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Russlands Bankerott

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Bibliographic data

fullscreen: Russlands Bankerott

Monograph

Identifikator:
869807978
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-400
Document type:
Monograph
Title:
Russlands Bankerott
Place of publication:
Berlin-Charlottenburg
Publisher:
Plutus Verlag
Year of publication:
1906
Scope:
1 Online-Ressource ([5] Blatt, 125 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
III. Polemilches.
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Russlands Bankerott
  • Title page
  • Contents
  • I. Zur Warnung.
  • II. Beiträge zur Zeitgeschichte.
  • III. Polemilches.

Full text

118 
Ein 
Gesinnungs 
wechsel der 
Regierung? 
Der Rückzug 
der Presse. 
Norddeutschen Allgemeinen Zeitung erlassen, so wäre ihm daraus nicht de- 
geringste Vorwurf zu machen gewesen. Aber Fürst Bülow hat viel mehr 
getan. Er hat von gänzlich haltlosen Grundlagen gesprochen, auf denen das 
Martinsche Buch beruhe. Er hat damit über den Inhalt jener Schrift ein 
Urteil gefällt und mußte sich ganz klar darüber sein, daß diese offiziöse 
Erklärung genau so, wie seine früheren Reden im Reichstag, bei den Besitzern 
russischer Finanzen den Eindruck erwecken mußte, man sehe an den leitenden 
Stellen der deutschen Reichspolitik die Lage der russischen Finanzen für 
durchaus sicher an. Dieser Vorwurf ist vom Fürsten Bülow nicht wegzu- 
waschen. Sonderbarerweise hat er bisher auch gar nicht das Bedürfnis 
gezeigt, sich von diesem Vorwurf zu reinigen. Weshalb nun — so fragt 
man doch unwillkürlich — tritt jetzt plötzlich das Bestreben auf, die Bevölkerung 
darauf hinzuweisen, daß der deutsche Reichskanzler kein Finanzprophet ist. 
Vielleicht ist des Rätsels Lösung darin zu suchen, daß der Reichstag zusammen 
getreten ist und Fürst Bülow fürchtet, man könnte doch wohl in den Kreisen 
der Abgeordneten angesichts der gewichenen Russenkurse das Bedürfnis 
empfinden, ihn an den Mangel prophetischer Gabe zu erinnern. Allein auch 
das erklärt die Reinwaschtätigkeit der Offiziösen nicht vollständig. Man wird 
vielmehr zu dem Schluß gezwungen, daß auch in unsere leitenden politischen 
Kreise allniählich die Erkenntnis sich Bahn bricht, daß die finanzielle Position 
Rußlands recht prekär ist, und daß man nun allzu gern die Verantwortlichkeit, 
das deutsche Publikum noch zum Bezug der letzten Russenanleihe animiert 
zu haben, vom Reichskanzler ablenken möchte. Das tut man nun allerdings 
mit dem Hinweis darauf, daß seinerzeit die russisch-deutsche Freundschaft 
gebot, für Rußland einzutreten, auf eine möglichst ungeschickte Weise. Sind 
wir denn heute nicht mehr mit Rußland politisch befreundet, daß unsere 
Offiziösen jetzt durch die Art ihrer Verteidigung das Publikum mißtrauisch 
gegen die nächste russische Anleihe machen dürfen? Oder soll etwa der 
offiziöse Eiertanz von vornherein für neue Lobeshymnen des Reichskanzlers 
auf die russischen Finanzen Pardon erbitten? Bei der Beratung des Reichs 
kanzler-Etats werden wir ja sehend) 
* * 
* 
(9. Dezember 1905.) 
Ich habe bereits darauf aufmerksam gemacht, daß der Reichskanzler 
sein Gemüt zu saldieren versucht, weil er noch vor kurzer Zeit dem deutschen 
Publikum Russenwerte empfahl. Wer vor acht Tagen noch geglaubt hat, daß 
dieser Versuch des Rückzugs nur in meiner Phantasie bestand, hat sich in der 
abgelaufenen Woche davon überzeugen können, daß es sich tatsächlich um 
einen wohlausgeklügelten Plan handelt, der von der Verzweiflung des 
Moments eingegeben war. Nicht nur dem Reichskanzler, nicht nur seinen 
offiziösen Pressetrabanten, nein, der ganze Chorus derjenigen Presse, die 
i) Bekanntlich wurde der Reichskanzler, bevor er sich über die russische Anleihe erklären 
konnte, im Reichstag plötzlich unwohl. Vergleiche den Artikel „Das Rätsel von Algeciras" in 
dieser Sammlung.
	        

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Der Wirtschaftsbetrieb Als Betrieb (Arbeit). Verlag von Julius Springer, 1936.
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