Full text: Die drei Nationalökonomien

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das Gesagte natürlich für diejenigen Werturteile, die in historisch 
geoffenbarten Religionen, also im Bereiche der katholischen Religion 
in der lex divina positiva, ihre Wurzeln haben. Die „Wahrheit“ gött- 
licher Offenbarungen mit Verstandskategorien beweisen wollen, ist 
Vermessenheit. Die Dogmatik, zu deren Bereich die Erörterung der 
religiösen Wahrheiten und somit auch der religiös verankerten Werte 
gehört, ist ebenso wissenschafts-transzendent. wie die Metaphysik. 
In der meist sehr oberflächlich geführten Erörterung über „Wert- 
urteile” in der Nationalökonomie, deren Berechtigung, ich wieder- 
hole es, ich einstweilen gar nicht prüfen will, sollte nun wenig- 
stens diese Einsicht nicht länger unbeachtet bleiben: daß Werte und 
damit auch Urteile über Werte außerhalb des Bereichs des 
Erfahrungswissens und des Evidenzwissens liegen, viel- 
mehr der Sphäre philosophischer (oder religiöser) Erkennt- 
nis angehören, . 
Damit ist aber auch der Artcharakter der richtenden National- 
ökonomie bestimmt: es handelt sich bei ihr nicht um Wissenschaft, 
sondern um Metaphysik (die eigene des Autors oder eine erborgte), 
wenn nicht gar um Religion. Worauf es mir in diesem ganzen Ab- 
schnitt ankam, ist die scharfe Herausstellung dieser Eigenart der 
richtenden Nationalökonomie. Im Interesse gedanklicher Sauberkeit 
müssen wir endlich diese „untreue Vermischung“ zweier völlig von- 
einander verschiedenen Erkenninisweisen aufgeben. Was jetzt noch 
so häufig in unseren nationalökonomischen Lehrbüchern und so- 
genannten Systemen geboten wird, ist eine unerträgliche Durchein- 
andermanschung artverschiedener Dinge, ist eine unleidliche Stil- 
mischung, wie wir sie in dem Salon eines Parvenus anzutreffen ge- 
wohnt sind. 
Um wie verschiedene Dinge es sich bei Metaphysik und Wissen- 
schaft handelt, werden wir erst ganz einzusehen vermögen, wenn wir 
nun im folgenden die Denkweise der wissenschaftlichen National- 
ökonomie kennenlernen.
	        
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