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Neuzeitliche Krüppelfürsorge

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Bibliographic data

fullscreen: Neuzeitliche Krüppelfürsorge

Monograph

Identifikator:
101775134X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-30538
Document type:
Monograph
Title:
Arbeiterfürsorge im Hause Cornelius Heyl, Worms a. Rhein
Edition:
Jubiläumsausgabe zum 10. Februar 1913
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Graphische Kunstanstalten J.J. Weber
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (39 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Document type:
Monograph
Structure type:
Contents
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Neuzeitliche Krüppelfürsorge
  • Title page
  • Contents
  • Allgemeines und Geschichtliches zur Krüppelfürsorge von Univ-Prof. Dr. Weber, Münster i. Westf.
  • Die Krüppelfürsorge in der Provinz Westfalen
  • Krüppelfürsorge und Gesetzgebung
  • Über das Krüppeltum, seine Ursachen, Verhütung und Behandlung
  • Die Aufgaben und die Tätigkeit der Krüppelfürsorgestellen unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse des Industriebezirkes
    Die Aufgaben und die Tätigkeit der Krüppelfürsorgestellen unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse des Industriebezirkes
  • Vorbeugung des Krüppeltums, Überwachung des Heilverfahrens und Entlastung der Krüppelfürsorge
  • Ambulante Krüppelfürsorge als Aufgabe der Bezirksfürsorgeverbände
  • Erziehung und Berufsausbildung der jugendlichen Krüppel
  • Die Lehrlinge im Krüppelheim und die modere Berufsschule
  • Nachgehende Fürsorge und Arbeitsbeschaffung für Krüppel
  • Welche Krüppel gehören in ein Krüppelhem, welche in ein Siechenheim?
  • Psychiatrie und Krüppelfürsorge
  • Das orthopädische Schulturnen als Mittel zur Bekämpfung der Rückenschwäche und Wirbelsäulenverbiegungen
  • Die wichtigste Literatur über das Krüppelwesen

Full text

1920 die Krüppelfürsorge staatlich geregelt ist. Der Gesetzgeber ging 
von der richtigen Erkenntnis aus, daß nicht nur der Gesichtspunkt des 
allgemein menschlichen Gefühls eine durchgreifende Krüppelfürsorge 
erfordere, sondern auch die rein praktische Erwägung, daß der Staat 
heute nicht mehr die Mittel hat, Tausende und Abertausende von Er- 
werbsunfähigen und Erwerbsbeschränkten auf Kosten der Armenver- 
waltungen zu ernähren. Heute ist es eine allgemein bekannte Tatsache, 
daß unendlich viele vor dem Krüppeltum bewahrt bleiben können, 
wenn sie früh genug einer geeigneten Behandlung zugeführt werden. 
Auch das steht fest, daß viele Krüppel zu tätigen Gliedern der mensch- 
lichen Gesellschaft erzogen werden können, wenn sie in geeigneten 
Werkstätten zu einem Berufe herangebildet werden. 
Während dor orthopädisch gründlich vorgebildete Arzt in geeig- 
neten Krüppelheimen und Kliniken seine ganze Kraft daransetzt, das 
Krüppelleiden zu beheben oder wenigstens zu lindern, ist es die wich- 
tige Aufgabe des Krüppelpädagogen und des Seelsorgers, die vielfach 
nicht nur körperlich, sondern auch seelisch Kranken mit rechtem Ver- 
[tändnis zu erziehen und auszubilden. 
. Veiieviel auf diesem Gebiete in früheren Jahren versäumt worden 
ist, zeigt die Tatsache, daß es nach einer vor dem Kriege aufgestellten 
Statistik in Deutschland rund 7000 völlig g e i sti g normale Kinder 
Jab, die infolge ihres Krüppelleidens keinen Schulunterricht genossen 
haben. Heute wird die Zahl entsprechend der erheblichen Zunahme 
des Krüppeltums in Deutschland noch wesentlich größer sein. 
. Es ist ein vielverbreiteter Irrtum, daß mit der körperlichen Ver- 
krüppelung auch gleichzeitig beschränkte Bildungsfähigkeit der Krüppel 
verbunden sei. Die Statistik sagt, daß 88 Prozent aller Krüppel als 
9eistig gesund, 10 Prozent sogar als hoch intelligent anzusehen sei, nur 
êtwa 5 Prozent werden als direkt geistig anormal bezeichnet. Zahl- 
leiche führende Persönlichkeiten sind aus der Zahl der Krüppel her- 
vorgegangen, so waren der Fabeldichter Aesop, der Philosoph Men- 
eelssohn, der Revolutionär Marat, der Maler Adolf Menzel u. a. m. 
rüppel. 
Umgekehrt ist durch die vielfach verabsäumte Erziehung der 
rüppel viel Unheil hervorgerufen worden. Der sich selbst und seiner 
Not überlassene Krüppel kommt nur zu leicht zur inneren Versschlossen- 
heit, Verbitterung und zum Hang nach psychopathischem Wesen. Er 
trägt das Gefühl seines Gebrechens und seiner Benachteiligung vor den 
Gesunden immer mit sich herum und empfindet dieses als eine bittere 
Ungerechtigkeit. Was Wunder, daß infolgedessen manche Krüppel einen 
[arten Hang zum Anormalen, ja selbst zur Kriminalität zeigen. Wer 
sich ein wenig mit der Geschichte des Verbrechertums befaßt, ist er- 
ltaunt, wie hoch hier prozentual die Krüppel vertreten sind. Schon diese 
Q"
	        

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Neuzeitliche Krüppelfürsorge. Aschendorff, 1926.
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