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Die Methoden der Volkszählung, mit besonderer Berücksichtigung der im preussischen Staate angewandten

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Bibliographic data

fullscreen: Die Methoden der Volkszählung, mit besonderer Berücksichtigung der im preussischen Staate angewandten

Monograph

Identifikator:
844102423
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50140
Document type:
Monograph
Author:
Engel, Ernst http://d-nb.info/gnd/116486856
Title:
Die Methoden der Volkszählung, mit besonderer Berücksichtigung der im preussischen Staate angewandten
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Königliche Geheime Ober-Hofbuchdruckere
Year of publication:
1861
Scope:
1 Online-Ressource (64 S)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Die Methoden der Volkszählung, mit besonderer Berücksichtigung der im preussischen Staate angewandten
  • Title page
  • Contents

Full text

gen. Unleugbar ist ein weitläufiges, ungemein spaltenreiches 
Formular für die Erhebung der Thaisachen sowohl, als 
auch für die Zusammenstellung derselben etwas höchst un 
praktisches. Nicht allein, dass man es mit einem physisch nur 
schwer zu bewältigenden Papierconvolut zu thun hat, ist es 
auch etwas Trostloses, eine Arbeit vor sich zu haben, deren 
Ausdehnung sich im buchstäblichen Sinne des Worts kaum 
nach der Elle messen lässt. Insofern jede Spalte c. 1 Zoll 
Raumesbreite einnimmt, beträgt die Länge der Tabelle über 
50 Fuss. Kein Wunder daher, dass Diejenigen, welchen die 
Ausfüllung der Tabelle oblag, ihren Hauptwunsch unablässig dahin 
richteten, dass so viel Spalten als möglich unterdrückt würden, 
denn mit jeder unterdrückten Spalte nahm die Arbeit um einen 
Zoll ab. Die Entwicklung der preussischen Statistik wäre 
jedenfalls von Haus aus eine ganz andere, eine vielseitigere ge 
wesen, wenn von Hoffmann gleich ursprünglich, anstatt einer 
einzigen Tabelle, eine systematisch geordnete Reihe von Ta 
bellen eingeführt und deren Bearbeitung angemessen auf ge 
wisse Zeiträume vertheilt worden wäre. Statt dessen ist jener 
Entwicklung durch die Zusammenfassung alles statistischen 
Stoffs in eine einzige Tabelle gleichsam ein papierner Damm 
entgegengestellt worden. Mit jedem Male, wo an ihm herum 
gerüttelt, wo er geschmälert wurde, wurde gleichzeitig auf die 
amtliche Statistik und den reichen Inhalt des ersten Formulars 
ein Streich geführt. Endlich sah sich Hoffmann genöthigt, 
den Damm theilweise abzutragen, aus einem Körper mehrere 
zu machen. So entstanden die mehreren Tabellen. Man kann 
es leicht nachweisen, dass und wie sie aus der ersten einzigen 
hervorgegangen sind. Leider hat auch in den getrennten Ta 
bellen die Spaltennumerirung ihre Wirkungen fortgeäussert. 
Lediglich aus Rücksicht auf die Beschränkung der Zahl der 
selben auf ein Minimum ist der wünschenswerthe Ausbau 
mancher von ihnen unterblieben, so dass thatsächlich quantitativ 
die preussische amtliche Statistik keine Bereicherung erfuhr. 
Ja es geht aus der blossen Vergleichung der Spaltentitel sogar 
hervor, dass hinsichtlich des Inhaltreichthums die Tabelle von 
1810 die heutigen in vieler Beziehung überragt. 
Indess bei der Statistik handelt es sich nicht so sehr um 
viele , als vielmehr um gute Nachrichten, d. h. also um eine 
methodische Erhebung, Sammlung und Nutzbarmachung der 
staatlich wichtigen und interessanten Zustände. Den Nachweis 
des innern Zusammenhangs aller Erscheinungen und Zustände 
