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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

126 Zweiter Teil. Äanbct. VI. Handlungsgehilfe und Handlungslehrling. 
zufallen wird, diesen Entwickelungsprozeß mehr als die heute lebende Generation durch 
zukämpfen, für eine erfolgreiche Durchführung dieser schwierigen Aufgabe entsprechend 
vorbereitet und vorbildet. 
Die Erziehung und Ausbildung des jungen Kaufmanns wurde langezeit hin 
durch von der Auffassung beherrscht, daß derselbe nur für den Prinzipal da fei. 
Erst allmählich, als der Handel selbst nicht mehr in feinen gewohnten Bahnen zu 
führen war und die Aufhebung der zünftlerischen Vorrechte einen allgemeinen Andrang 
zum Kaufmannsberuf hervorrief, nahm auch das Verantwortlichkeitsgefühl des Lehr 
herrn gegenüber feinen Lehrlingen einen anderen Charakter an. Der moderne Handels 
betrieb hatte inzwischen auch ganz neue Lebensbedingungen erhalten. Alle Schwierig 
keiten des Verkehrs waren in Wegfall gekommen, die Bezugsquellen wurden so bekannt, 
daß mit der Entwicklung der Massenproduttion der Kaufmann auch nicht mehr einen 
Schritt zu tun brauchte, um sich von allen Seiten Offerten zu holen. Der Geld 
verkehr wurde so erleichtert, das Kreditwesen so ausgebildet, die Bedürfnisse der 
Konsumenten so ins Massenhafte gesteigert, daß alles nach diesem geldbringenden 
Beruf hinströmte. And doch war der Beruf in anderer Beziehung gerade dadurch 
schwieriger geworden. Je leichter es war, Kaufmann zu werden, desto schwieriger war 
es, Kaufmann zu bleiben. Jetzt war die Frage nach der anderen Richtung hingedrängt: 
Es kam nicht mehr darauf an, zu wissen, wo man Ware beziehen sollte, sondern wo 
sie abzusetzen war. 
Der Kaufmann wurde, durch die Konkurrenz gedrängt, gezwungen, feste Preise 
einzuhalten, und so brachte die Konkurrenz das Willkürliche des Handels in eine 
bestimmte Form. Der Betrieb wurde rationeller, aber das Risiko bezüglich des 
Absatzes war ein ungleich größeres. Man konnte schneller reich werden, aber auch 
schneller verarmen. Der Betrieb eines Handelsgeschäftes verlangt heute eine regelrechte 
und ziemlich umfangreiche Fachbildung und bedingt außerdein eine Kenntnis der ver 
schiedenen den Handel regelnden Gesetze (Wechselordnung, Gewerbeordnung, Handels 
gesetzbuch). Die Fracht- und allgemeinen Ankostenberechnungen sind zu einem der 
wichtigsten Fattoren bei der Gewinnberechnung geworden, seitdem der Einkauf und 
der Verkauf keine großen Spannungen mehr gegenüber der Konkurrenz läßt. Es 
dringt in den Handelsbetrieb geradezu ein arithmetisches Prinzip hinein, gegen dessen 
Gesetz niemand ungesttaft sündigt. Man muß mit der Tatsache rechnen, daß der 
ordnungsmäßige Betrieb eines größeren Handelsgeschäftes heute genau so schwierig 
ist und so besondere betriebstechnische Kenntnisse bedingt wie andere Erwerbszweige auch. 
Wie wird nun heute der junge Kaufmann für den offenbar schwerer gewordenen 
Beruf vorgebildet? 
Es liegen mir hier zwei kleine Antersuchungen vor, die eine aus Frankfurt a. M., 
die andere aus Braunschweig, die einige bemerkenswerte Tatsachen offenbaren. 
In Frankfurt ist nach dieser Enquete eine Lehrzeit von 3 Jahren bei 62% der 
befragten Lehrlinge zu konstatieren. 15% machen eine solche von 2% Jahren und 
23% eine solche von 2 Jahren durch. Die Anterweisung geschieht in der Weise, daß 
die Lehrlinge in kleineren Geschäften durch die Angestellten, in größeren Geschäften 
durch die älteren Lehrlinge und nur in ganz seltenen Fällen durch den Lehrherrn unter 
wiesen werden. Bei 50% bestanden die Arbeiten im ersten Lehrjahre im Offnen und 
Schließen des Geschäftes, im Aufräumen, Abstäuben, in Botengängen und vielleicht 
noch im Kopieren und ähnlichen untergeordneten Arbeiten. Erst im dritten Jahre, bei 
besseren Geschäften auch schon im zweiten Jahre kam etwas Korrespondenz und Buchhaltung 
hinzu; einige Lehrlinge wurden sogar mit dem Kassen- und Wechselwesen bekannt gemacht. 
Bei einer Erhebung, die wir in Braunschweig anstellten, und die sich auf 90 Lehr 
linge erstreckte, stellte es sich heraus, daß nicht weniger als 26 von diesen während der 
Lehrzeit überhaupt nicht zu schriftlichen Arbeiten gekommen waren; ihre Tätigkeit be-
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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