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Lebenserinnerungen

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Bibliographic data

fullscreen: Lebenserinnerungen

Monograph

Identifikator:
1011918013
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-21195
Document type:
Monograph
Author:
Eucken, Rudolf http://d-nb.info/gnd/118682555
Title:
Lebenserinnerungen
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag von K. F. Koehler
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (V, 127 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erster Teil
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Lebenserinnerungen
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil
  • Zweiter Teil. Die Weiterentwicklung meines Lebens und Strebens
  • Schluß
  • Index

Full text

zwischen; leicht konnte man bei einiger gewandtheit selbst den 
Lauf des L) amens leiten.. v. Leutfch war der eingefleischte Philo 
loge, dem der Philologe allen anderen Menschen voranging. Leine 
Vorlesungen waren sehr gründlich, aber leider zu weitschweifig. 
Lr behandelte die Ltudenten, falls sie tüchtige Philologen waren, 
sehr liebenswürdig, und er lud öfter kleine Kreise seiner Zuhörer zum 
Llbendessen ein, was damals in göttingen etwas Besonderes war. 
Zu Lotze, der zweifellos der bedeutendste Denker jener Jahr 
zehnte war, habe ich kein näheres Verhältnis gewonnen. Leine 
Vorlesungen waren ausgezeichnet durch Wissen, Klarheit und 
Lchärfe. Über sie waren zu technisch für die meisten Zuhörer und 
sie boten mir nicht viel für die Probleme, welche mich erfüllten. 
Meine erste philosophische Vorlesung habe ich bei ihm überKeligions- 
philosophie gehört. Ls wurden in ihr die verschiedenen gedanken- 
gänge scharfsinnig entwickelt, aber ich vermiete durchgehende graste 
Linien, und es schien mir oft, als ob er dem Lcharfsinn zu viel 
zutraute. Wir waren feinen gründen nicht gewachsen, aber sie 
überzeugten uns nicht vollauf. Die Psychologie galt für sein 
Hauptkolleg, sie gab eine ausgezeichnete Einführung in die Pro 
bleme. Ich habe diesem hervorragenden Denker in smeiner Vor 
stellung sicherlich oft unrecht getan, aber ich konnte für mich nicht 
das gewinnen, was mir die Hauptsache war: eine feste Lebens 
richtung. Jene Philosophie war für mich zu sehr eine gelehrten- 
philosophie, die das ganze des gemeinsamen Lebens zu wenig be 
rührte und bewegte. Dazu kam ein eigentümliches Lrlebnis, welches 
ich beim Doktorexamen hatte. Dieses Lfamen habe ich nicht in der 
Philosophie abgelegt, sondern in der klassischen Philologie und in 
der alten geschichte. Ober ich hatte mich Lotze als einem Mitglied 
der Prüfungskommission vorzustellen. Ich berichtete ihm dabei 
über meine aristotelischen Forschungen und bat ihn um sein In 
teresse dafür. Über er erklärte die Beschäftigung mit jenem Denker 
für unfruchtbar. Lr meinte, seine Metaphysik und seine Psychologie 
enthielten ohne Zweifel graste Wahrheiten, aber die Lchriften seien 
zu schlecht überliefert, als dast man sie genügend verstehen könne; 
die Lthik des Qristoteles aber sei unbedeutend, da möchte er lieber 
einen guten französischen Vornan lesen. Das war ohne Zweifel ein 
augenblicklicher Linfall jenes Denkers, eine paradoxe, die nicht so 
ernst gemeint war, die mich aber, der ich allen Lifer und alle Hin 
gebung an diese Lache gewandt hatte, verletzte. Dast ich ihn, den 
man mit gutem Kecht den modernen Leibniz genannt hat, als einen 
führenden Denker schätze, das bedarf keines Wortes. Luch anerkenne 
ich vollauf das gute Kecht und die Bedeutung einer solchen gelehrten- 
philosophie, aber ich meine, dast die Philosophie nicht in sie auf 
gehen darf, namentlich wenn eine so zerrissene und eines festen
	        

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