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Einführung in die Kriegswirtschaftslehre

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Bibliographic data

Full text: Einführung in die Kriegswirtschaftslehre

Monograph

Identifikator:
1727871073
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-105553
Document type:
Monograph
Author:
Bucharin, Nikolaj Ivanovič http://d-nb.info/gnd/118516574
Title:
Die politische Ökonomie des Rentners
Place of publication:
Wien
Publisher:
Verl. für Literatur und Politik
Year of publication:
1926
Scope:
[2] Bl., 194 S.
Digitisation:
2020
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Einführung in die Kriegswirtschaftslehre
  • I. Die Kriegswirtschaftslehre als Sonderdisziplin
  • II. Verschiedenartigkeit der Kriegswirkung
  • III. Das Problem der Reserven
  • IV. Arten der kriegswirtschaftlichen Bedarfsdeckung
  • V. Aufgaben und Wesen des Geldes
  • VI. Beschaffung von Zeichengeld
  • Beschaffung von Weltgeld
  • VIII. Organisation der unmittelbaren Realienbeschaffung
  • IX. Sicherung des Realienbedarfes für den Kriegsfall
  • X. Rückwirkungen des Krieges und der Rüstungen auf Geld und Kredit
  • IX. [i. e. XI.] Rückwirkungen des Krieges und der Rüstungen auf Produktion und Handel
  • XII. Der Kriegserfolg
  • Schlußbemerkungen

