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Sozialismus und Regierung

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Bibliographic data

fullscreen: Sozialismus und Regierung

Monograph

Identifikator:
845394444
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-47716
Document type:
Monograph
Author:
Grotewold, Christian http://d-nb.info/gnd/133549372
Title:
Das Finanzsystem des deutschen Reiches in politischer und wirtschaftlicher Beziehung
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Poeschel
Year of publication:
1906
Scope:
1 Online-Ressource (VII, 150 S)
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Kapitel I - Die das finanzverhältnis des Reichs zu den Bundesstaaten regelnden Verfassungsbestimmungen. Die Einrichtung des Etats
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Sozialismus und Regierung
  • Title page
  • I. Der Staat
  • II. Das Wahlrecht
  • III. Die politische Organisation des Staates
  • IV. Die Partei und das Parlament
  • V. Die Demokratie und das Imperium
  • VI. Der sozialistische Staat
  • Contents

Full text

Unsere paxlamentarischen Gepflogenheiten ermutigen außerdem die 
gegenwärtigen Methoden der parlamentarischen Opposition. Während 
der Nachmittags- und Abendsitzungen des Unterhauses erfüllen eine 
Atmosphäre und ein Geist der Arbeitsunlust den Saal. Nachmittags 
sitzungen können nie von Dingen wie Scherz und eitlen Demonstrationen 
getrennt werden, ihr praktischer Wert ist gering. Käme das Haus ab 
wechselnd um io Uhr morgens und um 2 Uhr nachmittags am nächsten 
Tage zur Beratung zusammen und vertagte sich regelmäßig um 7 Uhr 
abends, so würde das Parlament viel mehr und bessere Arbeit als heute 
leisten. Ebenso könnten Qualität und Quantität der Gesetzgebung er 
höht werden, wenn im Sommer Ferien wären und die Session im Herbst 
wieder begänne. 
Solche Umwandlungen könnten den „Berufspolitiker“ über uns 
bringen. Dieser Beiname ist so häßlich geworden, daß nur wenige über 
seinen Sinn nachdenken oder sich fragen, wodurch er sich von unserem 
jetzigen Zustand unterscheidet. Der Name erschreckt sie, das genügt. 
Ein Berufspolitiker ist jemand, der seine ganze Zeit den öffentlichen 
Angelegenheiten widmet, was aber nicht heißt, daß er ein Demagog 
werden muß. Wenn dem so wäre, könnte die traurige Tatsache nicht 
vergessen werden, daß der Demagog, der in allen Parteien heimisch 
ist und der allen Gesellschaftskreisen entstammt, schon heute unter 
uns weilt. Es besagt aber auch nicht, daß er ein minderwertiger Cha 
rakter sein muß. Unter unserem heutigen aristokratischen und pluto- 
kratischen System wird die Politik bewußt für Parteigängervorteile er 
niedrigt. Leute, die über Muße und Geld verfügen, mögen sie zum Par 
lamente zählen oder nach einem Mandate streben, haben es offenbar 
noch niemals als eine ihrer Pflichten angesehen, sich oder ihrer Klasse 
eine Überlegenheit des politischen Charakters zu sichern. Ebenfalls wird 
unser „Berufspolitiker“ nicht notwendigerweise seine Stellung für 
seinen eigenen Vorteil oder den seiner Kaste benutzen. Heute gibt 
es im Haus der Gemeinen reiche Mitglieder, die aufrichtig und ehrlich 
glauben, daß die Interessen des Handels und des Erwerbs oder die 
Interessen der Klasse, zu der sie selbst gehören, alle anderen natio 
nalen Rücksichten verdrängen müssen. Das Haus der Lords ist eine 
Einrichtung, deren einziger Daseinsgrund darin besteht, die Inter 
essen ihrer Mitglieder wahrzunehmen. 
Außerdem ist es schwer, für des Reichen oder Adeligen Sohn, den 
68
	        

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Sozialismus Und Regierung. Eugen Diederichs, 1912.
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