nommen wurden — hat diese Zeit die Blüte des marxi
stischen Systems gesehen, das auf Ricardo beruht, und
vor allem die Wiedergeburt der ökonomischen Theorie
in neuer, vollkommenerer Form aus dem Schoß der
sogenannten „österreichischen Schule“ (Menger,
Böhm-Bawerk, Wieser), so daß die deutsche Lite
ratur, eben zu der Zeit, wo ihre mächtigste Strömung
die Theorie zum alten Eisen zu werfen suchte, der
Welt die Grundlagen zu einem neuen theoretischen
Gebäude gab und im Zeichen der Theorie einen
Siegeslauf durch alle Länder vollendete. Ihrerseits
aber ist diese Theorie eine Reform und ein Ausbau,
keine Vernichtung, der alten, in demselben Sinn wie
die moderne Physik eine Reform und ein Ausbau,
aber, so sehr sie sie überwunden hat, keine Vernich
tung der Physik des 17. und 18. Jahrhunderts ist.
Das Resultat war also, daß sich Theorie und
Wirtschaftsgeschichte pari passu entwickelt haben.
Gewiß an manchen Orten die eine auf Kosten der an
deren und gewiß fast überall in heftigem Streit: Aber
das ändert nicht das Geringste daran, daß es nur
ganz lokal, und auch das nur ausnahmsweise, der
einen gelang die andere zu verdrängen, und daß das
Endresultat ungefähr jenes war, das sich auch ohne
allen Kampf hätte erreichen lassen. Und das ist
nicht etwa eine bloß der Nationalökonomie eigene
Ausnahme — das war überall so. Auch die Rechts
theorie, auch die Ethik, auch die Psychologie, auch
die Soziologie im engsten Sinne des 18. Jahrhunderts
lebten fort und an sie schloß sich stille Arbeit an,
die nach und nach das Vorhandene organisch um-