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Schutz dem Arbeiter!

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Bibliographic data

fullscreen: Schutz dem Arbeiter!

Monograph

Identifikator:
829324011
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-85896
Document type:
Monograph
Author:
Hitze, Franz http://d-nb.info/gnd/118705288
Title:
Schutz dem Arbeiter!
Place of publication:
Köln
Publisher:
Bachem
Year of publication:
1890
Scope:
1 Online-Ressource (VIII, 264 S.)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Schutz dem Arbeiter!
  • Title page
  • Contents

Full text

207 
tunten gegenüber das »Wohlwollen« zn Rathe zöge, anstatt nüchterner Berechnungen? 
Kann er es dem Lieferanten eines andern nothwendigen Productionsmittels, der Arbeit, 
gegenüber anders thun? ') Im Laufe der Entwickelung kam vielmehr der Arbeitgeber zur 
') Dr. von Schulze-Gaevernitz stellt sich mit diesen Ausführungen consequent 
auf den Standpunkt des Manches«erthnms — „unbeschadet der weitern und Hähern 
Pflichten" des Arbeitgebers „gegenüber der Gesellschaft". Wir wissen nicht, wie Herr Dr. 
ļ’on Schulz e-G never nit; das Verhältniß des ersten und zweiten Salzes sich denkt. 
Es herrscht vielfach die Anschauung, als ob „Wohlwollen" und „Wohlfahrts- 
b e st r e b u n g c n" immer oder auch nur in der Regel au f Ko st e n d e r „F r e ih eit" 
und „Gerechtigkeit" gingen — ein Standpunkt, den wir doch nachdrücklichst zurück 
weisen möchten. Wir Plaidiren seit Jahren für „Wohlfahrts-Einrichtungen" 
und „Fürsorge" für die Arbeiter, aber wahrlich nicht in dem Sinne, um die Arbeiter zu 
binden, ihnen die volle Verwerthung ihrer Arbeitskraft zu verschränken, Al 
mosen und „Wohlthat" anstatt des „Rechtes" zu bieten. Wir kennen auch eine große 
ña bl von Arbeitgebern, die an einen „Dank" in bent Sinne, daß nun der 
Arbeiter auch nur einen Groschen weniger Lohn verdienen solle resp. beanspruchen 
dürfe, als den Verhältnissen des „Arbeitsmarktes" entspricht, nie gedacht haben, die viel 
mehr ihre erste und wichtigste Aufgabe darin erblicken, den Arbeitern einen aus 
reichenden, stetigen Lohn zu sichern, — nicht bloß den gerechten Antheil in auf- 
steigenden Wirthschaftsperioden ehrlich zu gewähren, sondern denselben auch über die 
schlechten Zeiten nach Möglichkeit hinwegzuhelfen. Arbeitgeber und Arbeiter stehen sich nicht 
(bloß) gegenüber wie Käufer und Verkäufer; der Arbeitgeber schuldet den Arbeitern mehr 
als den „marktgängigen Preis" und umgekehrt. Persönliche, menschliche Beziehungen 
lolle» beide verbinden — so entspricht es dem natürlichen Gefühl, so ist es christliche 
Pflicht. „Gerechtigkeit" und „Liebe" schließen sich nicht aus. Wohlwollen und Treue 
smd Tugenden, die man nicht aus der Gesellschaft verbannen sollte. Man soll nicht in 
der Bekämpfung des einseitig patriarchalischen Standpunktes nun in allen Wohlfahrts 
Einrichtungen bewußte oder unbewußte Attentate auf die Freiheit und selbständige Be 
wegung der Arbeiter wittern, die besten Absichten mißdeuten, und dem Arbeitgeber jedes 
wahre ideale Streben verleiden — um so weniger, als wir die englischen Arbeiter-Orga 
nisationen noch nicht haben. 
Wir meinen, die ehrliche Anerkennung der vollen Gleichberechtigung der 
Arbeiter bei Schließung des Arbeitsvertrages und das Gefühl der Pflicht und der Ver 
antwortung des durch Intelligenz, gesellschaftliche Stellung und Einfluß höher stehenden 
Arbeitgebers schließt sich nicht nus.^ In der Verbindung des „patriarchalisch"-deutschen 
und des „demokratisch"-englischen Standpunktes liegt die Lösung. 
. Was speciell die Lohnfrage anbelangt, so „wird derjenige Arbeitgeber, welcher 
seine Bestrebungen: die Arbeiter zur Sparsamkeit zu erziehen, denselben eine aus 
reichende Wohnung zu verschaffen, sieŞvor Roth, vor Inanspruchnahme der Armen 
pflege zu bewahren :c., mit Erfolg gekrönt sieht, um so freudiger die Hand bieten, 
durch gute Löhne die Lebenshaltung der Arbeiter auch noch weiter zu heben. 
Bethätigung des Wohlwollens auf dem einen Gebiete weckt und fördert die Freude am 
Schaffen auch ans andern Gebieten. Wer für Wohlfahrts-Anstalten nichts übrig hat, 
wird jedenfalls auch nicht mehr an Löhnen zahlen, als er durch die Concurrenz zu 
zahlen gezwungen ist, wer dagegen seine persönliche Theilnahme den Arbeitern 
und ihren Familien zuwendet, wer Gelegenheit nimmt, Einblick in deren Verhältnisse zu 
Nehmen, wird auch alles aufbieten, den Arbeitern durch gute Löhne die Sorgen zu er 
leichtern, denselben auch ihren Antheil an den Freuden des Lebens zu sichern. 
„Im Uebrigen bedarf es wohl kaum der weitern Ausführung, daß wir (mit Herrn 
Oechelhäuser, in der allmäligen. nachhaltigen Steigerung des Lohn 
niveau's das — oder wenigstens ein — Hanptmoment in der Lösung der socialen 
Frage erblicken. »Das Streben nach einer solchen allmäligen Erhöhung der Löhne ist also 
von Seiten der Arbeiter ein vollständig berechtigtes, so weit es die dem Arbeit 
geber duich die Eoncurrenz gezogenen Grenzen achtet, und es ist unabweisbare 
Pflicht des Arbeitgebers, demselben so weit zu entsprechen, wie es die 
Rücksicht auf Gegenwart und Zukunft seines Unternehmens nur gestaltet. Dem denkenden
	        

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Schutz Dem Arbeiter! Bachem, 1890.
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