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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Die Begründer
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

142 
Erstes Buch. Die Begründer. 
Wenn wirkliche Hungersnot sich auch nur noch in Rußland und 
Indien findet, so herrscht sie doch mitten unter den zivilisiertesten 
Gemeinschaften als physisches Elend, das sich am verheerendsten 
in der Tuberkulose äußert. Sie zieht eine erschreckliche Kinder 
sterblichkeit und für die erwachsene Arbeiterbevölkerung frühzeitigen 
Tod nach sich. Der Krieg fährt fort, die Menschen in Massen nieder 
zumähen. Malthüs lebte ja zur Zeit jener Kriege der Eevolution 
und des ersten Kaiserreichs, in denen von 1791—1815 in Europa 
zehn Millionen blühender, kräftiger Männer umkamen. 
Bei zivilisierten Völkern aber läßt sich das Gleichgewicht zwischen 
Bevölkerung und Lebensmittelmenge durch menschlichere Mittel her- 
stellen, indem nämlich die repressive Hemmung, die in der 
Steigerung der Sterblichkeit besteht, durch die prä 
ventive Hemmung, die in der Verringerung der Ge 
burten besteht, ersetzt wird. Dieser Ausweg steht unter allen 
nur dem Wesen offen, das mit Vernunft und Voraussicht begabt ist: 
dem Menschen. Wenn er weiß, daß seine Kinder dem Tode geweiht 
sind, kann er sich ihrer Zeugung enthalten. Man kann sogar sagen, 
daß hierin das einzige, wirklich wirksame Mittel liegt, denn das 
repressive Mittel spornt nur die Vermehrung an, wie auch der 
gemähte Rasen nur um so dichter wächst. Der Krieg liefert hierfür 
einen schlagenden Beweis. In Frankreich steht das Jahr, das dem 
entsetzlichen Kriege von 1870/71 folgte, in demographischer Hinsicht 
durch die plötzliche Aufwärtsbewegung einzig da, die die schon 
fallende Kurve seiner Geburtsziffer zeigte. 
Malthüs hat, besonders in der zweiten Ausgabe seines Buches, 
die präventiven Mittel eingehender dargestellt und dadurch die 
drohenden Aussichten, die die erste eröffnete, abgeschwächt. Es 
kommt nun darauf an, zu wissen, was er darunter versteht. In einer 
so bedeutsamen Frage, in der die Gedanken des hochwürdigen Pfarrers 
von Haileybury so eigentümlich entstellt worden sind, dürfen wir 
uns nicht scheuen, die Zitate etwas zu häufen. 
Die präventive Hemmung ist für Malthüs die moralische Ent 
haltsamkeit — moral restraint. — Was soll man hierunter ver 
stehen ? Bedeutet es die Enthaltsamkeit vom geschlechtlichen 
Verkehr in der Ehe, sobald die Zahl der Kinder genügend groß ist, 
um die Bevölkerung auf gleicher Höhe oder in gemäßigtem Wachstum 
zu halten, sobald also etwa drei Kinder erzeugt sind? Nein. Niemals 
hat Malthüs die geschlechtliche Enthaltsamkeit in der Ehe be 
fürwortet. Wir haben schon gesagt, daß er sechs Kinder (was 
wenigstens die Verdoppelung jeder Generation bedeutet) als den 
Typus einer normalen Familie bezeichnet. Und dabei stellt er diese 
Zahl keineswegs als ein Maximum hin, denn er fügt hinzu: „Vielleicht
	        

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Wissenschaftliches Arbeiten. Rauch, 1926.
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