verdankt man vorzugsweise der neuern Zeit, und in ihr den 
Männern, welche die Statistik zur Physik des Staats und der 
Gesellschaft ausgebildet haben. Unbedingt war Hoffmann einer 
der Ersten, jedenfalls aber der Bedeutendste, welcher so früh 
zeitig dieser Richtung der Statistik huldigte, denn Niemand 
verstand es besser wie er, den Causalzusammenhang der Dinge 
darzulegen und zu beschreiben. Er also hat der Entstehung 
der Physik der Gesellschaft eine breite Bahn gebrochen. In 
seinem Geiste ist es, auf dem von ihm betretenen Wege weiter 
zu wandeln. Seiner Auffassung entsprach es aber nicht, das 
Volk blos zu zählen, sondern er wollte es auch beschreiben. 
Darin liegt ja auch der hauptsächlichste Werth der grossen 
mühsamen Operation einer Volkszählung. 
Eine Volkszählung ist bekanntlich ein Unternehmen, bei wel 
chem, wenn es alle Bewohner des Staats treffen soll, die Behörde 
den Namen j edes Menschen im Staate zu wissen verlangen muss, 
um die Zahl derselben genau feststellen zu können. Die Er 
fahrung hat nun aber gelehrt, dass, wenn zur namentlichen 
Aufführung jedes Bewohners des Staats zu verschreiten ist, 
es kaum eine grössere Belästigung der Bewohner ist, wenn 
neben der Zahl derselben auch deren Beschaffenheit zu er 
mitteln versucht wird. In der That sind alle Volkszählungen 
der neueren Zeit nicht blos Volkszählungen, sondern Volks 
beschreibungen, zusammengesetzt aus der detaillirten Beschreib 
ung jedes einzelnen Individuums. Und alle Fragen der innern 
Politik und der Verwaltung, der Socialökonomie etc. lassen 
sich beantworten, wenn durch die Volksbeschreibung von jedem 
Bewohner neben seiner Existenz 
1) Geschlecht, 
2) Alter, 
3) körperliche Beschaffenheit, 
4) geistige Beschaffenheit, 
5) Confession oder Religionsbekenntniss, 
6) Familienverhältniss, 
7) Stand und Beruf, Erwerb, Vermögen, 
8) Arbeits - und Dienstverhältniss , resp. Abhängigkeitsver- 
hältniss, 
9) Art des Aufenthalts, Wohnungsweise, 
10) Abstammung, Sprache, 
d. h. also seine körperliche, geistige und sociale Beschaffen 
heit ermittelt worden ist. Daher ist es denn auch vorzugs 
weise das Bestreben der Statistik, die Volkszählungen zu ver 
vollkommnen, ihre Methoden auszubilden und, um es kurz zu 
, sagen, ein Maximum der ebengenannten Details mit einem 
Minimum von Belästigung für die Befragten und die Fragen 
den zu erforschen und rasch zur allgemeinen Uebersicht zu 
bringen. 
Den Beweis für diese Behauptung zu liefern ist nicht 
schwer. Nicht allein die mit grossen Mühen und Kosten aus 
geführten Zählungen in Belgien (im Jahre 1846), in Nord- 
Amerika (im Jahre 1850), in Grossbritannien (im Jahre 1851), 
in Frankreich (im Jahre 1856) enthalten ihn vollständig, son 
dern auch die mancher deutschen Länder können sich jenen eben 
bürtig an die Seite stellen. Nicht minder anerkennenswerth 
nach Anlage und Ausführung ist auch die östreichische vom 
Jahre 1857. Es dürfte überhaupt eine der interessantesten 
statistisch - geschichtlichen Arbeiten sein, die Fortschritte der 
Statistik an dieser schwierigsten ihrer Arbeiten zu prüfen und 
zu messen. Glücklicherweise sind in den leicht zugänglichen 
Ausführungsverordnungen und den späteren Veröffentlichungen 
der gewonnenen Resultate die Mittel zu solcher Prüfung aus 
reichend gegeben, so dass es einem Geschichtsschreiber der 
Volkszählungen nicht an verlässlichem Material gebrechen wird. 
Vorliegende Denkschrift will indess eine solche historische 
