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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

1. Das Wesen der wirtschaftlichen Konkurrenz. 
167 
welche die aufeinander im Geschästsleben angewiesenen Gruppen im ganzen machen, 
auf die verschiedenen Teilgruppen. 
Die unendliche Zahl von täglich und stündlich zustande kommenden Verträgen, 
durch welche der größere Teil des heutigen volkswirtschaftlichen Prozesses der Produktion 
und des Handels unterhalten wird, steht so unter dem steten Doppeldruck einmal der 
Konkurrenten jeder Gruppe unter sich und dann des gesellschaftlichen und psychologischen 
Einflusses, den das Aufeinanderwirken der im ganzen miteinander verkehrenden Gruppen 
ausübt. Die Voraussetzung des Druckes ist, daß die Waren oder Arbeit Verkaufenden 
und Kaufenden in Berührung kommen, voneinander wissen, immer wieder durch ein 
Ausleseverfahrcn zu Geschäftsabschlüssen kommen. Da jeder Abschluß auf dem Markt 
stattfindet zu dem bestimmten Wert oder Preise, der augenblicklich zu allgemeiner 
Anerkennung gekommen ist, so folgt, daß zu jeder Zeit nur die auf dem Markt ver 
kaufen und kaufen können, die sich dem Marktpreis unterwerfen. Zur selben Zeit kann 
auf demselben Markt für dieselbe Ware und Arbeit im großen und ganzen nur ein 
einheitlicher Preis herrschen; das ist die Folge des gesellschaftlichen Marktbewußtseins: 
jeder Käufer will nicht mehr zahlen als der andere; jeder Verkäufer so viel erhalten 
wie fein Konkurrent. Die Folge ist, daß jeder Verkäufer, der glaubt, so nicht ver 
kaufen zu können, vom Geschäft ausgeschlossen wird; jeder Käufer, der nicht so viel 
zahlen kann oder will, ohne Ware nach Lause gehen muß. 
Danüt ist zugleich bewiesen, daß es sich bei der wirtschaftlichen Konkurrenz auf 
dem Markte stets um ein Ausleseverfahren, um eine Art des Daseinskampfes handelt. 
Er kann zeitweise ohne Lärten auftreten, wenn Angebot und Nachfrage gleich groß 
sind, längere Zeit stabil bleiben, zu einem unveränderten Preise Ausgleich finden. 
Aber so oft ein Wechsel auf der einen oder anderen Seite eintritt, ist ein Überschuß 
des Angebots oder der Nachftage vorhanden, eine Wertänderung wird wahrscheinlich, 
ein Teil des Angebots oder der Nachfrage bleibt ausgeschlossen oder muß sich zu 
einein unliebsamen Preise entschließen. Die ausgeschlossenen Verkäufer können ver 
suchen, sich so anzustrengen, ihre Produktion so zu verbessern, daß sie noch Absatz 
finden; sie können auch versuchen, andere Märkte oder Käufer zu finden, die geringere 
Waren noch nehmen; sie gehen aber auch leicht zu Grunde. Die Lohnarbeiter, die 
von anderen unterboten werden, müssen mit dem kärglicheren Lohn zufrieden sein oder 
hungern. Die, welche kaufen wollten und zu dem teuren Preise nicht kaufen können, 
versuchen vielleicht mehr zu verdiene«, oder sie begnügen sich mit schlechterer Ware; 
dann beginnt aber mit der herabgesetzten Lebenshaltung schon ihre Verkümmerung. 
So sind immer zeitweise Unternehmer, Ländler, Landwerker, Arbeiter durch die Wucht 
der Konkurrenz bedroht, ja unter Amständen der Verelendung und dem Antergang 
verfallen. 
Stellen wir uns diese Vorgänge klar und lebendig vor, so haben wir damit 
auch die einfache Erklärung, warum die Konkurrenz in der älteren Literatur von den 
einen als nur segensreich, von den anderen nur als verderblich betrachtet wurde. Den 
einen erschien sie als das große Erziehungs-, den anderen als das Vernichtungsinstrument. 
Die ersten Verherrlicher der freien Konkurrenz waren Child, North, Davenant, 
die Physiokraten und Adam Smith. Die Konkurrenz, ruft Bastiat, ist die Freiheit, 
ist das demokratische Gesetz, das die Anterschiede ausgleicht, eine wirksame Gemeinschaft 
erzeugt, die großen Wohltaten der Natur allen zugänglich inacht, den Konsumenten 
billige und gute Waren schafft. Die Konkurrenz, sagt Cauwes, macht die Bedin 
gungen des Tausches unpersönlich, proportioniert Bedarf und Vorrat, macht den 
einzelnen unabhängig, ermäßigt die Gewinne, regelt die Produktion am besten. Die 
Konkurrenz, sagt Roscher, ist die natürliche Folge von persönlicher Freiheit und freiem 
Privateigentum, sie entfesselt alle Kräfte der Volkswirtschaft, allerdings auch die bösen 
neben den guten. Wo über Konkurrenz geklagt werde, meint er, sei häufig das
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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