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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Multivolume work

Identifikator:
1847028748
Document type:
Multivolume work
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1896-
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Volume

Identifikator:
1886437130
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-233012
Document type:
Volume
Author:
Hesse, Albert http://d-nb.info/gnd/13348551X
Title:
Volkswirtschaftspolitik
Volume count:
2.1902
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1902
Scope:
XVI, 544 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Abschnitt I. Die Land- und Forstwirtschaft
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

150 Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft. 
existiert, das erst aus den äußeren Kundgebungen auf dem Wege der Überlegung er- 
kannt, nämlich aus ihnen „erschlossen“ würde. In psychologischer Hinsicht ist die 
legtere Vorstellung jedenfalls unhaltbar. Freude, Güte oder Würde kann man eben- 
sogut sehen, wie man Glätte oder Größe eines Marmorsteines sehen kann: man 
sieht in der ursprünglichen komplexen Auffassungsweise den freudigen Menschen als 
ein Ganzes, ebenso wie man einen Marmorstein als ein Ganzes sieht; und man er- 
faßt an ihm die Freude ebenso wie am Marmor die Glätte (Näheres $ 14,,). 
Insbesondere verdanken wir dem Mechanismus der Ausdruckstätig- 
keit im täglichen Leben die fortgesegßte Anpassung!) aller an die ge- 
zebenen Verhältnisse und damit die Erhaltung des sozialen Gleich- 
gewichts. Einem sicher und selbstbewußt auftretenden Menschen be- 
zegnet man ganz anders als einem solchen, der die Symptome der 
Schwäche und Unsicherheit zeigt. Ebenso begegnet man einem Menschen, 
der ein hinterhältiges Wesen verrät, mit Vorsicht und Zurückhaltung, 
während freundliche Bestimmtheit im Auftreten meist Entgegenkommen 
findet. Streitbare Stimme und Miene endlich reizen zur Opposition. Und 
so überall: die ganze Ausdruckshaltung des Menschen bildet einen Reiz, 
auf den ohne alle Absicht, ganz unwillkürlich in einer bestimmten Weise 
von seiner Umgebung reagiert wird. Man merkt es dem Menschen unter 
Umständen in jedem Augenblick an, wie ihm zumute ist, was man ihm 
bieten darf, und was man von ihm zu erwarten hat, und richtet sich da- 
nach. Anderseits liest jeder in den Mienen und der Haltung seiner Mit- 
menschen und hört aus dem Ton ihrer Äußerungen heraus, wie er und 
sein Verhalten bewertet werden und ob er die Grenzen des Zulässigen 
überschritten hat oder nicht. Jeder vergewissert sich so unbewußt, ob 
er für sein Auftreten Resonanz findet oder nicht. Kurz, das Gleich- 
gewicht in jeder Gesellschaft beruht zum großen Teile auf der fort- 
zesegten Fühlungnahme vermöge dieses Zusammenhanges von Ausdruck 
und Reaktion. Bei der Bedeutung, die jeder vermöge seines Selbst- 
zefühls seiner Beurteilung durch seine Mitmenschen beimißt, ist dieser 
Kontakt das wirksamste Disziplinarmittel, das sich denken läßt. Wieviel 
ungünstiger ist in dieser Beziehung der Blinde oder Taube gestellt, der 
auf einen Teil dieses Kontaktes verzichten muß und so viel isolierter 
dasteht: die Absonderlichkeiten und Mängel, die sich so leicht bei beiden 
einstellen, haben zum Teil hierin ihre Quelle. Spezifisch ungünstig ist 
darin aber auch eine Gesellschaft wie die moderne gestellt, in der die 
1) Das Wort Anpassung wird hier ausnahmsweise auf Vorgänge von gesell- 
schaftlichem Charakter angewendet. Der Leser möge dadurch nicht irre werden: im 
allgemeinen wird von uns Anpassung im Sinne von Nüßglichkeit oder Zweckmäßigkeit 
für den Verkehr des Menschen mit der äußeren Natur und damit als ein Gegensat 
zu dem Verkehr des Menschen mit seinen Genossen, d.h. zu den gesellschaftlichen 
Beziehungen des Menschen gebraucht.
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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