Arbeit nicht sein. Hat sie auch dann und wann auf Zähl 
ungen in andern Ländern hinzuweisen, so handelt es sich an 
diesem Orte weniger um eine Kritik fremder Zählungen, als 
vielmehr um die Frage: Inwieweit wurde der eigentliche, 
oben klar und bestimmt ausgesprochene Zweck und Umfang 
der Volkszählung und Volksbeschreibung durch die bisherigen 
und neuesten Unternehmungen dieser Art in Preussen erreicht? 
1) In Betreff des Geschlechts. Da es von Natur 
nur zwei Geschlechter giebt, so macht die Trennung in männ 
liche und weibliche Personen nicht viel Mühe. Sie ist darum 
auch allenthalben in den Tabellen beobachtet. 
2) In Betreff des Alters. Das Alter der Bewohner 
eines Staats ist fast eben so ungleich, als sie selbst. Um in 
diesem Meer von Verschiedenheit nicht ganz unterzugehen, ist 
die Zusammenfassung gewisser Altersclassen unerlässlich. Für 
eine Menge der wichtigsten Zwecke empfiehlt es sich, bei der 
Altersgruppenbildung das Jahr als Einheit anzusehen und die 
Individuen nach Gruppen zu ordnen, die um je ein Jahr auf 
wärts steigen. Die preussischen Tabellen classifieirten die 
männlichen und weiblichen Bewohner früher nicht conform. 
Dagegen geschieht es seit neuerer Zeit, und zwar, wie folgt: 
von unter bis mit 5 Jahren, 
* über 5 — 7 
» , 7—14 
, . 14—16 
» » lb — 19 » 
» „ 19—24 
.. » 24 - 32 
» , 32—39 
» » 39 — 45 » 
« » 45 — 50 >' 
» » 50 —— 60 » 
» » 60 » 
Vorstehende Classificirung hat bereits von vielen Seiten 
die allerschärfste Kritik erfahren und nicht mit Unrecht. 
Zunächst macht sie durch ihre Vernachlässigung der Jugend 
jahre ein begründetes Urtheil über die Kindersterblichkeit 
absolut unmöglich. Ferner schneidet sie durch die An 
nahme so particularer Altersgruppen die Füglichkeit jeden Ver 
gleichs ab, welches nicht der Fall zu sein brauchte, wenn 
neben den genannten, für gewisse administrative Zwecke aller 
dings benöthigten Altersclassen auch noch die allgemeineren, 
nach Jahrfünften vorschreitenden eine Stelle gefunden hätten. 
Für die höheren Altersjahre lässt sich in Preussep ebenfalls 
eine Lebenswahrscheinlichkeit nicht ermitteln und berechnen. 
Und daher kommt es, dass dieser grosse mächtige Staat, 
in dem so viele Lebens- und Rentenversicherungen abge 
schlossen werden, keine Sterblichkeitstafel hat, weil ihm die 
Unterlagen zur Bearbeitung einer solchen fehlen. Alle An 
stalten in der Monarchie, deren Geschäftsbetrieb auf der 
Lebenswahrscheinlichkeits-Berechnung basirt, operiren auf der 
Grundlage englischer, französischer, belgischer, holländischer 
und sonstiger Mortalitätstabellen, nicht aber auf preussischen. 
Mag nun auch hinsichtlich der Mortalität unter den einzelnen 
Nationen eine mehr oder minder grosse Verwandtschaft der 
Zahlenverhältnisse bestehen, in Folge dessen der Gebrauch 
fremder Tafeln nicht absolut unstatthaft ist: so ist es doch 
gewiss beklagenswert!!, dass dieser Mangel an provinziellen 
Sterblichkeitstafeln heute noch vorhanden ist und seiner Ab 
hilfe entgegenzusehen hat. — Die genaue Kenntniss des Alters 
ist auch noch wichtig für die Erkenntniss des Reichthums 
einer Nation, der in den Bewohnern selbst liegt. Nicht die 
blosse Zahl derselben gewährt einen Einblick in die Macht-
	        

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Die Methoden Der Volkszählung, Mit Besonderer Berücksichtigung Der Im Preussischen Staate Angewandten. Königliche Geheime Ober-Hofbuchdruckere, 1861.
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