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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
1847185045
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-241659
Document type:
Monograph
Title:
Die deutsche Kali-Industrie 1930
Edition:
(Als Ms. gedr.)
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Hoppenstedt
Year of publication:
(1930)
Scope:
94 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
[ II. Die drei großen Gruppen der deutschen Kali-Industrie ]
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

250 Zweiter Teil. Landet. XI. Geldwesen und Kapitalismus. 
die deutsche Geschäftswelt ergriff und nun erst recht eigentlich mit dem echten und 
unverfälschten kapitalistischen Geiste nicht vorübergehend, sondern für alle künftige Zeit 
erfüllte. Zn diese politisch ruhigen Jahre fällt die Geburtsstunde des neuen Deutschlands. 
Was der Zeit nach 1851 den Stempel ausdrüÄ und ihr einen schon völlig 
modernen Charakter im Vergleich zu der Lausseperiode im Anfang- des Jahrhunderts 
verleiht, ist der Amstand, daß sich die Spekulationswut — die Gewinnsucht — ein 
neues Feld der Betätigung sucht: die Gründung gewinnversprechender Anternehmungen. 
Damit wird recht eigentlich erst das kapitalistische Interesse gefördert. Denn ein großer 
Teil wenigstens der in den spekulativen Zeiten ins Leben gerufenen Gründungen besteht 
ja dauernd weiter als Organisationen kapitalistischen Wesens, dem sie damit zur Aus 
breitung verhelfen. 
Eine rechte „Gründerzeit" sind also die 1850er Jahre. Gegründet werden 
vor allem Bankinstitute, dann aber auch industrielle Etablissements, Bergwerke und 
— nicht zuletzt! — Eisenbahnunternehmungen. Dabei kam eine neue Form der Kapital 
beschaffung zu allgemeiner Anerkenntnis: die Aktiengesellschaft und ihr verwandte 
Gebilde. Das Prinzip der Aktiengesellschaft beruht, wie jedermann weiß, auf der 
Zusammenfügung kleinerer Geldbeträge zu größerem Vermögen in der Weise, daß die 
Besitzer der einzelnen Anteile lediglich in der Löhe ihres eingeschossenen Betrages an 
der Anternehmung beteiligt, also auch für etwaige Verpflichtungen haftbar sind. Die 
Aktiengesellschaften sind nun recht eigentlich das Mittel, kapitalistisches Wesen allgemein 
zu machen. Sie bedeuten eine Demokratisierung und endgültige Stabilisierung des 
Kapitalismus, nicht etwa, wie man irrtümlich annimmt, dessen Überwindung. Denn 
mit Lilfe des Aktienanteils, den im Notfall auch der mäßig wohlhabende Mann 
erwerben kann, ziehe ich die breiten Massen in das Getriebe der kapitalistischen 
Wirtschaft hinein, fessele sie an das Interesse kapitalistischer Organisation, verbreite vor 
allem jene Grundstimmung, die ich als kapitalistischen Geist bezeichne, über die Zeiten 
der Ekstase hinaus dauernd in alle Poren des Volkskörpers. 
Die spekulative Periode der 1850 er Jahre führte aber noch eine andere Neuerung 
als dauernde Institution in das deutsche Wirtschaftsleben ein, deren Existenz für die 
Entfaltung kapitalistischen Wesens ebenfalls von entscheidender Bedeutung geworden 
ist: das ist die Kombinierung bankähnlicher und industrieller Anter- 
nehmungen, anders ausgedrückt: die Finanzierung von Produktions- oder Verkehrs- 
unternchmungen durch Bankinstitute. Am was es sich dabei handelt, ist dieses: es 
werden bestimmte Anternehmungen in Form von Aktiengesellschaften ins Leben gerufen, 
deren Zweck es ist, lediglich die Mittel zusammenzubringen zur Begründung oder 
Anterstützung anderer schon bestehender oder selbst erst zu schaffender gewinnbringender 
Anternehmungen irgendwelcher Art. Es liegt darin also, wie man es zutreffend 
genannt hat, eine Spekulation auf die Spekulation. Derartige Institute bedeuten eine 
ungeheure Steigerung der kapitalistischen Energie. Denn da sie von der unausgesetzten 
Neubelebung irgendwelcher produktiven Tätigkeit ihr eigenes Dasein fristen, so liegt 
es in ihren: Wesen begründet, daß sie stets tteiben, stimulieren, drängen. Sie sind 
gleichsan: eine Gründungsmaschinerie, eine permanente Einrichtung zur Anstachelung 
des Anternchmungsgeistes. Es ist daher auch begreiflich, wenn sie ihre erste und 
bedeutsamste Entwicklung in dem spekrrlativen Volke pur excellence, bei den Franzosen, 
gefunden haben. Jenes Riesenunternehmen, dessen Gründung Zola in seinem Romane 
L'^r^ent als das Werk Saccards schildert, ist der Credit mobilier, der 1852 ins 
Leben trat und vorbildlich für alle späteren Geschäfte mit ähnlichen Tendenzen wurde. 
Zn Deutschland war dasjenige Institut, das zuerst seiner ganzen Anlage nach 
dem Credit mobilier am nächsten kam, die 1853 gegründete Bank für Landel und 
Industrie zu Darnistadt, die noch heute mit den: Sitz in Berlin und einem Kapital 
von 105 Millionen Mark als mächtige Zentrale kapitalistischen Anternehmertums
	        
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Die Frau Und Die Arbeit. Eugen Diederichs, 1914.
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