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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

579) Die Beseitigung der alten Taxen. Neue Anläufe zu solchen. 121 
Eingreifen, wie im Tarifwesen der Verkehrsanstalten, immer unentbehrlicher. Auch die 
Kartellpreise werden in Zukunft privater Gewinnsucht so wenig überlassen werden kbnnen 
wie einst die Preise der Zünfte. 
Schon in den „festen Preisen“, die jedes große Verkaufsgeschäft heute hat, liegt 
der Verzicht auf die subjektive Möglichkeit, einem Käufer mehr abzunehmen als dem 
anderen, liegt die Tendenz, große Umfsätze zu einem Durchschnittswert möglichst glatt, 
ohne Feilschen zu erzielen; jedermann sieht darin ein reelles, anständiges Vorgehen. 
Je größer die Geschäfte werden, desto unmöglicher ist es, in ihnen jedem untergeordneten 
Verkäufer ein Aufschlagen und Ablassen im Preise zu gestalten, desto mehr kommen 
feste Verkaufsbedingungen und Preise zur Herrschaft. Vollends wo Staat und Gemeinde 
verkaufen, folgen sie meist dieser Regel, und mischen sich in ihre Preisfestsetzungen all⸗ 
gemeine volkswirtschaftliche und humane Rücksichten, teilweise freilich auch Steuer⸗ 
rücksichten und einseitiger Fiskalismus. Das Holz aus den Staatsforsten hat man 
vielfach zu festen Preisen abgegeben, daneben freilich auch an den Meistbietenden ver— 
kauft. Kommunale Gasanstalten und Wasserwerke liefern zu festen, als billig ver— 
teidigten, in Ortsvertretungen erörterten Preisen. 
Aber über die einzelnen Geschäfte und öffentlichen Betriebe hinaus hat das 
praktische Bedürfnis nach festen durchschnittlichen Preisen zu Festsetzungen für ganze 
Industrien geführt. Ein Beispiel ist die bekannte Preisferie für das Pariser Bau— 
gewerbe. Zunächst wünschte man für die Submission von Staats- und Gemeinde— 
bauten und die Prüfung der Gebote einen festen sachverständigen Anhalt. Morel, ein 
Beamter des Ministeriüms der öffentlichen Arbeiten, machte eine solche Zusammen— 
stellung, eine Preisliste, und revidierte sie von 1840 an jährlich. Die Seérie Morel“ 
erwarb sich solches Ansehen, daß sie zuletzt für fast alle privaten und öffentlichen 
Bauten vom Publikum, den Unternehmern und Arbeitern ohne weiteres benützt, von 
den Richtern ihren Entscheidungen zu Grunde gelegt wurde. Nach dem Tode Morels 
hat der Seinepräfekt fie jährlich neu bearbeiten und prüfen lassen; seit 1872 wurden 
Vertreter der Unternehmer, der Architekten, der Ingenieure und der Arbeiter dabei zu— 
gezogen. Das ganze große Pariser Baugeschäft mit seinen 80000 Arbeitern wirt— 
schaftete jahrzehntelang unter dieser Preisserie, ähnlich wie die Fleischer und Bäcker 
einst unter ihrer Taxe, Erst in den achtziger Jahren führten die von den Arbeitern 
in der Serie durchgesetzten Lohnerhöhungen zur Weigerung vieler Unternehmer, die 
Serie anzuerkennen und zu langen Streitigkeiten. Sie endigten endlich Juli 1899 mit 
Regierungsdekreten, wonach für öffentliche Bauten die Unternehmer verpflichtet werden, 
normale gleichmäßige Löhne zu zahlen. Auch die Art, wie bis heute im kleinen 
Müllergeschaft die Mahlmete (— i des Mehls) als Mahllohn stehen geblieben ist, 
wie im deuischen Buchhandel die Sitte des Rabattgebens von seiten der Verleger 
an die Sortimenter, von seiten dieser an die privaten Käufer sich erhalten hat, ist 
ein Beweis, wie feste Sitten und Preissatzungen heute noch tief in die freie Wert— 
bewegung eingreifen. 
Können so heute Gewohnheit und Bedürfnis Preissatzungen zu autoritativem 
Rang erheben, so haben natürlich auch die Gewerbefreiheit und ihre Verbote die Preis— 
verabredungen aller Kreise nie ganz gehindert. Sie sind in steigendem Maße im 
18. Jahrhuͤndert bei Bäckern und Fleischern, Klein- und Großhändlern, Fabrikanten 
und Gutsbesitzern, Hausindustriellen und Arbeitern entstanden; überall erlahmte Polizei 
und Gericht welche sie hindern wollten, zumal wo es sich um mächtige, reiche Ver— 
käufer in leiner Zahl handelte, die sich beim Diner, beim Weggehen aus einer Sitzung 
der amtlichen Interessenvertretung oder des Interessentenvereins verständigen konüten 
Aber auch Dutzenden, Hunderten und Tausenden von Arbeitern und kleinen Produzenten 
ist vielfach dasselbe gelungen; sie haben für bestimmte Leistungen und Waren gleich— 
mäßige feste Preise verabredet und sie fur bestimmte Zeiten festzuhalten vermocht. Eine 
Ihebliche Verstärkung erhielten diese einseitigen Verabredungen, wo es gelang, sie zur 
rundlage zweiseitiger Verständigung zwischen Gruppen von Käufern und Verkaufern 
zu machen. Wir haben die Organisatin dau hier nicht zu schildern. Auf das Zu—
	        

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