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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Die Begründer
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

44 
Erstes Buch. Die Begründer. 
Klassen, so daß wir zu dem bemerkenswerten Schlüsse kommen, daß 
die ganze Steuer von den Grundbesitzern gezahlt werden muß. Einige 
Seiten vorher hat uns das Privilegium, das die Physiokraten ihnen 
ohne weiteres zusprachen, etwas befremdet: dies ist das Lösegeld, 
und es ist nicht gering! Wie und nach welchem Satze soll nun der 
Betrag festgelegt werden? 
Die Physiokraten kommen zu einem Steuersatz von einem Drittel 
(nach Baudeatt sogar nur von 8 / 20 ) des Reinertrages. Setzt man für 
dieses die Ziffer von 2 Milliarden an, die die Erklärung zum Tableau 
Economique berechnet, so kommt man genau auf 600 Millionen Francs 
für die Grundsteuer — und das wird das ganze Budget sein, da es 
keine anderen Steuern geben soll 1 ). 
Die Physiokraten wollen keineswegs die Grundbesitzer ihres Ein 
kommens berauben, da, wie wir gesehen haben, sie sich große Mühe 
gaben, es mit vielen Gründen zu rechtfertigen. Nicht nur wollen sie 
ihnen alles das lassen, was für die Rückzahlung ihrer Grundvor 
schüsse und ihrer Unterhaltungkosten notwendig ist, sondern auch 
alles das, was gebraucht wird, um den Stand des Besitzers „möglichst 
zu heben“ 2 ). Diese Sorge, die uns ganz eigentümlich erscheint, wird 
den Physiokraten von dem Gefühl der Bedeutung der sozialen Rolle 
der besitzenden Klasse diktiert. „Wenn irgendein anderer Stand“, 
sagt Dupont de Nemours, „dem der Grundbesitzer vorzuziehen wäre, 
würden sich alle Menschen diesem anderen Stande zuwenden. Sie 
würden es unterlassen, ihre beweglichen Güter zur Schaffung, Ver 
besserung und Unterhaltung von Landgütern zu verwenden.“ Die 
Physiokraten erweisen also den Grundbesitzern gleichsam eine Ehre, 
indem sie sie so hoch besteuern. 
Man versteht, daß die damaligen Grundeigentümer, die als Adlige 
meistenteils von allen Lasten befreit waren, diese Steuer etwas hoch 
gefunden haben und den Eindruck hatten, daß die Physiokraten sie 
den hohen Rang, den sie ihnen zuwiesen, ziemlich hoch bezahlen 
ließen. Auch unsere heutigen Grundbesitzer würden, das ist klar, 
bei einer Steuertaxe von 30 °/ 0 auf das Bruttoeinkommen nicht schlecht 
schreien. Die Physiokraten antworten im Voraus auf diese Klagen 
mit einer heute banal gewordenen Beweisführung, die aber bei ihnen 
eine ganz außerordentlich scharfe ökonomische Intelligenz anzeigt: 
0 Das französische Budget, das Necker 1781 präsentierte, war fast das gleiche, 
wie das der physiokratischen Hypothese: 610 Millionen. Allerdings kamen dazu die 
kirchlichen Zehnten, die Abgaben an die Grundherren und die Dienstleistungen aller 
Art, die unter dem physiokratischen System verschwinden sollten, 
2 ) „Das Verhältnis der Steuern zum Reinertrag muß so sein, daß die Lage der 
Grundbesitzer die bestmögliche ist, und daß ihr Stand jedem anderen in der Gesell' 
Schaft vorgezogen wird“ (Dupont, S. 356). 
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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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