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Die russische Weltanschauung

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Bibliographic data

fullscreen: Die russische Weltanschauung

Monograph

Identifikator:
1691740837
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-101476
Document type:
Monograph
Author:
Frank, Semen L. http://d-nb.info/gnd/118692739
Title:
Die russische Weltanschauung
Place of publication:
Charlottenburg
Publisher:
Pan-Verl. Heise
Year of publication:
1926
Scope:
41 S.
Digitisation:
2020
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
IV.
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die russische Weltanschauung
  • Title page
  • I.
  • II.
  • III.
  • IV.
  • V.

Full text

erst als Äußerung und Erscheinungsform des Absoluten, der absoluten 
Wahrheit und des absoluten Heils. Darin besteht der prinzipielle 
Radikalismus des russischen Geistes, wovon der politische Radikalis- 
mus oder Maximalismus nur eine Verzerrung und Entstellung ist, 
verursacht dadurch, daß der Geist von seiner wahren, nämlich reli- 
giösen Wurzel schon losgerissen ist. Andererseits ist der bekannte 
russische Nihilismus, der nicht nur eine einzelne historisch bedingte 
Form der russischen Weltanschauung ist, sondern einen dauernden 
Krankheitszustand des russischen Geisteslebens bildet, nichts anderes, 
als die Kehrseite, der negative Pol eben dieses geistigen Radikalismus. 
Der russische Geist kennt eben keine Mittelposition; entweder alles 
oder nichts — ist seine Parole. Entweder besitzt der Russe wahre 
„Gottesfurcht“, wirkliche religiöse Verklärtheit, und dann offenbart 
er bisweilen Züge einer bewunderungswürdigen Tiefe, Reinheit und 
Heiligkeit, oder er ist ein reiner Nihilist, verkennt alles, glaubt an 
nichts mehr, hält alles für erlaubt und ist dann oft zu entsetzlichsten 
Untaten und Abscheulichkeiten bereit. Es fällt ihm gar nicht ein, daß 
man sich durch autonome Moral-, Rechts- und Staatspflichten ge- 
bunden fühlen kann, ohne darnach zu fragen, worauf im letzten Sinne 
ihre Gültigkeit beruht. In einer charakteristischen Anekdote, die der 
Kenner der russischen Seele, Dostojewski, erzählt, fragt ein russischer 
Offizier, der atheistischen Reden zugehört hat, in einem Zustande von 
tiefstem, inneren Zweifel: „Wenn es aber keinen Gott gibt, wie kann 
ich denn dann noch ein Major sein?“ Derselbe Dostojewski führt aus 
dem russischen Volksleben Beispiele von rasender Gotteslästerung an, 
die fast unglaublich klingen und die doch bei der neuesten Kirchen- 
verfolgung und Kirchenhetze durch die Bolschewisten nicht nur voll- 
ständig bestätigt, sondern vielleicht noch übertrumpft worden sind. 
Der ganze Kommunismus ist seinem innersten Wesen nach eigentlich, 
wie schon gesagt, nichts anderes als Nihilistmus, Verneinung aller 
geistigen Werte des Lebens: von der Verneinung der Religion, aller 
geistigen Kultur, aller Menschenrechte an, bis zur Verneinung der 
freien Persönlichkeit, sogar in ihrer elementarsten Form, nämlich als 
Subjekt der Wirtschaftstätigkeit, ist er von einem Geiste durchdrungen 
— eben von dem Geiste der radikalsten und allumfassendsten Ver- 
neinung. 
Aber der typische russische Nihilismus ist doch nur einseitig charak- 
terisiert, wenn ıan ihn nur als Verneinung und Unglauben be- 
stimmt. Das erkennt man schon daraus, daß es Formen des Un- 
glaubens gibt, wie z.B. der Positivismus, der Skeptizismus oder 
Agnostizismus, — die dem russischen Geiste doch ganz fremd sind. 
Der russische Nihilismus ist eben gar nicht einfacher Unglaube im 
Sinne des religiösen Zweifelns oder des Indifferentismus, sondern 
er ist, wenn man so sagen darf, der Glaube an den Unglauben, die 
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Die Russische Weltanschauung. Pan-Verl. Heise, 1926.
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