveränderungen ­
  verursache,  und  es  erst  die  Verhältnisse,  die  Konjunkturen,
oder  wie  wir  es  sonst  nennen  wollen,  seien,  welche  diese  Formveränderungen ­
  je  nachdem  als  Wertverminderungen  oder  Wertvermehrungen ­
  erscheinen  ließen.  Er  führt  für  diese  Behauptung  mehrere
Beispiele  aus  dem  praktischen  Leben  als  Beweise  an:
1.  „Ein  Brand  in  einer  belagerten  Stadt  sei  eine  Formveränderung,
die  für  die  Angreifer  neue  Werte  schaffe,  für  die  Verteidiger  aber
solche  vernichte;  es  müßte  also  derselbe  Vorgang  produktiv  und  nicht
produktiv  sein,  was  widersinnig  sei“  2 ).  Abgesehen  davon,  daß  es  sich
hier  gar  nicht  um  wirtschaftliche  Verhältnisse  handelt,  auf  die  es  uns
doch  gerade  ankommt,  können  wir  dem  vor  allem  entgegenhalten,  daß
man  bei  der  Beurteilung  von  Vorgängen  nie  danach  gehen  darf,  ob
ein  einzelner  vielleicht  Vorteil  aus  ihnen  zieht,  sondern  daß  alles  danach ­
  beurteilt  werden  muß,  ob  die  Gesamtheit  durch  sie  einen  Wertzuwachs ­
  erhält  oder  nicht.  Sonst  könnte  man,  um  dieses  Beispiel
recht  drastisch  ad  absurdum  zu  führen,  auch  sagen:  der  Brand  einer
Fabrik  ist  unter  Umständen  produktiv  für  einen  Raucher,  der  an  den
glimmenden  Balken  sich  eine  Zigarre  anstecken  kann  und  dadurch

x )  Brentano,  a.  a.  0.  4.
2 )  Ders.,  a.  a.  0.,  S.  9.
            
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