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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

Full text: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Monograph

Identifikator:
1745929134
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-119446
Document type:
Monograph
Title:
Die Krankenversicherung
Place of publication:
Genf
Publisher:
Internationales Arbeitsamt
Year of publication:
1926
Scope:
85 Seiten
Digitisation:
2021
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Abschnitt IV / Die Versicherungsträger
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

594 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. (1052 
Zersplitterung und die großen Kriege, hauptsächlich den 80 jährigen, zurück. Die Be— 
völkerung war 1650 in vielen Teilen auf die Hälfte oder noch weniger reduziert. Der 
Viehstand, die Wollproduktion war vollends durch den großen Krieg ruiniert; vieler 
Orts nur noch Schubtarrenverkehr, Spaten- statt Pflugkultur, das ländliche Schul— 
wesen fast verschwunden, das Kapital vernichtet, der Zinsfuß 10—80/0, während er 
in Holland auf 3—560/0 stand. Viele Tausende von Privaten, die meisten Kleinstaaten 
und Gemeinden waren bankerott, erbettelten und erhielten lange Moratorien. Hundert— 
thausende von Häusern in Stadt und Land waren niedergebrannt, die Bodenpreise auf 
/4 gesunken. Brauerei, Weinbau, Papiermacherei und Buchdruck, Woll- und Leinen— 
gewerbe waren teils verschwunden, teils reduziert. Taufsende vagabundierten; die Genuß— 
sucht hatte zu-, die Arbeitsamkeit abgenommen. In weitesten Kreisen galten Servilität, 
List, Betrug und Gewalt als die besten Mittel wirtschaftlichen Fortkommens; aber die 
schlichte Frömmigkeit und die mehr spießbürgerlichen privaten Tugenden hatten sich doch 
in der Masse des Volkes, im Beamtentum, in den bessern Fürstenhäufern erhalten. 
Das Wesentliche in wirtschaftlicher Beziehung war das breite Zurücksinken auf den 
Standpunkt der Naturalwirtschaft. Es wurde befördert durch die politische Thatsache, 
daß Deutschland in einige Hundert jetzt vollends ganz selbständiger Kleinstaaten zerfiel; 
die kleinsten waren Dörfer und Rittergüter, Kleinstädte und Abteien; auch die Graf— 
schaften und Fürstentümer waren meist nur 300 -8000 qkm groß; nur 10- 18 größere 
Territorien bestanden, die, wie wir oben schon sahen, die Träger des wirtschaftlichen 
Fortichritts in Deutschland wurden; doch waren auch von ihnen mehrere nicht gehörig 
geographisch abgerundet, lagen zerstreut im Gemenge mit anderen Gebieten, waren auch 
im 80 jährigen Kriege zurückgegangen. Und fast noch mehr als im 16. Jahrhundert 
hdielt man im Elend von 1680—1700 an den alten Stapelrechten, Lokalzöllen, länd⸗ 
lichen Feudaleinrichtungen fest, war es schwer, zu Wirtschaftsreformen zu gelangen. 
Gegen die neuen, besser eingerichteten Nachbarstaaten stand Deutschland nach allen 
Seiten offen; sie drangen Land abreißend, Kredit gebend, wirtschaftliche Abhängigkeit 
exzeugend von überall her vor; Holland beherrschte den Niederrhein, Frankreich den 
Oberrhein; seine Waren und seine Mode fingen 1660—1700 an, Deutschland zu über— 
ichwemmen; mit Subsidien und Pensionen erkaufte es alle Höfe (mit 300 Mill. Fr. 
von Richelieu bis Ludwig XIV., mit 187 Mill. 1750- 1772). Schweden hatte die 
Weser- und Odermündung, die meisten Ostseezölle in der Hand, hatte 1600 1768 
aus der Ostsee fast ein schwedisches Binnenwasser gemacht; Dänemark drohte Hamburg 
zu annektieren und nahm den Hansen ein gut Teil ihrer Handlung; Polen bestand 
noch in alter Größe; seine Rohproduktenaussuhr, seine Kolonialwaren-⸗, Wein-, Salz-, 
Manufakteneinfuhr war die Hauptstütze des ost- und norddeutschen Handels; die Weichsel 
mit Danzig war ein polnischer Strom geworden; Ostpreußen war ein polnisches Lehen. — 
Wir können hier nur das Emporkommen Preußens als merkantilistisches Gegenstück 
zur mittelalterlichen Kleinstaaterei des übrigen Deutschlands betrachten. 
Die Kur- und Neumark Brandenburg (86 680 qkm) hatte durch die Er— 
werbung (1609) Cleve-Mark-Ravensbergssam Niederrhein (6449 qkm) und durch 
die Ostpreußens (1618, 86 098 qkm) eine große politische Bedeutung, durch die Erwerbung 
ßinterpommerns, Magdeburgs, Halberstadts und Mundens (1648 bis 
1680) einen sesten wirtschaftlichen zusammenhängenden Kern selbständiger Staatsexistenz 
Jewonnen (1688 1089 730, die inneren zusammenhängenden Lande 70 800 qkw). Unter 
Friedrich dem Großen erreichte der Staat 185 650 qkm mit 51,2 Mill. Seelen. Er 
blieb bis 1806 ein zusammengesetzter Territorialstaat, dessen Außenteile jahrzehntelang 
mehr nach dem nichtpreußischen Ausland, nach den bisherigen Handelsverbindungen 
hin gravitierten; jedes der vande behielt bis 1806 einen Teil seiner Wirtschafts-, Zoll⸗, 
Steuer- und politischen Verfafsung; nur die mittleren Gebiete suchte eine energische 
Wirtschaftspolitik 1660— 1740 mehr und mehr zu einem einheitlichen Gewerbe⸗ und 
Handelssystem zu vereinigen, dem Schlesien nicht 1740 aber von 1758 -1765 auch 
überwiegend angegliedert wurde. Die Grenzen blieben unregelmäßig, die Beherrschung 
der Ströme und Handelswege war bedeutsanm. abher blieb dach im anzen ungenügend.
	        

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Verkehr, Handel Und Geldwesen. Wert Und Preis. Kapital Und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung. Duncker & Humblot, 1904.
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