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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

2. Die Tulpenmanie in den Niederlanden (1634). 
93 
Liebhaberei für diese Blume, daß in den Jahren 1634—1638 eine wahre Manie 
ausbrach, die zu einer reichen Landelsquelle der Spekulanten wurde, vornehmlich in 
den Städten Amsterdam, Lltrecht, Rotterdam, Alkmar, Leyden, Larlem, Enkhuisen, 
Vianen, Loorn und Medenblick. Der Kandel wurde nach dem Gewicht der Tulpen 
zwiebeln (nach Affen) ganz geschäfts- und börsenmäßig betrieben. Geld, Güter, Laus 
und Los, Vieh, Gerätschaften und Kleider wurden für Tulpenzwiebeln gegeben und 
verschrieben. In einer alten Schrift heißt es: Edelleute, Kaufleute, Landwerker, Schiffer, 
Bauern, Torfträger, Schornsteinfeger, Knechte, Mägde, Trödelweiber usw., alles war 
von gleicher Sucht befallen. Anfangs gewann ein jeder, und viele kamen nach 
gemachtem Landet, wie die Lolländer mit einer im Bauernkrieg auch in Deutschland 
sehr beliebten Bezeichnung sich ausdrückten, als die „großen Lansen" daher. In allen 
Städten waren Wirtshäuser gewählt, welche statt der Börse dienten, wo Vornehme 
und Geringe um Blumen handelten und die Konttakte mit großen Trattamenten be 
stätigten. Sie hatten unter sich Gesetze, Notare, Schreiber. 
„Die Geschichte der Tulpenmanic in Lolland", sagt John Francis, „ist so lehr 
reich, als irgend eine einer ähnlichen Periode. Im Jahre 1634 waren die Laupt- 
städte der Niederlande in einen Schacher verwickelt, welcher den soliden Lande! ruinierte, 
indem er das Spiel aufmunterte, welcher die Lüsternheit des Reichen, wie die Begierde 
des Armen verlockte, welcher den Preis einer Blume höher als ihr Gewicht in Gold 
steigerte, und welcher endigte, wie alle solche Perioden geendigt - haben, in Elend und 
wilder Verzweiflung. Viele wurden zugrunde gerichtet, nur wenige bereichert, und 
Tulpen waren 1634 so eifrig gesucht, wie 1844 Eisenbahnaktien (in England und — 
können wir hinzufügen — 1856 Kreditaktien in Deutschland). Die Spekulation wurde 
bereits damals nach ähnlichen Prinzipien geleitet. Geschäfte wurden abgeschlossen auf 
die Lieferung gewisser Tulpenzwiebeln, und wenn, wie ein Fall vorkam, nur zwei Stück 
aus dem Markt waren, so wurden Lerrschaft und Land, Pferde, Ochsen, Lab und 
Gut verkauft, um die Differenz zu zahlen. Kontrakte wurden abgeschlossen und Tausende 
von Gulden für Tulpen bezahlt, welche weder die Makler noch Käufer oder Verkäufer 
gesehen hatten. Für einige Zeit gewannen, wie gewöhnlich in solchen Perioden, alle, 
und keiner verlor. Arme Personen wurden reich. Loch und nieder handelte in 
Blumen. Die Notare bereicherten sich, und selbst der nüchterne Lolländer ttäumte ein 
dauerhaftes Glück vor sich zu sehen. Leute der verschiedensten Professionen versilberten 
ihr Eigentum. Läufer und Gerätschaften wurden zu Schleuderpreisen ausgeboten. Das 
Land gab sich der ttügerischen Loffnung hin, daß die Leidenschaft für Tulpen immer 
andauern würde, und als man erfuhr, daß selbst das Ausland von dem Fieber er 
griffen wurde, so glaubte man, daß der Reichtum der Welt sich an den Llfern des 
Zuydersees konzentrieren, und daß die Armut hinfüro zur Sage in Lolland werden 
würde. Daß man ernsthaft bei diesem Glauben war, beweisen die Preise, die gezahlt 
wurden, und die Manie muß in der Tat tief gewurzelt haben, wenn, wie von vielen 
glaubwürdigen Zeitgenossen versichert wird, Güter im Werte von 2500 fl. für eine 
Spezies gegeben wurden, wenn für eine andere in der Regel 2000 fl. geboten und 
eine dritte einen neuen Wagen, zwei Schimmel samt Geschirr wertgeachtet wurde; 
wenn zwölf Acker Land für eine Tulpe bezahlt wurden." 
400 Aß von der Tulpenzwiebel, genannt Admiral Liefken, kosteten 4400 fl.; 
446 Aß vom Admiral van der Eyk 1620 fl.; 1600 Aß Schilder 1615 fl.; 410 Aß 
Vizeroy 3000 fl.; 200 Aß Semper Augustus 5500 fl. usw. Die Stadtregister von 
Alkmar bezeugen, daß 1637 hundert und zwanzig Tulpenzwiebeln zum Nutzen des 
Waisenhauses öffentlich für 90000 fl. verkauft worden sind. Die Larlemer waren auf den 
Tulpenhandel so erpicht, daß sie damals allgemein die „Blumisten" genannt wurden. 
Ein Mann gewann in wenigen Wochen 60 000 fl.; viele reiche Läufer wurden 
aber auch zugrunde gerichtet.
	        

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Über Die Bedingungen Der Industriellen Entwicklung Russlands. J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), 1913.
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