Full text

2 
Die Wirkungen der Geldvermehrung auf die 
Kaufkraft sind übrigens nicht an das Zeichengeld 
gebunden, sie können auch bei vollwertigem Geld 
auftreten. Es wäre durchaus denkbar, daß z. B. 
die Goldausbeute derart zunimmt, daß in Oester 
reich-Ungarn durch die vermehrten Prägungen 
von Zehn- und Zwanzig-Kronenstücken die Kauf 
kraft des Geldes abnimmt. Wir besitzen in dieser 
Beziehung bereits wichtige Erfahrungen. In den 
Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts wurde in 
Oesterreich jedem, der Silber in die Münze 
brachte, dasselbe ausgeprägt, das heißt, er erhielt 
für eine bestimmte Menge Silber eine bestimmte 
Anzahl Silbergulden, so wie man heute für ein Kilo 
gramm Gold in der Münze 3274 K in Goldmünzen 
österreichischer oder ungarischer Prägung erhält. 
Als nun Ende der Siebzigerjahre in London der 
Silbermarkt mit Silber überflutet wurde, sank 
plötzlich der Silberpreis, u. zw. so tief, daß es 
sich rentierte, in London mit österreichischem 
Geld Silber zu kaufen und es in Wien ausprägen 
zu lassen. Man erhielt für 100 Gulden mehr 
Silber in London, als in 100 österreichischen 
Gulden Silber enthalten war. Wie erklärt sich diese 
Erscheinung? Sie ist nur dann verständlich, wenn 
man sich vor Augen hält, daß die Kaufkraft eines 
Geldstückes nicht an seinen Metallgehalt ge 
bunden ist, sie kann ebenso groß sein, wie die 
Kaufkraft des Stückes Metall, das in der Münze 
enthalten ist, sie kann aber auch weit größer 
sein. 
Ich betone nachdrücklich, daß diese An 
schauung von der Unabhängigkeit der Kaufkraft 
auch des frei ausprägbaren Geldes von seinem 
Metallgehalt nicht etwa rein theoretischen Unter 
suchungen ihren Ursprung verdankt, sondern 
Ende der siebziger Jahre empirisch beobachtet 
wurde. Die Kaufkraft des Silberguldens in Oester 
reich-Ungarn war mit dem gesamten Preisniveau 
verknüpft, mit der Eigenschaft als Zahlungsmittel 
zu dienen, insbesondere also auch als Schulden 
tilgungsmittel. Silbergulden waren daher gesucht, 
während man mit ungeprägtem Silber in Oester 
reich-Ungarn bei Zahlungen nichts anfangen 
konnte. 
Eine Zeit lang wurde denn auch das oben 
geschilderte Geschäft gemacht, man kaufte für 
Gulden Silber und prägte es aus. Im allgemeinen 
geschah dies wohl auf dem Umwege, daß man 
in Wien englische Devisen kaufte und für diese 
dann Silber aus London bezog. Dies dauerte aber 
nicht lange, da der Staat die freie Ausprägung 
sistierte, d. h. für rohes Silber wurde kein be 
stimmter Preis mehr seitens der Münzstätte be 
zahlt. Warum tat das der Staat? Weshalb ließ 
er nicht die Silberimporteure weiter verdienen, 
zumal er selbst Prägegebühren erhielt? Der Grund 
ist u. a. darin zu suchen, daß die Aufrechterhal 
tung der freien Prägung zu einer Senkung der 
Kaufkraft des Guldens führen mußte. Vor der 
großen Silberausbeute hatte der Silbergulden, 
welcher als internationales Zahlungsmittel, wie 
heute das Gold, Verwendung finden konnte, 
häufig ein Agio gegenüber dem Papiergulden. Als 
nun die starken Silberausprägungen einsetzten, ver 
schwand dies Agio, da ja die Kanfkraft des 
Silberguldens größer war als die Kaufkraft des 
in ihm enthaltenen Rohsilbers. Silbergulden und 
Papiergulden standen nun al pari. Zu einem Dis 
agio der Silberguldens, das von Bedeutung hätte 
sein können, konnte es aber nicht kommen, da 
nicht einzusehen wäre, warum man silbernes 
Zeichengeld niedriger einschätzen sollte als pa 
pierenes Zeichengeld. Aber es blieb noch immer 
die Möglchkeit übrig, daß die Kaufkraft beider 
Geldsorten gegenüber ausländischem Gelde und 
gegenüber den inländischen Waren sinken 
konnte. Der gesamten Warenmenge standen von 
Tag zu Tag größere Geldmengen gegenüber, die 
durch die freie Ausprägung immer weiter ver 
mehrt wurden. Freilich, ins Unendliche hätte 
dieser Prozeß nicht angedauert. Schließlich wäre 
die Kaufkraft des österreichischen Geldes so tief 
gesunken, daß die Kaufkraft des in einem Silber 
gulden enthaltenen Rohsilbers mit der des Gul 
dens zusammengefallen wäre. Gleichzeitig mit der 
Kaufkraftsenkung des Silberguldens in Oester 
reich-Ungarn wäre eine Erhöhung des Silber 
preises in London infolge der Ankäufe erfolgt, so 
daß beide Bewegungen einander entgegenge 
kommen wären. 
Dre Staat hätte durch die Aufrechterhaltung 
der freien Silberausprägung eine Verschiebung 
der Einkommensverhältnisse zugelassen, die 
Schuldner hätten gewonnen, die Gläubiger ver 
loren. An sich könnte ja eine solche Veränderung 
einmal im Interesse des Staates gelegen sein, 
aber nur selten wird ein Staat so schwerwie 
gende Veränderungen von äußerlichen Einflüssen 
abhängig machen wollen, wie es in diesem Falle 
die Ereignisse auf dem Londoner Silbermarkt ge 
wesen wären. Es hätte übrigens bei den ange 
deuteten Umwälzungen nicht sein Bewenden ge 
habt. Durch die Bemühungen englische Devisen 
in Wien zu kaufen, um dafür in London Silber 
zu erhalten, trieben die Silberimporteure die eng 
lischen Devisenpreise in die Höhe, was allen 
jenen schadete, die aus England Maschinen 
oder Rohstoffe beziehen und sich nun eng 
lisches Geld beschaffen mußten, um diese Im 
porte zu bezahlen. Englisches Geld erhielten sie 
aber durch Ankauf englischer Devisen, deren 
Preis durch die Silberausprägung in die Höhe 
ging. Dadurch würden anderseits aber wieder die 
Exporteure gewinnen, sowie alle jene, welche im 
Inlande jene Waren erzeugten, die man sonst aus 
England zu importieren pflegte. Jede Erhöhung 
der englischen Devisenpreise wirkte ähnlich wie 
ein Schutzzoll. 
Wir sehen aus diesem Beispiel, welche Folgen 
kriegswirtschaftliche Maßnahmen nach sich ziehen, 
die auf eine Vermehrung der Geldmenge hinaus 
laufen. Ich konnte aus dieser Fülle von Neben 
wirkungen nur einige wenige exemplifikativ 
herausgreifen.
	        

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Einführung in Die Kriegswirtschaftslehre. [Seidel], 1914.
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